Meine bisherigen Marathons und Ultras

Bisher bin ich 6 Marathons und 2 Ultras gelaufen.

1.) Köln-Marathon, 01.10.2017 – 4:47:38 h

2.) Glühwein-Marathon Dortmund, 17.12.2017 – 5:07:33 h

3.) Lippesee-Marathon (privat), 24.02.2018 – 5:10:10 h

4.) Harzquerung (Ultra), 51 km, 28.04.2018 – 7:09:42 h

5.) Bergstadt-Marathon Rüthen, 13.05.2018 – 5:18:03 h

6.) 6-h-Lauf Stadtoldendorf (Ultra), 16.06.2018 – 44,5 km / offiziell: 41,149 km

7.) Almetal-Marathon, 14.10.2018 – 5:31:11 h / 6 km mit Julian

8.) Rothaarsteig-Marathon, 20.10.2018 – 5:20:41 h

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Ein ganz besonderer Marathon

Am Sonntag stand ein ganz besonderer Marathon auf dem Programm. Ich hatte mich für den Almetal-Marathon angemeldet, der von Harth-Ringelstein an der Alme lang bis nach Paderborn führt. Im letzten Jahr war die Erstauflage und ich war mit dem halben Marathon dabei. Dieses Jahr sollte es also die komplette Distanz sein. Und inspiriert durch einen Papa, der über Facebook von einem Lauf mit seiner besonderen Tochter erzählte, wollte ich das große Abenteuer wagen und unseren besonderen Sohn Julian ein Stück mitnehmen.

Im Training habe ich Julian schon ab und an mal in seinem Rehabuggy für ein paar Kilometer mitgenommen. Das hat jedes Mal prima geklappt und er hatte auch seinen Spaß. Er kann nicht sprechen, aber sobald ich stehen bleiben oder langsamer laufe, trappelt er mit seinen Füßen, dass es wieder schneller gehen soll. Er ist teilweise so aktiv, dass er auch selber nach den Läufen platt ist. 😉 Auf jeden Fall hat er Freude daran und das hat mich motiviert, es einfach mal zu probieren.

Beim Almetal-Marathon gibt die Möglichkeit als Schnupperläufe kleinere Teilläufe mitzumachen. Allerdings stand in der Beschreibung, dass Babyjogger nicht erlaubt sind. Mmh. Was tun? Ich habe den Veranstalter angeschrieben und was soll ich sagen: Ich habe zwei superliebe Mails zurückbekommen. Das wäre natürlich gar kein Problem und Julian bekäme auch eine eigene Startnummer und er hat mir nochmal Tipps gegeben, welches Teilstück er am besten mit“laufen“ könnte usw. Wirklich es war ganz toll und ich war schon ganz gerührt. Julian konnte das letzte Teilstück ab Wewer von 6 km bis ins Ziel dabei sein.

Also hatten wir alles geplant: Mit unserer Pflegefachkraft haben wir am Freitag noch einen Probelauf gemacht – wir haben überlegt, wie wir Absauge, Notfallset, Monitor usw. gut unter bekommen, so dass beim Laufen nichts schlackert und ich auch nicht zu viel Gewicht habe. Außerdem habe ich noch zwei Mitläufer aus meiner Lauftruppe aktiviert. Mein Mann und unsere Pflegefachkraft hat Julian und die beiden Mitläufer zum Treffpunkt gebracht. Ich habe alle während des Laufs informiert, wie weit ich bin. Aufgrund der Hitze hat es etwas länger als gedacht gedauert und Julian war schon megaaufgeregt, dass wir uns nicht sicher waren, ob das alles noch so klappt.

Nach 4,5 Stunden bin ich also dort eingetroffen. Ich habe eine kleine Pause gemacht, mich nochmal gestärkt und dann haben wir natürlich noch Fotos gemacht. Außerdem war der Veranstalter, der mit mir vorher gemailt hatte, persönlich vor Ort, hat uns viel Glück gewünscht und noch Fotos gemacht. Und dann ging es im 4er Gespann los. Es war gut, dass ich Begleitung hatte, da ich so auf Julian achten konnte und nicht noch selber schieben brauchte. Mein Mann und die Pflegefachkraft sind schon zum Ziel vorausgefahren.

Nach 3 km haben wir eine Trinkpause gemacht und Julian hat auch ein bisschen Wasser über die Sonde bekommen. Da war ich vermutlich etwas übermütig, da er kurz danach leider etwas spucken musste. Ich habe ihn also abgesaugt und danach sind wir eher im schnellen Spaziergang weitergefahren. Wir wollten schließlich gut ankommen und die Zeit war mir völlig egal. Julian hat allerdings einige Male getrappelt, weil er gerne schneller wollte. 😉 Auf dem Weg haben uns auch einige Zuspruch geleistet und gesagt, wie toll sie das finden. Unsere kleine Truppe sah aber auch zu schön aus.

Kurz vorm Zieleinlauf habe ich ihn wieder übernommen und wir sind zusammen eingelaufen. Das war ein echter Gänsehautmoment. Der Zielsprecher war auch informiert und hat sowohl Julian als auch mich persönlich begrüßt. Wow! Da musste ich doch ein paar Tränen wegblinzeln. Das war soooo schön.

Julian hat sogar eine eigene Medaille bekommen (gibt es für die Schnupperläufer eigentlich nicht) und man hat richtig gemerkt, wie stolz er war. Und ich habe ihm auch diverse Mal gesagt, wie stolz ich auf ihn bin, dass er das geschafft hat. Die Medaille hat auch nachts mit im Bett geschlafen.

Das war wieder einer dieser zauberhaften Momente, bei denen man weiß, wofür man sich sonst so abmüht. Und es ist toll, dass wir jetzt ein gemeinsames Hobby haben. Ich werde jetzt regelmäßig gemeinsam mit ihm laufen (also einfach so im Wald) und ich habe auch eine tolle Laufgruppe, die mich da voll unterstützt.

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Die grünen Pfeile weisen uns den Weg. Die Ausschilderung ist wirklich sehr gut gewesen.
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Start in Harth-Ringelstein. Hier war es noch recht kühl und ich habe etwas gefroren.
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Die Alme, die uns den ganzen Weg begleitet. Hier führt sie Wasser. Um Wewelsburg herum ist sie aktuell komplett ausgetrocknet.
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Eine so tolle Motivation im letzten Drittel des Marathons.
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Die lustigen Männchen waren an diversen Stellen aufgemalt. Fand ich echt süß.

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So war mein Blick seeeehr lange beim Marathon. Eine lange Straße, Sonne, mein Schatten und das war’s. Da ich relativ langsam laufe, hatte ich so ab km 18 für eine seeeehr lange Zeit niemanden in meiner Nähe. Nur die Verpflegungsstationen waren noch belegt – zum Glück. Es war aber streckenweise schon echt einsam.
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Ab Wewer ist Julian im Rehabuggy dabei – mit seiner eigenen Startnummer.
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Trinkpause bei km 3 (für Julian) und km 39 für mich. Julian erhält sein Essen/Getränke über eine Magensonde.
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Der Zieleinlauf – ein absoluter Gänsehautmoment.
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So sieht das der ganze Marathon bildlich aus. Julian war aber km 36 (Wewer) dabei.

Im Kreis rennen – Mann mit dem Hammer – Platz 1

Das fasst meinen ersten 6-Stunden- Lauf ungefähr zusammen. Aber einmal von vorne:

Am 16. Juni hatte ich Zeit und was macht der gemeine Läufer, wenn er Zeit hat: Genau laufen! Da ich Lust auf einen kleinen Wettbewerb hatte, habe ich mich auf die Suche nach einem längeren Lauf in der Nähe gemacht und bin beim 24-h-Lauf in Stadtoldendorf hängen geblieben. Da keiner von meiner Laufgruppe sonst Zeit hatte, habe ich kurzerhand meinen kleinen Sohn (inklusive Betreuerin) eingepackt und wir haben uns auf den Weg gemacht.

Der Lauf findet auf einer Tartanbahn statt – also schön 400 m im Kreis. Vor dem Start wurde uns mitgeteilt, dass der Spanier Ivan versucht bei diesem Lauf einen neuen Rekord zu laufen und wir ihm möglichst Platz auf der Innenbahn machen sollten. Da der Gute mal locker doppelt so schnell lief wie ich, bin ich gar nicht mehr auf der Innenbahn gelaufen sondern auf Bahn 2 oder noch weiter außen – somit hatte ich direkt jede Runde ein paar Meter mehr.

Um 14 Uhr fiel der Startschuss. Nach ungefähr 5 Runden fand ich es zunächst ziemlich absurd, die ganze Zeit im Kreis zu laufen und habe überlegt, direkt wieder nach Hause zu fahren. Aber irgendwie war ich dann doch zu neugierig, wie sich das so anfühlt und bin geblieben. Außerdem war ich ja nun gerade auch da. Ab und an habe ich meinen Sohn Julian in seinem Rehabuggy mit genommen. Insgesamt sind wir 6 Runden gemeinsam gelaufen. Das fand ich sehr schön. Julian kann nicht selber laufen, daher laufe ich für ihn und habe das auch auf meinem T-Shirt stehen. Es war echt schön, dass er dabei war. Nach einiger Zeit wurde es ihm aber dann doch zu langweilig und er ist mit seiner Begleitung mit dem Zug nach Hause gefahren.

Beim 24-h-Lauf in Stadtoldendorf  gibt es neben dem 6-h-Lauf auch 12 und 24 Stunden. Jaha – es gibt genügend Leute, die 24 Stunden lang im Kreis rennen. Schon mit kleinen, aber keinen großen Pausen. Verrückt. Der Lauf ist ein netter, kleiner Stadtlauf, bei der viele aus der Gegend mitmachen. Und so gibt es auch viele, die einfach mal vorbeikommen, ein paar Runden laufen – nach Hause gehen – wiederkommen – und wieder laufen. Außerdem gibt es dort verschiedene Staffeln, bei denen die Teilnehmer von großen Gruppen abwechselnd laufen. Es gab auch einen spannenden Battle zwischen zwei Schulen, der von allen lautstark kommentiert wurde. Es war also immer richtig was los auf der Bahn. Nachmittags kamen die Kindergruppen und liefen immer mal wieder mit. Das war lustig. Außerdem spielte die ganze Zeit entweder ein DJ oder Live-Musik. Die Veranstaltung ist wirklich sehr schön gemacht. Am Verpflegungspunkt kommt man logischerweise alle 400 Meter vorbei und die Verpflegung mit Getränken und Snacks war auch prima. Einziges Manko war, dass es nur Einweg-Plastikbecher gab. Ich versuche so oft es geht, Müll zu vermeiden und dazu gehören ganz besonders Einweg-Becher. Ich hatte in weiser Voraussicht meinen eigenen Becher mitgebracht und so war ich beim Verpflegungsstand schnell „die Dame, die ihren eigenen Becher hat“. Hihi – könnte auch ein cooler Indianername sein. 🙂

Die ersten drei Stunden gingen prima rum und ich hatte die ersten 24 km hinter mir. Nach meiner Uhr waren es aufgrund der größeren Runde schon etwas mehr, aber nach offizieller Rechnung bin ich bis dahin 60 Runden gelaufen. Ich hatte mir 45 km vorgenommen, weil es damit ein Ultralauf ist. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch fest damit gerechnet, die 45 km locker zu erreichen. Ich hatte schließlich für einen Halbmarathon auf gerader Strecke 3 Stunden Zeit. Das klang mehr als machbar. Die Rechnung habe ich allerdings ohne den Mann mit dem Hammer gemacht. Der stand tatsächlich just nach etwas über 3 Stunden vor mir und hat mich umgesemmelt. Nach bisher 4 gelaufenen Marathons, einem Ultra und diversen langen Trainingsläufen ohne diese Bekanntschaft, hat es mich bei diesem Lauf voll erwischt. Ich konnte plötzlich nicht mehr laufen – kein Stück. Also bin ich gegangen… und gegangen… und gegangen… Laufen war für mich wirklich Lichtjahre entfernt. Nachdem ich weitere 1,5 Stunden im Kreis gegangen bin und mich gefragt habe, ob ich es noch auf einen Marathon schaffe, ging es nochmal bergab. Mir wurde tatsächlich schwindelig und als ich bei der Verpflegungsstation halt machte, merkte ich wie mein Kreislauf komplett absackte und mir abwechselnd heiß und kalt wurde. OK! Körper – ich habe es jetzt auch kapiert: P A U S E! Und das habe ich auch sofort gemacht. Ich habe mich ins Gras gesetzt und den anderen beim kreisen zugeschaut. Da habe ich mich sehr, sehr deutlich gefragt, was ich hier eigentlich tue. Es ist wirklich verrückt, 6 Stunden lang im Kreis zu laufen. Ehrlich gesagt, hatte ich mir das ganze auch etwas leichter vorgestellt. Ich hatte gedacht, dass ich bestimmt immer mal wieder Leute zum Quatschen treffe. Da aber keiner so richtig mein Tempo lief, blieb es bei ein paar kurzen Quatscheinheiten an der Verpflegungsstation und wenn man sich gegenseitig überholt hat. Das war wirklich sehr schade und hat die Sache gerade auf der zweiten Hälfte sehr zäh gemacht. Ich habe meine Laufgruppe wirklich sehr vermisst.

Nachdem ich mir etwa eine Viertelstunde lang selber leid getan und mich gefragt habe, ob ich es heute übertrieben hatte, habe ich mich interessanterweise turboschnell erholt. Der Schwindel ließ total schnell nach und auch die sonstigen Gebrechen waren verschwunden. Also bin ich wieder aufgestanden und auf die Bahn getapert und siehe da: Ich konnte tatsächlich wieder laufen. Abgefahren!! Damit hatte ich nicht mehr gerechnet. Ich bin nicht schnell unterwegs gewesen, aber ich bin tatsächlich wieder gelaufen. Ich brauchte anscheinend nur ein kleines Päuschen vom Kringeln. Offensichtlich kann man auch auf einer 400-Meter-Bahn einen Drehwurm bekommen. 😉 Zum späten Nachmittag hin wurde es auch wärmer und drückender und auf einer Tartanbahn steht die Hitze, so dass es nochmal wärmer war. Das hatte vermutlich sein übriges getan.

Jetzt fragt sich der ein oder andere vermutlich, warum ich überhaupt weitergemacht habe und nicht einfach aufgehört habe…. Tjaaaaaaa. Zum einen, muss ich gestehen, dass mich der Ehrgeiz gepackt hatte. Beim 6-h- Lauf haben nur 3 Frauen mitgemacht und ich lag zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem ersten Platz, den ich natürlich gerne behalten wollte. Wobei der auch nicht mehr wirklich gefährdet gewesen wäre. Außerdem war das Erreichen von 100 Runden noch drin und das hat mich tatsächlich motiviert es noch zu probieren. Doch der Hauptgrund war eigentlich, dass ich schon die ganze Zeit mal wissen wollte, wie es sich anfühlt, wenn man vom Laufen aus der Bahn geworfen wird (und das hier ja dann sogar im wahrsten Sinne des Wortes) und ob ich es schaffe, mich wieder zu erholen und zu motivieren weiterzumachen. Ich habe so viele Berichte von Ultraläufern gelesen, die genau das erlebt und beschrieben haben. Und jetzt hatte ich es so nah vor Augen. Und keine Sorge, ich kenne meinen Körper sehr gut. Ich war zu keinem Zeitpunkt ernsthaft gefährdet. Zumal das Rettungsteam ja auch maximal 200 m weit weg gewesen wäre. 😉 Aber so weit hätte ich es nicht kommen lassen.

Am Ende habe ich sogar glückliche 102 Runden und noch ein paar Meter geschafft (41,149 km), die mir meinen ersten 1. Platz (bei den Frauen – in der Gesamtwertung 4. hinter 3 Männern) beschert haben. Ich gestehe, dass sich das echt toll anfühlt. 🙂 Zum Abschluss gab es eine sehr nette Siegerehrung, bei der ich neben der Medaille und einer Trinkflasche sogar noch ein tolles Handtuch geschenkt bekommen haben. Ich glaube, die Organisatoren waren etwas verwirrt, da ich die einzige in der Runde war, die sie nicht kannten und sie konnten nichts zu mir erzählen. 😉 Alle anderen waren offensichtlich bekannte Gesichter, die bereits in den vergangenen Jahren dabei waren.

Ich schreibe diesen Bericht 1,5 Monate später und ich habe gemerkt, dass es mir echt schwer fiel darüber zu schreiben. Der Lauf war wirklich eine Herausforderung und mir war nicht bewusst, dass es mir so schwer fällt, einfach nur im Kreis zu laufen. Vermutlich weil ich damit die ganze Zeit das Gefühl hatte, trotz laufen nicht vom Fleck zu kommen. Etwas, was ich in meinem Leben auch nicht so besonders gerne mag. 😉 Es bereitet mir einfach mehr Freude von einem Punkt zum anderen zum Laufen – wie zum Beispiel die wunderbare Harzquerung. Auch im Training laufe ich ungerne Strecken, bei denen ich die ganze Zeit im Kreis laufe. Ich suche mir entweder große Runden aus oder fahre mit dem Zug irgendwohin und laufe zurück.

Insgesamt war es aber auf jeden Fall eine Erfahrung wert. Ich weiß nun, dass ich auch nach einer Krise wieder aufstehen und weitermachen kann, was mir für zukünftige Abenteuer sicherlich helfen wird. (Klingt auch ziemlich nach Lebenserfahrung…) Und ich weiß nun auch, dass ich sehr gerne mit meiner Laufgruppe laufe und viiiiiel lieber im Wald mit Höhenmetern.

Ein paar Wochen später habe ich gesehen, dass ein 6-h-Lauf bereits ab 40 km als Ultralauf gewertet wird und so bin ich sehr happy über meinen zweiten Eintrag auf der DUV-Seite. Ich mag die Seite einfach und finde es schön, dass ich dort gelistet bin. Ich bin tatsächlich Ultraläuferin (auch im Herzen 💕 ) und es macht mir Spaß es so offensichtlich sehen zu können. 🙂

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10 Tage nach meinem 41. Geburtstag gab es die perfekte Startnummer für mich.
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Start und Ziel in einem – hier bin ich 102 Mal vorbei gekommen
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Mit Julian unterwegs
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Die Tartanbahn habe ich mich sehr genau angeschaut an diesem Tag… Nach so vielen Runden kannte ich wirklich jeden Schnipsel und jede Markierung.
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Das war bei meiner Pause… Interessanterweise sehe ich gar nicht so kaputt aus wie ich mich gefühlt habe.

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Mein Markierungsstöckchen. Den bekommt jeder Läufer auf seiner letzten Runde mit, damit die Restmeter auch noch gemessen werden können.
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und da liegt es. Fertig! Meine persönliche Ziellinie nach genau 6 Stunden.
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Die drei 6-h-Damen. Wir sind alle Gewinner!
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Geschenke. 🙂
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So sieht der Lauf als Aufzeichnung in meiner Uhr aus – dort waren es 44,46 km. Die kleine Ecke links unten ist meine Pause.

Muttertags-Marathon und Sommerpause

An Muttertag gibt es Kuchen, Blumen und Geschenke. 🎂💐🎁 Das gab es letzten Sonntag auch alles für mich und zusätzlich noch einen freien Vormittag zum Marathonlaufen.

In Rüthen wurde der Bibertal-Bergmarathon angeboten und ganze 31 lauffreudige Menschen fanden sich am Sonntag um 8 Uhr dort ein. Wirklich schade, dass der Marathon so wenige Läufer anzieht. Er lohnt sich nämlich auf jeden Fall. Es werden insgesamt 2 Mal die Halbmarathon-Strecke gelaufen. Eigentlich laufe ich nicht so gerne zwei Mal die gleiche Runde. Hier ist es landschaftlich allerdings so schön, dass es gar nicht auffällt.

Die erste Runde lief auch wirklich prima und ich konnte die Landschaft und den Lauf sehr genießen. Zwischendurch hatte ich noch ein nettes Gespräch mit Helmut – Helmut wird im Sommer 70 und will bis dahin seinen 700. Marathon laufen. Unglaublich!

Vor dem Start in die nächste Runde wartete ein Teil meiner Laufgruppe auf mich und haben mich angefeuert. Das hat echt gut getan. Ich war vorher schon etwas traurig, weil keiner mit gelaufen ist bzw. die Zeiten der anderen Läufe so lagen, dass wir uns nicht getroffen haben. Und so habe ich mich riesig gefreut, dass sie da waren. Unsere Laufgruppe ist schon echt toll und das, wo wir vom Anfänger bis zum Ultraläufer alle Facetten abdecken. Wir feuern uns alle gegenseitig an – richtig schön! Ich habe unterwegs auch noch Motivationsschübe per WhatsApp bekommen. Total klasse.

Die zweite Runde war echt hart. Ich kann es nicht anders sagen. Anfangs lief es noch ganz gut. Doch dann wurde es immer wärmer und es war schwüle Gewitterwärme. Das kann ich nicht gut haben. Ich hatte zwischendurch noch zwei Läufer getroffen und wir haben uns gegenseitig motiviert. Ab km 35 ging es dann aber ziemlich bergab mit mir. Puls und Atmung war eigentlich in Ordnung und auch muskulär hatte ich keine Problem, allerdings wollte mein Kreislauf nicht mehr so richtig. Ich habe den entschieden, es einfach noch langsamer angehen zu lassen. Ich habe viele, viele Gehpausen eingelegt und damit habe ich den Rest dann auch noch geschafft. Ein wirklich hart erkämpfter Marathon und ich bin stolz auf mich, dass ich es geschafft habe – zumal ich diesen Marathon bis auf die Begegnungen unterwegs alleine gelaufen bin. Und von den 3 teilnehmenden Frauen habe ich den 2. Platz belegt. Schon toll – ein Platz auf dem Treppchen. 🙂

Jetzt wird pausiert! Ich bin in den letzten 8 Monaten 4 Marathons und 1 Ultramarathon über 51 km gelaufen. Das kann sich doch wirklich sehen lassen. Und da ich in der Wärme eh nicht so gerne laufe, lege ich jetzt Sommerpause ein. Das heißt aber jetzt nicht, dass ich gar nicht laufe. Den ein oder anderen kürzeren Wettbewerb werde ich sicher mal laufen und auch mal einen längeren entspannten 30-km-Lauf. Es gibt schließlich noch viele schöne Ecken zu entdecken. Doch der nächste Marathon ist für Mitte Oktober (Almetal-Marathon) geplant. Das fühlt sich gut an.

51 km durch den Harz – meiner erster Ultra

51 km quer durch den Harz – von Wernigerode nach Nordhausen. Das Event kam mir vorher total unwirklich vor und ehrlich gesagt, kommt es mir jetzt auch total unwirklich vor. Aber ich bin es tatsächlich gelaufen – jeden einzelnen Schritt – 60.728 Schritte waren es am 28. April 2018 abends auf meiner Uhr.

Gestartet ist unser Abenteuer am Freitagnachmittag als Laufkumpel Jörg und ich uns auf den Weg in den Harz aufgemacht haben. Die Autobahnen waren zwar voll, aber einen richtigen Stau hatten wir nicht. So kamen wir entspannt in Wernigerode an und haben unsere Startnummern abgeholt: Mit den Nummern 213 und 214 geht es für uns durch den Harz. Bei einem kleinen Bummel durch das sehr hübsche Städtchen haben wir uns mit Laufbekanntschaften von Jörg in einer Pizzeria getroffen. Und wie das bei Läufertreffen so ist, ist man sehr schnell im Gespräch und haben uns den Abend über unsere Laufabenteuer ausgetauscht. Nach Aussagen wie „Ach – 100 km kann ich auch ohne Training laufen. Für 230 km muss ich mal trainieren.“ und „Michael ist den Marathon de Sables gelaufen“ (230 km durch die Wüste – das finde ich echt krass und ich habe schon diverse Dokumentationen dazu gesehen) fühlt man sich plötzlich ganz normal und als kleines Licht am Läuferhimmel – mehr als drei Marathons habe ich ja bisher nicht vorzuweisen. 😉 Es ist aber irre spannend, die Geschichten der anderen zu hören. Doch so faszinierend sich das alles anhört – bei vielen Läufen, u.a. den Marathon de Sables habe ich auch gar keinen Drang es selber mal auszutesten. Ich werde sicherlich noch einige spannende Läufe machen, aber ich merke jetzt schon, dass ich auch auf jeden Fall meine Grenzen habe. Ich kenne mittlerweile schon viele Läufe, da ich viel darüber lese und bei YouTube gucke – an dem Abend kamen aber doch einige Läufe auf den Tisch, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Es ist wie überall im Leben: Es gibt nichts, was es nicht gibt. Weder von den Entfernungen und noch von den extremen Bedingungen (Wüste, Antarktis, durch die Alpen, unter Tage, mehrere Tage lange, usw. usw. usw). Witzig ist dann wieder die Story, von einem Marathon um den Küchentisch. Ernsthaft! Da wurden schon ein paar Kreise mehr gedreht…. Wie gesagt, es gibt nichts, was es nicht gibt.

So ging der Abend bei Pizza, Schlummerbier und viel Gequatsche schnell rum. Die Nacht habe ich sogar 5 Stunden lang richtig gut geschlafen. Da ich früher wach war, konnte ich noch meditieren und mich in Ruhe vorbereiten. Mein Frühstück (Overnight-Oats – ich liebe es) hatte ich mitgebracht und so konnte ich bequem im Hotelzimmer frühstücken. Um 7.30 Uhr habe ich mich auf den Weg gemacht und die anderen an der Sporthalle wieder getroffen. Es gab die Möglichkeit dort zu übernachten. Die Vorstellung mit 50 weiteren Läufer in einer Halle zu übernachten, hat mich allerdings sehr schnell dazu bewogen, mir ein Hotelzimmer zu nehmen. Und das war für mich genau die richtige Entscheidung. Dann nochmal das üblich vorher: Gepäckbeutel abgeben und zur Toilette. Dort wurde direkt der Schwarzmarkt für das Toilettenpapier eröffnet. Da selbiges bereits leer war, war eine Teilnehmerin, die welches mitgebracht hatte, heiß begehrt. Immer wieder herrlich, wie solche einfachen Dinge plötzlich einen so hohen Stellenwert bekommen. Als Langläufer ist man toilettenmäßig ja eh Kummer gewöhnt, so dass ich das echt entspannt sehe.

Anschließend ging es zum Startbereich, der etwa 1,5 km entfernt lag. Auf dem Weg dorthin habe ich mich mit dem Marathon-de-Sables-Michael unterhalten. Anfangs war ich noch recht entspannt, doch je näher wir zum Start kamen, um so mehr habe ich die typische Aufregung vor dem Start gespürt. Es ist keine Nervösität, sondern ich spüre einfach, wie das Adrenalin hochkommt und sich freudig-gespannte Stimmung breitmacht. Am Start standen alle gemütlich rum und quatschten – eine sehr angenehme Stimmung und komplett anders als bei den kürzeren Stadtläufen, wo es doch oft recht hektisch und trubelig zugeht. Dann kam der Startschuss und es passierte erstmal nix, da alle gemütlich losmarschiert sind. Da es direkt bergauf geht, lohnt es sich auch nicht los zu spurten. Über die Startlinie sind wir noch gelaufen, doch dann sind wir direkt ins Wandern gekommen. Es ging zügig in den Wald hinein und kurze Zeit später standen wir bereits im Stau, da die ersten Bäume überklettern werden musste.

Die ersten km habe ich zum Reinkommen gebraucht und ich kann mich an die ersten 10 km nur noch wage erinnern. Ich habe zwischendurch immer mal wieder Kilometer „verloren“. Mein Uhr vibriert bei jedem Kilometer kurz. Ich bekomme das nicht immer mit – zumal ich auch so oft ein gutes Gefühl für die Strecke habe. Bei den ersten 10 km war ich aber doch überrascht, dass die Uhr mehr km anzeigte, als ich gedacht hätte.  Das war ja gar nicht schlecht. Nach 10 km (nach 1:25 h)  kam die ersten Versorgungsstation. Das passte gut. Ich hatte kurz vorher schon einen ersten halben Riegel vertilgt und konnte mich so mit Toast und Bananen stärken. Ich hatte tatsächlich Hunger – das Frühstück war einfach schon zu lange her. 😉

Nach ca. 2 Stunden waren wir bei km 15 und ich habe eine kleine Krise bekommen. Mir kam Nordhausen noch so unendlich weit entfernt vor und fand es plötzlich total absurd 51 km durch den Wald zu laufen. Ich war aber zum Glück vorbereitet, was ich tue, wenn ich mentale Einbrüche bekomme. Ich habe also sofort die Strecke eingeteilt und mir gesagt, dass ich die nächsten 10 km auf jeden Fall schaffe, dann habe ich die Hälfte und kann nochmal neu gucken, was geht. Schließlich läuft man auch beim Ultra einfach nur einen Schritt nach dem anderen. Die ganze Strecke ist geistig einfach nicht zu erfassen und das ist auch gut so. Und kurz danach war ich total drin: Ich bin gelaufen, was zu laufen ging – Ich bin gegangen, wenn es zu gehen war. – Die anderen Läufer waren da – Die wunderschöne Natur war da. – Ich war echt drin und habe den Lauf richtig genießen können.

Der Harz ist wirklich wunderschön. Es geht nahezu ausschließlich quer durch den Wald: kleine Trails, über verwurzelte Wege, über Stock und Stein, über kleine Bäche, auch immer mal wieder Wanderwege, dann wieder der Waldboden pur, ab und an ein Baum zum drüber klettern. An einer Stelle sprang eine Teilnehmerin locker über den Baum – das habe ich mir geschenkt. Ich bin lieber drüber geklettert. Eine Herausforderung war es tatsächlich, dass man immer den Boden im Blick haben musste, damit man nicht stolpert. Irgendwann hatte ich das aber auch drin, dass ich den Boden im Blick hatte und trotzdem die Landschaft um uns herum wahrnehmen konnte. Die Nackenmuskulatur wurde dabei schon ordentlich beansprucht. Die Schotterwege, die wir gelaufen sind, verwandelten sich ab und an in Fußballplätze. Da es neben Schotter auch größere Stein gab, kickt man die beim Laufen gerne mal in der Gegend herum und wenn es ungünstig läuft, schießt man den Stein gegen das andere Bein. Aua! Das kommt davon, wenn man die Füße nicht vom Boden hebt. Ich laufe ja tatsächlich bei langen Läufen recht ökonomisch und hebe die Füße nur so hoch wie eben nötig an – gerne auch als „Ultra-Schlappschritt“ bezeichnet. 😉

Nach ca. 3, 5 Stunden haben wir die Hälfte erreicht und von Nicht-Schaffen war keine Spur mehr. Ehrlich gesagt, hatte ich es bis dahin auch schon wieder ganz vergessen, dass ich diese komische Idee mal hatte. Man läuft halt auch einen Ultra in jedem einzelnen Moment und der kann sich immer wieder anders anfühlen. Während des Laufes habe ich insgesamt auch sehr wenig auf meine Uhr geguckt. Ich hatte so grob die km im Auge, aber auch längst nicht jeden. Die Zeit hatte ich noch weniger im Blick. Irgendwie kann man 7-7,5 Stunden genauso wenig überblicken. Ich bin früher schon mal längere Zeiten gewandert oder auch Rad gefahren oder auch die Bergwanderung auf den Patalsu im Himalayagebirge, aber dass ich nahezu ununterbrochen über 7 Stunden im Bewegung war, kann ich mich nicht erinnern. Wir bleiben weiter im Rhythmus – einfach laufen, die Berge rauf oder sehr steile Passagen runter gehen, ab und an ein Foto, an den Versorgungsstationen kurz anhalten, essen, trinken, Trinkrucksack auffüllen und weiter. Länger als 5 Minuten waren wir an keiner Versorgungsstation. Ich hatte mich einmal ganz kurz auf eine Bank gesetzt – das ist aber generell keine gute Idee. Ich merke dann schnell die Ermüdung der Beine und es ist tatsächlich besser einfach weiterzulaufen.

Nach 4:45 Stunden kamen wir beim Poppenberg an – mein Magic Moment. Zu diesem Zeitpunkt waren die ersten schon längst im Ziel. Der schnellste Mann braucht für die Strecke 3:39:14 h und die schnellste Frau 4:32:52 h. Wirklich unglaublich! Ich hatte mich im Ziel mit einem der schnellen Läufer unterhalten und ihn gefragt, ob er wirklich komplett durchläuft. Ja, tut er! Wahnsinn! Ich kann mir ja schon nicht vorstellen, den Berg raufzulaufen. Gut, das würde man mit entsprechendem Training wohl irgendwann schaffen. Aber noch weniger kann ich mir vorstellen, die richtig steilen Passagen herunterzulaufen. Es gibt eine Stelle, bei der es wirklich richtig steil über einen im Grunde nicht vorhandenen Weg mit Wurzeln, Steinen, über Baumstämme nur mit kraxeln runter geht. Ja – auch da wäre er gelaufen. Einfach Kopf aus und los… Hui!!!! Hut ab!

Nach dem Poppenberg ging die Strecke zunächst relativ flach weiter und dann gab es noch den ein oder anderen Anstieg. Zu dem Zeitpunkt hatte ich mich schon so daran gewöhnt, dass ich das gar nicht mehr richtig realisiert habe. Viel spannender war da der Moment für mich, als ich die Marathonmarke überschritten habe. Nach knapp 6 Stunden war es so weit und ich habe den kleinen Schritt über 42,195 km hinaus gemacht. Das war ein tolles Gefühl und ich habe es mit einem albernen kleinen Video und dem Abklatschen mit Jörg gefeiert.

Das war in Neustadt im Harz, wo es auch eine Versorgungsstation gab. Hier hatte ich neben dem üblichen Obst und Wasser auch ein Brot mit Bärlauchsalz genommen. Ich fand erst, dass das eine gute Idee wäre. Allerdings habe ich kurze Zeit danach etwas Probleme mit dem Magen bekommen und wir sind etwas langsamer gelaufen. Das zog sich so 2-3 km hin und dann war es wieder in Ordnung. Somit habe ich gelernt, dass ich während des Laufes besser kein Brot mit Bärlauchsalz esse. Es lag mir tatsächlich zu schwer im Magen. Dann bleibe ich zukünftig besser mal bei Obst, Riegeln und weißem Toast mit Butter und normalen Salz. 🙂

Das nächste Highlight war dann km 45, die wir nach ca. 6,5 Stunden erreicht haben. Jetzt war ich offizielle Ultraläuferin. Wow! Es fühlte sich wirklich sehr gut an.

Die letzten Kilometer haben wir tatsächlich einfach nur genossen. Wir haben noch einige Fotos gemacht, haben gequatscht und sind in Ruhe bis ins Ziel gelaufen. Interessanterweise war das gar nicht so ein euphorischer Moment. Bei meinem ersten Marathon in Köln, war die Überquerung der Ziellinie der absolute Gänsehautmoment.

Beim Überquerung der Ziellinie in Nordhausen war ich einfach nur unendlich dankbar, dass ich diese Reise machen konnte und gesund im Ziel angekommen bin.

In einem meiner Bücher steht folgender Spruch:

„Wenn du laufen willst,  laufe eine Meile.
Wenn du ein neues Leben willst, lauf einen Marathon.
Wenn du mit Gott sprechen willst, lauf einen Ultra.“

Persönlich habe ich Gott nicht gesehen, aber vielleicht war er einfach die ganze Zeit dabei – in Form der wunderschönen Natur, in den anderen Läufern – insbesondere Jörg, in der Sonne und dem perfekten Wetter, in den wunderschönen Ausblicken im Harz, im Poppenberg, in den Organisatoren und den vielen, vielen Helfern, ohne denen dieses Event nicht möglich gewesen wäre.

Ich bin sehr dankbar, dieses Abenteuer gemacht zu haben und bin jetzt wirklich sehr stolze Ultraläuferin!

Hier gibt es die Bilder und Videos zur Harzquerung.

Magic Moments im Harz

Wenn mich vorher jemand gefragt hätte, wann ich einen „Magic Moment“ am Harz erlebe, hätte ich vermutlich „den Zieleinlauf“ oder „das Überschreiten der Marathonmarke“ oder auch „Loslaufen im Ziel“ gesagt. Das waren alles durchaus sehr besondere Momente, aber einen echten magischen Moment hatte ich an einer ganz anderen Stelle: dem Poppenberg.

Der Poppenberg ist der höchste Berg (600,6 m ü. NHN) auf der insgesamt 51 km langen Strecke quer durch den Harz – es geht erst 3 km steil 300 Höhenmeter berghoch und anschließend ca. 4 km steil ca. 320 Höhenmeter bergab. Vor diesem Teilstück hatte ich vorher schon echt Respekt – zumal man an dieser Stelle bereits 36 Lauf-km in den Knochen hat. Somit habe ich mir im Vorfeld bereits visualisiert wie ich diesen Berg rauf und wieder runter komme. Ich habe mir vorgestellt, wie ich auf der einen Seite locker und leicht raufkomme und auf der anderen Seite locker herunterlaufe. Warum sollte ein Berg auch schmerzhaft und anstrengend sein? Da ich den Tag zuvor noch in meinem neuen Buch „Mentaltraining für Läufer“ von Michele Ufer (sehr empfehlenswert übrigens!) gelesen habe, hat mich das ebenfalls bestärkt, im Vorfeld so an diesen Berg heranzugehen.

Ich hatte vorher schon mit meinem Laufkumpel Jörg verabredet, dass ich am Berg Musik hören wollte und eher für mich laufen wollte. Da er direkt zu Beginn einen anderen Läufer getroffen hat, war das für uns beide total passend. So stand ich also unten am Poppenberg. Ich habe ein paar Mal tief eingeatmet und Energie aufgenommen (ein Hoch auf die Yogaatmung :-)), dann gab es Musik auf die Ohren und los ging es. Berg rauf bin ich gewandert – nicht gelaufen. Bei der Musik hatte ich mich für Unheilig entschieden, weil die sehr schöne und passende Texte habe. Gestartet bin ich dann auch mit dem Titel „Der Berg“.

Lass uns gemeinsam träumen
auf den Gipfel hochzugehen
und lass uns fest dran glauben,
einmal dort oben zu stehen

Ohja. Wie oft hatte ich vorher davon geträumt die Harzquerung mit dem Poppenberg zu laufen. Und ich habe fest daran geglaubt, dass ich es schaffe. Die Harzquerung ist mein erster Ultralauf – knapp 7 Monate nach meinem ersten Marathon. Ich hatte wirklich Respekt. Der Einstieg ins Ultralaufen geht bei den meisten über einen 6-h-Lauf. Da ich im März beim geplanten 6-h-Lauf in Rheine aber krank war, gab es vorher keine Gelegenheit mehr für mich, also sollte es wohl die Harzquerung werden und es fühlte sich auch im Vorhinein schon sehr gut an. Ich war vor vielen Jahren mal im Himalaya unterwegs und habe dort den Patalsu bestiegen – der liegt auf 4.400 m ü. NHN – also ein kleines bisschen höher ;-). Damals natürlich wandernd und nicht laufend. Doch alleine das Wissen, dass ich das geschafft habe, gab mir genug Schub auch die Harzquerung zu schaffen.

„Lass uns die Freiheit spüren,
mit jedem Schritt, den wir gehen
und lass uns das erleben,
einmal dort oben zu stehen.“

Und genau so bin ich es angegangen. Ich bin einen Schritt nach dem anderen gegangen. Mein Sohn Bjarne hatte mir vorher mal gesagt: „Mama, du kannst doch jede Strecke laufen, die du willst. Du brauchst einfach nur einen Schritt nach dem anderen machen und dann schaffst du jede Strecke“. Daran habe ich gedacht, als ich den Berg hoch gegangen bin. Ich stelle mir dabei vor, wie der Berg unter mir wegrollt – also quasi wie eine Rolltreppe – und ich dadurch vom Berg hochgeschoben werden. Ich gehe also gar nicht selber. 😉 Und so fühlte es sich auch tatsächlich an. Ich bin in einen superguten Gehrhythmus reingekommen, der mich den Berg hochgezogen hat. Es gab auch nur noch mich, den Berg und die Natur. Alle anderen Läufer habe ich ausgeblendet – ich habe auch einige überholt. Das habe ich aber nur am Rande mitbekommen und es war mir auch nicht wichtig. Ich wollte einfach für mich diesen Berg hochkommen.

„Lass uns die Angst besiegen,
mit jedem Schritt, den wir gehen
Lass uns füreinander da sein
und nicht mehr zurücksehen

Während des Laufens denke ich auch oft an meinen kleinen Sohn, der aufgrund seiner Behinderung nicht laufen kann. Er ist auf meinem Laufshirt und natürlich in meinem Herzen immer dabei. Julian hatte eine von Ärzten prognostizierte Lebenserwartung von ca. 1 Jahr. Er ist jetzt 4,5 Jahre und macht jeden Tag tolle Fortschritte. Wir haben da also eine Menge mitgemacht in den letzten Jahren und unglaublich viel geschafft. Und so lohnt es sich immer wieder, nicht zurück sondern nach vorne zu sehen und immer weiterzugehen.

Ein weiteres Lied war “ Wir sind die Gipfelstürmer“

Wir steigen an, bis wir am Himmel sind
Hoch hinaus, bis zum Wolkenrand der Welt
Wir ziehen los, immer weiter, immer höher
Und immer schneller
Bis zum Himmel um die Welt
Wir sind die Gipfelstürmer

Das war ein absoluter Gänsehautmoment. Ich hatte wirklich Gänsehaut. Das Hochgehen fiel mir so leicht. Ich habe die Lieder leise mitgesungen und wurde weiter hochgezogen. Mittlerweile gab es wunderschöne Ausblicke ins bewaldete Tal hinunter und ich hatte das Gefühl geradewegs in den Himmel zu wandern.

Wenn ich jetzt an diesen Moment zurückdenke, kann ich mich auch gar nicht erinnern, dass ich irgendwelche körperlichen Schmerzen hatte. Die ganze Anstrengung von vorher war wie weggeflogen. Es ist wirklich unglaublich.

Und dann gab es noch „Mein Berg“:

„Hab meinen Berg vor Augen
Er ist da, zu jeder Zeit
Ich gehe ihn ständig hoch
Und fühle mich klein

Ich öffne meine Augen
Und sehe so viele wie Mich
Jeder geht seinen Berg hinauf
Und will spüren, dass er wertvoll ist
Ich öffne meine Augen
Und sehe so viele wie dich und mich
Jeder geht seinen Berg hinauf
Und will spüren, dass er nicht alleine ist

Ich denke nach über mein Leben
Heute kann ich Vieles klarer sehen
Ich hatte immer nur den Gipfel vor Augen
Und so viel verpasst auf meinem Weg dorthin

Ständig auf der Suche
nach Anerkennung und Applaus
Nur dann hatte mein Leben einen Wert
Und nur dann hab ich an mich geglaubt

Ab heute will ich vieles ändern und handeln
Sehe meinen Berg und meinen Weg
Ich will nicht nur glücklich am Gipfel sein
Sondern auch auf meinem Weg dorthin“

Ja. Laufen hat sehr viel mit dem Leben gemeinsam.

Oben angekommen, habe ich einen kurzen Getränkestopp eingelegt – Jörg kam auch kurz danach und wir haben das Gipfelfoto gemacht. Auf dem Gipfel selber hat man keine Aussicht – dafür hätten wir noch auf den Aussichtsturm klettern müssen. Mein aktueller Flow und die vielen Treppen haben mich davon abgehalten. So habe ich die Ohrstöpsel wieder reingesteckt und bin mit „Hinunter bis auf Eins“ den Berg runtergeflogen. Es fühlte sich zumindest es so an.

Drei, zwei, eins, los
Ich hab es schon als Kind geglaubt
Und breite meine Flügel aus
Die Schwerkraft wollte ich besiegen
Ich hab geträumt, ich könnte fliegen
Ich bin zum großen Sprung bereit
Und zähl hinunter bis auf Eins
Ich streck sie aus, meine Flügel
Und spring vom höchsten Punkt der Welt
Ich hab geträumt, ich kann fliegen
Und dass der Wind mich einmal trägt
Drei, zwei, eins
Ich schmiede mir ein Fluggerät
Das mich in den Himmel trägt
Ich spür die Zeit, wie sie mich schiebt
Wenn unter mir der Abgrund liegt
Am Gipfelrand im Sonnenschein
Zähl ich hinunter bis auf Eins
Ich streck sie aus, meine Flügel

Wow! Das war ein Wahnsinnsgefühl diesen Berg quasi herunterzufliegen. Ich glaube, von der pace her war ich gar nicht so schnell unterwegs, aber es fühlte sich einfach richtig gut an und hat unfassbar viel Spaß gemacht. Einfach laufen lassen und nicht denken.

Ja, das war wirklich mein „Magic Moment“ im Harz.

Ich und der Harz

Wow! Ich habe es tatsächlich geschafft. 51 km durch den Harz.

Knapp 7 Monate nach meinem ersten Marathon, darf ich mich seit gestern auch Ultraläuferin nennen. Ein ausführlicher Bericht folgt noch. Für heute erstmal mein Lieblingsbild, das im Grunde schon alles aussagt:

Und noch eine kleine Anekdote: In Köln beim ersten Marathon hatte ich die Startnummer 2142, die mich dazu inspiriert hatte, diesen Blog von21auf42 zu nennen. Und jetzt bei meinem ersten Ultra hatte ich die Startnummer 214. ich konnte es selber kaum glauben, als ich es entdeckte:

Startbeutel aus Köln mit Startnummernbändchen vom Harz. 😍

Back on the road

Hurra!! Endlich wieder laufen. Nachdem ich erneut 1,5 Wochen krank war und ich damit dieses Jahr insgesamt 6 Wochen krankheitsbedingt nicht laufen konnte, stand ich am Samstag frohgemut an der Startlinie des Paderborner Osterlaufs. Bei angenehmen Läuferwetter hat der Halbmarathon richtig Spaß gemacht. Und dank Ramona aus meiner Lauftruppe haben wir uns am Ende gegenseitig gepuscht und kamen unter 2:07 h ins Ziel. Auch der Rest meiner Laufgruppe und meine Familie war in ihren Läufen erfolgreich und glücklich im Ziel. Es ist so schön, eine so tolle Truppe zu haben.

Heute ging es dann etwas gemächlicher und vor allem bergiger zu. Ich war 27 km auf dem Hermannsweg unterwegs – die optimale Trainingsvorbereitung für den Harz. Nach 10 km fand ich die Idee in 25 Tagen 51 km durch den Harz zu laufen völlig bescheuert. Ab km 20 ging es dann wieder wesentlich besser. Ich werde es schaffen – einfach langsam angehen und einen Schritt nach dem anderen. Letzteres meinte neulich auch mein Sohn zu mir: „Mama, man kann jede Strecke laufen. Einfach immer nur einen Schritt nach dem anderen und immer nur an den aktuellen Schritt denken.“ Von wem er das wohl hat. 🤔😂

Endlich T-Shirt-Wetter

Streak-Ende und Pause

Heute gibt es ein sportliches Update von mir. Gerne hätte ich jetzt geschrieben, dass Pokalschreck Paderborn die Bayern besiegt hat. Schade. Dieses Wunder ist ausgeblieben. Auch wenn uns vorher allen klar war, dass die Bayern gewinnen werden, bleibt ja doch immer so ein bisschen Hoffnung, dass doch ein Wunder geschieht. Nun gut – stolz auf den Einzug ins Viertelfinale sind wir; und sich unabhängig vom Ergebnis sehr gut geschlagen und präsentiert hat sich der SCP alle mal.

Also beschäftigen wir uns doch wieder mit dem Laufen…. Also zumindest gedanklich…

Am 28.01. habe ich am ersten Wettkampf des Jahres teilgenommen und bin in Hamm 10 km gelaufen. Gemeinsam mit einem Teil unserer wunderbaren Laufgruppe hat es sehr viel Spaß gemacht und mit meiner Zeit von um die 53 Minuten bin ich auch sehr zufrieden.

Das war dann auch der 28. Tag meines Januar-Streaks… und damit auch der letzte. Schon nachmittags habe ich gemerkt, dass ich schlapp war und mein Hals schmerzte. Das steigerte sich jeden Tag zu einer fetten Mandelentzündung mit Fieber und allem drum und dran. Ausgestreakt hatte es sich sehr deutlich. Das 2. Antibiotikum hat dann auch endlich angeschlagen, so dass es seit dem Wochenende wieder bergauf geht. Diese Woche kuriere ich mich noch weiter aus und ich denke, Mitte nächster Woche gehe ich das erste Mal wieder laufen. Zum Yoga gehe ich etwas früher schon wieder.

Mir ist aufgefallen, dass der Streak nicht so richtig meine Trainingsmethode ist. Ich hätte nicht gedacht, dass es so herausfordernd sein kann, jeden Tag ein bisschen zu laufen. Zum Ende hin hat mich das doch irgendwie gestresst. Und mir waren die Strecken einfach zu kurz. Mir fehlte dieses positive Gefühl, dass sich bei längeren Läufen (10 km aufwärts) einstellt. Fazit ist also: Ich bin froh, dass ich es mal ausprobiert habe und ich werde es so schnell nicht noch mal machen. 🙂 Hier noch der Rückblick zum Streak:

Ansonsten habe ich ein neues Buch, das mich sehr begeistert:

Nach aktuellem Plan werde ich Anfang März an meinem ersten 6-Stunden-Lauf teilnehmen und Ende April steht die Harzquerung mit 51 km und zig Höhenmeter an. Ich bin gespannt.

Marathon Nr. 2

Heute bin ich dann mal meinen 2. Marathon gelaufen. 😊 Die Endorphinjunkies aus Dortmund hatten zum Glühwein-Marathon eingeladen. Zusammen mit Jörg und Hannes habe ich mich morgens zum 6 Uhr auf den Weg gemacht. Ein bisschen verrückt muss man irgendwie schon sein, dass man sonntags freiwillig um 5 Uhr aufsteht…. 😊

Der Lauf war ein Gemeinschaftslauf, d.h. das Tempo wurde so angepasst, dass alle gut mitlaufen konnten. Zwischendurch gab es kleine Pausen, so dass alle wieder zusammen waren. Um 7.45 Uhr ging es los – mit dem Kommando „Los geht’s“. Es war ja kein offizieller Lauf mit Zeitnahme o.ä. Die ersten etwas über 27 km führten am Phönixsee entlang Richtung Holzwickede und wieder zurück. Wir waren ein sehr nettes kleines Trüppchen und dank richtig toller Gespräch, die weit übers Laufen hinausgingen, ging die Zeit fix rum.

Um 11 Uhr waren wir wieder am Parkplatz. Hier warteten schon die Glühweinläufer auf uns. Nach kurzer Pause ging es in großer Gruppe auf weitere etwas über 15 km. Dieses Mal Richtung Dortmund City über den Weihnachtsmarkt – vorbei am berühmten, größten Weihnachtsbaum. Die Blicke der Besucher des Weihnachtsmarkts waren wirklich einmalig. Ich hatte meine Uhr einfach neu gestartet und so kam es mir ein bisschen wie ein neuer Lauf vor. Insgesamt war es dann aber halt schon ein Marathon. 😅 Zum Abschluss gab es dann Glühwein.

Heute fiel es mir echt relativ leicht und durch die vielen, tollen Gespräche ging die Zeit fix rum. Ich hatte vorab schon etwas Respekt. Ich hatte nicht explizit darauf trainiert und in den letzten zwei Wochen war ich insgesamt mit 2 kurzen Läufen recht faul gewesen. Es hat aber wirklich super geklappt und ich hätte heute sogar noch weiter laufen können.

Eine wirklich tolle Veranstaltung! Vielen Dank an die Endorphinjunkies und an die vielen Mitläufern und die tollen Gespräche. So darf Marathon auch gerne sein. 😍😍🏃🏼‍♀️