Im Kreis rennen – Mann mit dem Hammer – Platz 1

Das fasst meinen ersten 6-Stunden- Lauf ungefähr zusammen. Aber einmal von vorne:

Am 16. Juni hatte ich Zeit und was macht der gemeine Läufer, wenn er Zeit hat: Genau laufen! Da ich Lust auf einen kleinen Wettbewerb hatte, habe ich mich auf die Suche nach einem längeren Lauf in der Nähe gemacht und bin beim 24-h-Lauf in Stadtoldendorf hängen geblieben. Da keiner von meiner Laufgruppe sonst Zeit hatte, habe ich kurzerhand meinen kleinen Sohn (inklusive Betreuerin) eingepackt und wir haben uns auf den Weg gemacht.

Der Lauf findet auf einer Tartanbahn statt – also schön 400 m im Kreis. Vor dem Start wurde uns mitgeteilt, dass der Spanier Ivan versucht bei diesem Lauf einen neuen Rekord zu laufen und wir ihm möglichst Platz auf der Innenbahn machen sollten. Da der Gute mal locker doppelt so schnell lief wie ich, bin ich gar nicht mehr auf der Innenbahn gelaufen sondern auf Bahn 2 oder noch weiter außen – somit hatte ich direkt jede Runde ein paar Meter mehr.

Um 14 Uhr fiel der Startschuss. Nach ungefähr 5 Runden fand ich es zunächst ziemlich absurd, die ganze Zeit im Kreis zu laufen und habe überlegt, direkt wieder nach Hause zu fahren. Aber irgendwie war ich dann doch zu neugierig, wie sich das so anfühlt und bin geblieben. Außerdem war ich ja nun gerade auch da. Ab und an habe ich meinen Sohn Julian in seinem Rehabuggy mit genommen. Insgesamt sind wir 6 Runden gemeinsam gelaufen. Das fand ich sehr schön. Julian kann nicht selber laufen, daher laufe ich für ihn und habe das auch auf meinem T-Shirt stehen. Es war echt schön, dass er dabei war. Nach einiger Zeit wurde es ihm aber dann doch zu langweilig und er ist mit seiner Begleitung mit dem Zug nach Hause gefahren.

Beim 24-h-Lauf in Stadtoldendorf  gibt es neben dem 6-h-Lauf auch 12 und 24 Stunden. Jaha – es gibt genügend Leute, die 24 Stunden lang im Kreis rennen. Schon mit kleinen, aber keinen großen Pausen. Verrückt. Der Lauf ist ein netter, kleiner Stadtlauf, bei der viele aus der Gegend mitmachen. Und so gibt es auch viele, die einfach mal vorbeikommen, ein paar Runden laufen – nach Hause gehen – wiederkommen – und wieder laufen. Außerdem gibt es dort verschiedene Staffeln, bei denen die Teilnehmer von großen Gruppen abwechselnd laufen. Es gab auch einen spannenden Battle zwischen zwei Schulen, der von allen lautstark kommentiert wurde. Es war also immer richtig was los auf der Bahn. Nachmittags kamen die Kindergruppen und liefen immer mal wieder mit. Das war lustig. Außerdem spielte die ganze Zeit entweder ein DJ oder Live-Musik. Die Veranstaltung ist wirklich sehr schön gemacht. Am Verpflegungspunkt kommt man logischerweise alle 400 Meter vorbei und die Verpflegung mit Getränken und Snacks war auch prima. Einziges Manko war, dass es nur Einweg-Plastikbecher gab. Ich versuche so oft es geht, Müll zu vermeiden und dazu gehören ganz besonders Einweg-Becher. Ich hatte in weiser Voraussicht meinen eigenen Becher mitgebracht und so war ich beim Verpflegungsstand schnell „die Dame, die ihren eigenen Becher hat“. Hihi – könnte auch ein cooler Indianername sein. 🙂

Die ersten drei Stunden gingen prima rum und ich hatte die ersten 24 km hinter mir. Nach meiner Uhr waren es aufgrund der größeren Runde schon etwas mehr, aber nach offizieller Rechnung bin ich bis dahin 60 Runden gelaufen. Ich hatte mir 45 km vorgenommen, weil es damit ein Ultralauf ist. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch fest damit gerechnet, die 45 km locker zu erreichen. Ich hatte schließlich für einen Halbmarathon auf gerader Strecke 3 Stunden Zeit. Das klang mehr als machbar. Die Rechnung habe ich allerdings ohne den Mann mit dem Hammer gemacht. Der stand tatsächlich just nach etwas über 3 Stunden vor mir und hat mich umgesemmelt. Nach bisher 4 gelaufenen Marathons, einem Ultra und diversen langen Trainingsläufen ohne diese Bekanntschaft, hat es mich bei diesem Lauf voll erwischt. Ich konnte plötzlich nicht mehr laufen – kein Stück. Also bin ich gegangen… und gegangen… und gegangen… Laufen war für mich wirklich Lichtjahre entfernt. Nachdem ich weitere 1,5 Stunden im Kreis gegangen bin und mich gefragt habe, ob ich es noch auf einen Marathon schaffe, ging es nochmal bergab. Mir wurde tatsächlich schwindelig und als ich bei der Verpflegungsstation halt machte, merkte ich wie mein Kreislauf komplett absackte und mir abwechselnd heiß und kalt wurde. OK! Körper – ich habe es jetzt auch kapiert: P A U S E! Und das habe ich auch sofort gemacht. Ich habe mich ins Gras gesetzt und den anderen beim kreisen zugeschaut. Da habe ich mich sehr, sehr deutlich gefragt, was ich hier eigentlich tue. Es ist wirklich verrückt, 6 Stunden lang im Kreis zu laufen. Ehrlich gesagt, hatte ich mir das ganze auch etwas leichter vorgestellt. Ich hatte gedacht, dass ich bestimmt immer mal wieder Leute zum Quatschen treffe. Da aber keiner so richtig mein Tempo lief, blieb es bei ein paar kurzen Quatscheinheiten an der Verpflegungsstation und wenn man sich gegenseitig überholt hat. Das war wirklich sehr schade und hat die Sache gerade auf der zweiten Hälfte sehr zäh gemacht. Ich habe meine Laufgruppe wirklich sehr vermisst.

Nachdem ich mir etwa eine Viertelstunde lang selber leid getan und mich gefragt habe, ob ich es heute übertrieben hatte, habe ich mich interessanterweise turboschnell erholt. Der Schwindel ließ total schnell nach und auch die sonstigen Gebrechen waren verschwunden. Also bin ich wieder aufgestanden und auf die Bahn getapert und siehe da: Ich konnte tatsächlich wieder laufen. Abgefahren!! Damit hatte ich nicht mehr gerechnet. Ich bin nicht schnell unterwegs gewesen, aber ich bin tatsächlich wieder gelaufen. Ich brauchte anscheinend nur ein kleines Päuschen vom Kringeln. Offensichtlich kann man auch auf einer 400-Meter-Bahn einen Drehwurm bekommen. 😉 Zum späten Nachmittag hin wurde es auch wärmer und drückender und auf einer Tartanbahn steht die Hitze, so dass es nochmal wärmer war. Das hatte vermutlich sein übriges getan.

Jetzt fragt sich der ein oder andere vermutlich, warum ich überhaupt weitergemacht habe und nicht einfach aufgehört habe…. Tjaaaaaaa. Zum einen, muss ich gestehen, dass mich der Ehrgeiz gepackt hatte. Beim 6-h- Lauf haben nur 3 Frauen mitgemacht und ich lag zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem ersten Platz, den ich natürlich gerne behalten wollte. Wobei der auch nicht mehr wirklich gefährdet gewesen wäre. Außerdem war das Erreichen von 100 Runden noch drin und das hat mich tatsächlich motiviert es noch zu probieren. Doch der Hauptgrund war eigentlich, dass ich schon die ganze Zeit mal wissen wollte, wie es sich anfühlt, wenn man vom Laufen aus der Bahn geworfen wird (und das hier ja dann sogar im wahrsten Sinne des Wortes) und ob ich es schaffe, mich wieder zu erholen und zu motivieren weiterzumachen. Ich habe so viele Berichte von Ultraläufern gelesen, die genau das erlebt und beschrieben haben. Und jetzt hatte ich es so nah vor Augen. Und keine Sorge, ich kenne meinen Körper sehr gut. Ich war zu keinem Zeitpunkt ernsthaft gefährdet. Zumal das Rettungsteam ja auch maximal 200 m weit weg gewesen wäre. 😉 Aber so weit hätte ich es nicht kommen lassen.

Am Ende habe ich sogar glückliche 102 Runden und noch ein paar Meter geschafft (41,149 km), die mir meinen ersten 1. Platz (bei den Frauen – in der Gesamtwertung 4. hinter 3 Männern) beschert haben. Ich gestehe, dass sich das echt toll anfühlt. 🙂 Zum Abschluss gab es eine sehr nette Siegerehrung, bei der ich neben der Medaille und einer Trinkflasche sogar noch ein tolles Handtuch geschenkt bekommen haben. Ich glaube, die Organisatoren waren etwas verwirrt, da ich die einzige in der Runde war, die sie nicht kannten und sie konnten nichts zu mir erzählen. 😉 Alle anderen waren offensichtlich bekannte Gesichter, die bereits in den vergangenen Jahren dabei waren.

Ich schreibe diesen Bericht 1,5 Monate später und ich habe gemerkt, dass es mir echt schwer fiel darüber zu schreiben. Der Lauf war wirklich eine Herausforderung und mir war nicht bewusst, dass es mir so schwer fällt, einfach nur im Kreis zu laufen. Vermutlich weil ich damit die ganze Zeit das Gefühl hatte, trotz laufen nicht vom Fleck zu kommen. Etwas, was ich in meinem Leben auch nicht so besonders gerne mag. 😉 Es bereitet mir einfach mehr Freude von einem Punkt zum anderen zum Laufen – wie zum Beispiel die wunderbare Harzquerung. Auch im Training laufe ich ungerne Strecken, bei denen ich die ganze Zeit im Kreis laufe. Ich suche mir entweder große Runden aus oder fahre mit dem Zug irgendwohin und laufe zurück.

Insgesamt war es aber auf jeden Fall eine Erfahrung wert. Ich weiß nun, dass ich auch nach einer Krise wieder aufstehen und weitermachen kann, was mir für zukünftige Abenteuer sicherlich helfen wird. (Klingt auch ziemlich nach Lebenserfahrung…) Und ich weiß nun auch, dass ich sehr gerne mit meiner Laufgruppe laufe und viiiiiel lieber im Wald mit Höhenmetern.

Ein paar Wochen später habe ich gesehen, dass ein 6-h-Lauf bereits ab 40 km als Ultralauf gewertet wird und so bin ich sehr happy über meinen zweiten Eintrag auf der DUV-Seite. Ich mag die Seite einfach und finde es schön, dass ich dort gelistet bin. Ich bin tatsächlich Ultraläuferin (auch im Herzen 💕 ) und es macht mir Spaß es so offensichtlich sehen zu können. 🙂

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10 Tage nach meinem 41. Geburtstag gab es die perfekte Startnummer für mich.
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Start und Ziel in einem – hier bin ich 102 Mal vorbei gekommen
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Mit Julian unterwegs
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Die Tartanbahn habe ich mich sehr genau angeschaut an diesem Tag… Nach so vielen Runden kannte ich wirklich jeden Schnipsel und jede Markierung.
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Das war bei meiner Pause… Interessanterweise sehe ich gar nicht so kaputt aus wie ich mich gefühlt habe.

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Mein Markierungsstöckchen. Den bekommt jeder Läufer auf seiner letzten Runde mit, damit die Restmeter auch noch gemessen werden können.
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und da liegt es. Fertig! Meine persönliche Ziellinie nach genau 6 Stunden.
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Die drei 6-h-Damen. Wir sind alle Gewinner!
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Geschenke. 🙂
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So sieht der Lauf als Aufzeichnung in meiner Uhr aus – dort waren es 44,46 km. Die kleine Ecke links unten ist meine Pause.
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Muttertags-Marathon und Sommerpause

An Muttertag gibt es Kuchen, Blumen und Geschenke. 🎂💐🎁 Das gab es letzten Sonntag auch alles für mich und zusätzlich noch einen freien Vormittag zum Marathonlaufen.

In Rüthen wurde der Bibertal-Bergmarathon angeboten und ganze 31 lauffreudige Menschen fanden sich am Sonntag um 8 Uhr dort ein. Wirklich schade, dass der Marathon so wenige Läufer anzieht. Er lohnt sich nämlich auf jeden Fall. Es werden insgesamt 2 Mal die Halbmarathon-Strecke gelaufen. Eigentlich laufe ich nicht so gerne zwei Mal die gleiche Runde. Hier ist es landschaftlich allerdings so schön, dass es gar nicht auffällt.

Die erste Runde lief auch wirklich prima und ich konnte die Landschaft und den Lauf sehr genießen. Zwischendurch hatte ich noch ein nettes Gespräch mit Helmut – Helmut wird im Sommer 70 und will bis dahin seinen 700. Marathon laufen. Unglaublich!

Vor dem Start in die nächste Runde wartete ein Teil meiner Laufgruppe auf mich und haben mich angefeuert. Das hat echt gut getan. Ich war vorher schon etwas traurig, weil keiner mit gelaufen ist bzw. die Zeiten der anderen Läufe so lagen, dass wir uns nicht getroffen haben. Und so habe ich mich riesig gefreut, dass sie da waren. Unsere Laufgruppe ist schon echt toll und das, wo wir vom Anfänger bis zum Ultraläufer alle Facetten abdecken. Wir feuern uns alle gegenseitig an – richtig schön! Ich habe unterwegs auch noch Motivationsschübe per WhatsApp bekommen. Total klasse.

Die zweite Runde war echt hart. Ich kann es nicht anders sagen. Anfangs lief es noch ganz gut. Doch dann wurde es immer wärmer und es war schwüle Gewitterwärme. Das kann ich nicht gut haben. Ich hatte zwischendurch noch zwei Läufer getroffen und wir haben uns gegenseitig motiviert. Ab km 35 ging es dann aber ziemlich bergab mit mir. Puls und Atmung war eigentlich in Ordnung und auch muskulär hatte ich keine Problem, allerdings wollte mein Kreislauf nicht mehr so richtig. Ich habe den entschieden, es einfach noch langsamer angehen zu lassen. Ich habe viele, viele Gehpausen eingelegt und damit habe ich den Rest dann auch noch geschafft. Ein wirklich hart erkämpfter Marathon und ich bin stolz auf mich, dass ich es geschafft habe – zumal ich diesen Marathon bis auf die Begegnungen unterwegs alleine gelaufen bin. Und von den 3 teilnehmenden Frauen habe ich den 2. Platz belegt. Schon toll – ein Platz auf dem Treppchen. 🙂

Jetzt wird pausiert! Ich bin in den letzten 8 Monaten 4 Marathons und 1 Ultramarathon über 51 km gelaufen. Das kann sich doch wirklich sehen lassen. Und da ich in der Wärme eh nicht so gerne laufe, lege ich jetzt Sommerpause ein. Das heißt aber jetzt nicht, dass ich gar nicht laufe. Den ein oder anderen kürzeren Wettbewerb werde ich sicher mal laufen und auch mal einen längeren entspannten 30-km-Lauf. Es gibt schließlich noch viele schöne Ecken zu entdecken. Doch der nächste Marathon ist für Mitte Oktober (Almetal-Marathon) geplant. Das fühlt sich gut an.

Ich und der Harz

Wow! Ich habe es tatsächlich geschafft. 51 km durch den Harz.

Knapp 7 Monate nach meinem ersten Marathon, darf ich mich seit gestern auch Ultraläuferin nennen. Ein ausführlicher Bericht folgt noch. Für heute erstmal mein Lieblingsbild, das im Grunde schon alles aussagt:

Und noch eine kleine Anekdote: In Köln beim ersten Marathon hatte ich die Startnummer 2142, die mich dazu inspiriert hatte, diesen Blog von21auf42 zu nennen. Und jetzt bei meinem ersten Ultra hatte ich die Startnummer 214. ich konnte es selber kaum glauben, als ich es entdeckte:

Startbeutel aus Köln mit Startnummernbändchen vom Harz. 😍

Alle guten Dinge sind 3!

Am letzten Samstag stand eigentlich der Marathon in Bad Salzuflen an. Ich fand den ganz praktisch, da er aus mehreren Runden bestand und man zwischendurch entscheiden hätte können, dass man aufhört. Die Rechnung habe ich aber nicht mit Friederike gemacht- also dem Sturm, der vor ein paar Wochen Kleinholz aus dem ein oder anderen Waldstück gemacht hat. Und so auch in Bad Salzuflen. Die Stadt hatte den Lauf nicht genehmigt.

Was also tun? Einfach kurzerhand einen eigenen Marathon ins Leben rufen. Mit meiner Laufgruppe kein Problem. Ursprünglich wollten ein paar mehr mit laufen, aber aus gesundheitlichen und organisatorischen Gründen standen Jörg und ich am Ende an der „Startlinie“ des „1. Lippesee-Marathons“. Nein. Es war immer noch kein offizieller Lauf, aber unser Vorhaben brauchte schließlich einen Namen. Um 11.15 Uhr haben wir uns auf den Weg um den Lippesee gemacht. Eine Runde sind 6 km. Das war ganz praktisch, da wir unsere ( übrigens sehr gute) Verpflegung im Auto lassen konnten.

Wie das bei langen Läufen so ist, denkt man nach den ersten 10-15 km, dass es ja total prima läuft und man heute einfach alles im Grund und Boden läuft. 😉 Das hört in der Regel nach 25 km auf. Und dann ist es jedes Mal total spannend wie unterschiedlich der Körper und der Geist reagiert. Teilweise ist man völlig genervt von der Rennerei, dann verflucht man einfach alles und jeden und fragt sich, warum man das eigentlich macht, dann überlegt man, was einem gerade alles so weh tut – besonders beliebt: Waden, Oberschenkel, Beinrückseiten, Nacken. Und dann kommt völlig unerwartet eine Phase, bei der es einfach wieder gut läuft. Total irre. Schmerzen sind dann teilweise auch weniger, es macht sich ein wunderbar warmes Gefühl in einem breit und man kann entspannt weiterlaufen. Verrückt. Interessant ist auch WIE leer der Kopf irgendwann ist. Da ist einfach nix mehr drin. Ich laufe und habe das Gefühl eins mit der Bewegung und der Strecke zu sein. Es gibt einfach nichts anderes mehr – vor allem keine Gedanken. Wirklich mal angenehm – gerade mein Gehirn feuert sonst gerne und auch viel.

Wir haben jede Runde gefeiert und sind auch noch eine Runde über den Parkplatz gelaufen, um auf die Marathondistanz von 42,2 km zu kommen.

Wow!

Nach Köln und Dortmund also mein 3. Marathon. Richtig klasse.

Wir hatten sogar Urkunden, Medaillen und Pokale. Fühlt sich doch gut an, einen Lauf einfach mal zu gewinnen. 😅

Marathon Nr. 2

Heute bin ich dann mal meinen 2. Marathon gelaufen. 😊 Die Endorphinjunkies aus Dortmund hatten zum Glühwein-Marathon eingeladen. Zusammen mit Jörg und Hannes habe ich mich morgens zum 6 Uhr auf den Weg gemacht. Ein bisschen verrückt muss man irgendwie schon sein, dass man sonntags freiwillig um 5 Uhr aufsteht…. 😊

Der Lauf war ein Gemeinschaftslauf, d.h. das Tempo wurde so angepasst, dass alle gut mitlaufen konnten. Zwischendurch gab es kleine Pausen, so dass alle wieder zusammen waren. Um 7.45 Uhr ging es los – mit dem Kommando „Los geht’s“. Es war ja kein offizieller Lauf mit Zeitnahme o.ä. Die ersten etwas über 27 km führten am Phönixsee entlang Richtung Holzwickede und wieder zurück. Wir waren ein sehr nettes kleines Trüppchen und dank richtig toller Gespräch, die weit übers Laufen hinausgingen, ging die Zeit fix rum.

Um 11 Uhr waren wir wieder am Parkplatz. Hier warteten schon die Glühweinläufer auf uns. Nach kurzer Pause ging es in großer Gruppe auf weitere etwas über 15 km. Dieses Mal Richtung Dortmund City über den Weihnachtsmarkt – vorbei am berühmten, größten Weihnachtsbaum. Die Blicke der Besucher des Weihnachtsmarkts waren wirklich einmalig. Ich hatte meine Uhr einfach neu gestartet und so kam es mir ein bisschen wie ein neuer Lauf vor. Insgesamt war es dann aber halt schon ein Marathon. 😅 Zum Abschluss gab es dann Glühwein.

Heute fiel es mir echt relativ leicht und durch die vielen, tollen Gespräche ging die Zeit fix rum. Ich hatte vorab schon etwas Respekt. Ich hatte nicht explizit darauf trainiert und in den letzten zwei Wochen war ich insgesamt mit 2 kurzen Läufen recht faul gewesen. Es hat aber wirklich super geklappt und ich hätte heute sogar noch weiter laufen können.

Eine wirklich tolle Veranstaltung! Vielen Dank an die Endorphinjunkies und an die vielen Mitläufern und die tollen Gespräche. So darf Marathon auch gerne sein. 😍😍🏃🏼‍♀️

Mein Marathon in Köln

Vor dem Rennen

Heute war es also endlich so weit. Wahnsinn! Ich habe so lange auf diesen Tag hingearbeitet und – gefiebert. Die letzte Woche war davon geprägt, dass ich Angst hatte im letzten Moment noch krank zu werden und nicht starten zu können. Gefühlt schleppte sich diese Woche auch unendlich langsam dahin. Doch jetzt war es so weit: Race-Day!

Mein Schlaf war um 4 Uhr morgens beendet, damit hatte ich ganze 4 Stunden geschlafen. Nun gut. Dadurch, dass ich die Nächte vorher mehr geschlafen hatte, war ich zwar müde, aber viel zu aufgeregt, um nochmal einzuschlafen. Ich habe also 2,5 Stunden mit Facebook, Internet und Serien gucken verbracht und so zumindestens meinem Körper noch Ruhe gegönnt. Um 6.30 Uhr bin ich schließlich aufgestanden. Mein Mann und mein Sohn waren auch schon wach. Unser Sohn konnte überhaupt nicht mehr schlafen und wollte frühstücken. Kein Problem. Das war ja mein Plan. Wir sind also runter. Ich habe zwei Brötchen und einen kleinen Joghurt gegessen. Das war genug und mehr hätte ich nicht herunterbekommen. Die Aufregung stieg jetzt tatsächlich minütlich immer weiter an. Im Hotel waren viele andere Gäste, die ebenfalls zum Lauf wollten. Und so schwirrten an einem Sonntag Morgen um 6.30 Uhr etliche Läufer durchs Hotel. Ich fand es total lustig. Wir Läufer sind schon ein verrücktes Völkchen. 😉 Das Hotel war darauf eingestellt, indem das Frühstück bereits um 6 Uhr startete. Der Halbmarathon startete bereits um 8.30 Uhr und so leerte sich das Hotel um 7.30 Uhr immer mehr.


Nach dem Frühstück bin ich nochmal hoch, um mich umzuziehen. Um 8 Uhr kam der Rest meines privaten Fanclubs: meine Schwester und zwei Freundinnen.

Christina hatte ein Geschenk für mich: ein selbstgemachtes Armband mit einem kleinen Anhänger mit 42,195 eingraviert.

Vielen lieben Dank! Ich hatte schon länger über ein ähnliches Armband nachgedacht, bin aber durch die ganze Vorbereitung drüber hinweg gekommen. So hatte ich nun neben meiner Kette einen weiteren Glücksbringer dabei. Also konnte ja nichts mehr schief gehen. Jetzt wurde ich richtig hibbelig. Ich habe noch ein bisschen was getrunken, aber mein Plan noch einen weiteren Joghurt zu essen, konnte ich direkt verwerfen. Ich habe nichts mehr runterbekommen. Es hat aber auch ausgereicht. Für unterwegs hatte ich 4 Riegel dabei und auf der Strecke gibt es Bananen. Damit sollte ich wohl auskommen. Ich habe im Hotel noch zwei weitere Läufer kennengelernt bzw. einer kannte bereits Teile meines Fanclubs. Somit sind wir zusammen zur Straßenbahn gegangen. Und das war echt gut so. Ich war soooo aufgeregt, dass ich den Weg zur Bahn nicht mehr gefunden hätte. Auf dem Weg haben wir immer mehr Läufer getroffen. Der Start in Köln ist in Deutz an der Lanxess Arena. Als wir dorthin kamen, herrschte bereits das emsige Treiben vor dem Start. Ein großer, aufgeregter Bienenschwarm.


Wir haben noch den letzten Start des Halbmarathons mitbekommen. Am Halbmarathon nahmen 11.600 Läufer teil und sie starteten in 8 Blöcken. Beim Marathon waren wir 4.700 Läufer und starteten in 4 Blöcken. Ich hatte eine Zeit von 4:30 h angegeben und landetet damit im 3. Startblock. Als die Halbmarathonis auf der Strecke waren, kam das erste Mal die Putzkolonne. Viele Läufer tragen bis kurz vorm Start abgetragene Klamotten über den Rennklamotten, um sich warm zu halten. Die lassen sie dann am Start zurück. Bei vielen Veranstaltung – wie auch hier – werden die Klamotten eingesammelt und gespendet. Also falls mal jemand Bedarf hat… Ich hatte auch eine Bench-Jacke gesehen und kurz überlegt, sie mitzunehmen. 😉 Ich hatte selber ebenfalls eine alte Jacke dabei. Da es mittlerweile warm genug war, habe ich sie doch in meinen Kleiderbeutel gesteckt,  diesen abgegeben, mich bei der Toilettenschlange angestellt (lang!!) und bin schließlich zum Start gegangen.  Mittlerweile war ich so aufgeregt, dass ich am ganzen Körper gezittert habe. Es fühlte sich echt wie Schüttelfrost an. Unglaublich. Es war so ein Geknubbel am Start, dass ich erst im letzten Startblock gelandet bin.  Ich konnte dann doch noch vorrücken – vor allem, nachdem ich andere aufgeregte Läufer vorgelassen hatte. Manche drängeln sich echt durch – dabei haben wir doch alle das gleiche Ziel…. Und letztendlich ist es ja total egal, wo man startet, da ja durch den Chip am Fuß jeder seine Nettozeit erhält.

Das Rennen

Die ersten beiden Starts habe ich gar nicht so richtig mitgekommen. Mit zwei Läufern habe ich noch kurz gequatscht, aber eigentlich war ich viel zu nervös und habe mich darauf konzentriert, dass ich gleich nicht so schnell loslaufe. Das war das Ziel für die ersten Kilometer – in den Rhythmus kommen, ruhig starten und mich vor allem von niemanden um mich herum verrückt machen lassen. Dann kamen unsere letzten 10 Sekunden, die heruntergezählt wurden. Wenn ich so darüber nachdenke, habe ich auch unseren Startschuss nur ganz dumpf mitbekommen. Ich wusste auf jeden Fall, dass es nun losgeht. Ich war im 3. Startblock ganz hinten und bin bis zur Startlinie gegangen. Dann habe ich meine Uhr angestellt und bin locker losgelaufen. Wow! Das war echt ein Gänsehautmoment. Die ersten Kilometer habe ich mir immer wieder gesagt: „Ich laufe jetzt meinen Marathon“ – ich konnte es wirklich selber kaum glauben. Nach so einer langen Vorbereitungszeit war es nun so weit. Dass ich mal einen Marathon laufen wollte, habe ich schon Anfang meines Studiums als Vision aufgeschrieben und schon davor hat mich die Distanz immer wieder fasziniert. Damals hätte ich mir nicht vorstellen können, sie mal zu laufen. Ja, es ist schon so, dass ich mit dem Marathon eins meiner Lebensziele erfülle. Und heute war es so weit.


Auf der Deutzer Brücke habe ich erst den Blick auf den Dom gehabt und anschließend meine Fangruppe entdeckt. Da mein Mann meinen Sohn auf den Schultern hatte, konnte ich sie schon von weitem gut erkennen und ihnen zuwinken. In Köln gibt es eine App, bei der die Zuschauer jeden einzelnen Läufer genau tracken können, an welcher Stelle er sich befindet. Die ungefähre Strecke zwischen den einzelne Zeitmesspunkten wird hochgerechnet und so wussten die 5 immer ungefähr, wann ich wo war und konnten sich entsprechend positionieren. Nach der Brücke ging es nach links am Rhein entlang.

Ich hatte mir das Rennen  – wie schon meine langen Läufe im Training – in 7 km-Teilstrecken eingeteilt. Also war ich auf den ersten 7 km. Der Anfang war wirklich überwältigend für mich, da ich es selber nicht glauben konnten, dass ich nun wirklich, wirklich auf der Strecke war. Ich habe es auch tatsächlich geschafft mit Hilfe meiner Uhr ruhig und gleichmäßig mit einer Pace von etwas unter ca. 6:30 Minuten / km zu laufen. Ich hatte mir vorgenommen, diese Pace bis zum Halbmarathon zu laufen und dann mal schauen. Mein Puls war in einem sehr guten Bereich und ich bin schnell in den richtigen Laufrhythmus gekommen. Das Zittern hat zum Glück schnell nachgelassen. 😉 Die erste Zeit kreiste ein Hubschrauber über uns. Ich fand das Gebrumme echt ganz schön nervig und ich habe gemerkt, dass mich das Reden der anderen Teilnehmer nervte. Ich habe versucht alles auszublenden und mich nur auf mich zu konzentrieren. Das war gut.



Die Strecke in Köln führt in verschiedenen Bögen ausgehend von der Innenstadt in die verschiedenen Stadtteile und von dort dann wieder zurück zur Innenstadt. Das hat zur Folge, dass man regelmäßig Läufer hat, die einem entgegenkommen. Und so konnte ich bei km 4 die Spitzengruppe entdecken (die bei km 11 waren). Leider habe ich es zu spät gesehen und konnte kein Foto machen. Es war toll, die schnellen Läufer vorbeiziehen zu sehen. Das finde ich beim Laufen so schön. Es gibt keine getrennten Wettbewerbe. Es starten einfach alle zusammen: Spitzenläufer, ambitionierte Läufer, Hobbyläufer. Alle im gleichen Wettkampf. Toll!

Kurz danach kam schon die ersten Verpflegungsstation und ich habe ein paar Schluck Wasser getrunken. Ich hatte mir vorgenommen, dass ich an jeder Station etwas trinke. Und beim Trinken wollte ich jeweils gehen. Ich hatte bei meinem letzten Volkslauf vor dem Marathon ausgetestet, ob ich im Laufen trinken kann. Es ist ungefähr alles passiert: Ich habe das Wasser verschüttet, ich habe den Becher kaputt gemacht, mir ist Wasser in die Nase gelaufen, ich habe mich verschluckt und zu allem Übel Seitenstiche bekommen. Das hat mir mehr als deutlich gezeigt, dass ich lieber gehe, wenn ich etwas trinke. Die paar Minuten waren es mir nicht wert, Probleme zu bekommen.

Bei km 8 kamen mir wieder Läufer entgegen. Ich war ziemlich verwirrt, weil die so langsam aussahen und ich mich gewundert habe, wie die denn vor mir laufen könnten… Bis ich verstanden habe, dass wir bereits auf dem Rückweg von der ersten Schleife waren und das Läufer waren, die hinter mir waren. 😉 Zum  Abschluss fuhr noch der „Besenwagen“ vorbei. Das ist ein Bus (mit Sanitätern), der die Läufer einsammeln, die zu langsam sind oder aufgeben. In Köln gilt eine Schlusszeit von 6 Stunden. Wenn man langsamer ist, wird man eingesammelt. An den jeweiligen Messstationen gibt es genaue Zeitvorgaben, wann man dort sein muss, um noch weiterlaufen zu dürfen.

Damit war ich auf den zweiten 7 km. Die Strecke zwischen 7 und 14 km war einfach nur toll. Ich war drin im Rennen, mein Puls war sensationell gut und ich habe gemerkt, dass sich das Training echt ausgezahlt hat. Mein schnellster km auf der gesamten Runde war auch km 13 mit einer Pace von 6:11 Min./km. Zu diesem Zeitpunkt tat mir gar nichts weh. Selbst die Schmerzen in meinem Zeh und meiner Wade, die ich in den letzten Tagen hatte, waren wie weggeblasen.

Die Strecke zwischen 14 und 21 km war fast noch besser. Ich war echt im Runners High und total geflasht. Am Rudolfplatz habe ich meine Fangruppe wieder getroffen. Auch hier habe ich als erstes meinen Sohn entdeckt und konnte alle abklatschen. Ich konnte sogar ein bisschen hochspringen, um meinen Sohn zu erreichen. In Köln zu laufen ist wirklich richtig schön. An der ganzen Strecke stehen Zuschauer und feiern die Läufer. Zum Teil sind richtige Partybereiche mit Musik, Getränke und Essen aufgebaut. Einer davon stand bei km 17. Als ich dort vorbeigelaufen bin, hätte ich echt fast geheult. Die Stimmung war so toll und ausgelassen und es lief so gut. Wow! Runners, runners high!!

Bei km 14 habe ich meinen ersten halben Riegel gegessen. Ab der 4. Verpflegungsstation gab es neben Wasser auch Bananen. Das habe ich getestet und direkt für gut befunden. Ab da habe ich meine Riegel, Riegel sein gelassen und bin auf Bananen umgestiegen. Gefährlich waren an der 4. Station allerdings die Bananenschalen, die überall herum lagen. Eine ziemlich rutschige Angelegenheit. Später gab es zum Glück Bananen direkt ohne Schale. Ab der 5. Verpflegungsstation gab es Energiedrinks.  Die vertrage ich allerdings nicht und da ich die restliche Zeit gerne auf der Strecke und nicht auf der Toilette verbringen wollte, bin ich beim Wasser geblieben. Das war genau das Richtige für mich.

Der Clown Michel ist ein berühmter Fan, der früher selber gelaufen ist. Er fährt mit seinem Rad immer wieder die Strecke ab und ich habe ihn mehrmals gesehen.

Pünktlich zum Halbmarathon begannen die Schmerzen. Es fing an der rechten Fußsohle an, zog sich dann langsam das rechte Bein hoch und am Ende waren es beide Oberschenkel, die ich gemerkt habe. Außerdem fing langsam mein Nacken an zu verspannen und ich habe immer mal wieder meine Schulter gelockert und die Arme ausgeschüttelt. Damit ging es ganz gut.

Die Hälfte ist geschafft!

An der Halbmarathonmarke hatte ich eine Nettozeit von 2:17:05 h. Damit war ich mehr als zufrieden. Ab jetzt habe ich die Pausen etwas ausgedehnt und habe an jeder Station in aller Ruhe gehend mein Stück Banane und 1 Becher Wasser getrunken. Ab hier habe ich immer mal wieder eine Ingwertablette gelutscht. Ich hatte die mitgenommen, weil sie gut gegen Übelkeit und Magenprobleme helfen. Ich hatte das Gefühl, das mir das gut tat und habe es mal als Geheimtipp abgespeichert.

Mit den Müllbergen bei den Läufen habe ich ein ziemliches Problem…. eine gute Idee, wie man es anders machen könnte, habe ich leider auch nicht.

Die Kilometer bis zu meinem nächsten Etappenziel – km 28 –  waren geprägt von Gedanken an meine Traingsläufe: 24 km, 26 km – alles lange Läufe, die ich im Training absolviert hatte. Und ich war einfach nur glücklich, dass diese Strecken mir heute im Vergleich wesentlich leichter fiel. Mittlerweile war mein Tempo insgesamt etwas langsamer. Ich bin ein bisschen langsamer gelaufen, weil es sich einfacher besser anfühlte und dadurch, dass es mehr Verpflegungsstationen und längere Pausen waren, hatte ich im Schnitt eine Pace von um die 6:45 Min./km. Das fühlte sich total passend an. Ich glaube am Rudolfplatz bei km 24 habe ich meinen Fanclub erneut wieder getroffen… Mmh, wenn ich jetzt so drüber nachdenke, bin ich mir gar nicht so sicher. Es könnte aber passen. 😉 Um kurz vor km 28 war ich mal wieder verwirrt, da ich gedacht hatte, dass ich das Schild verpasst hatte und ich habe immer nach 7 km eine neue Runde auf meiner Uhr eingestellt. Dann tauchte sie aber doch noch auf. 🙂

Das fand ich übrigens sehr interessant. Während meiner langen Trainingsläufe beschäftige ich mich logischerweise sehr viel mit der Strecke – schon alleine, weil ich es regelmäßig schaffe, mich zu verlaufen. 😉 Und ich suche mir immer interessante Strecken aus, wo ich lang laufen kann. Ich habe keine Lust 24 km im Kreis zu rennen. Also ist man gedanklich viel mit der Strecke beschäftigt. Hier brauche ich das nicht, weil ich einfach nur den anderen hinterherlaufen brauchte. Wirklich ein Vorteil! Zumal ich tatsächlich merke, dass ich jenseits der 20/24 km etwas verwirrter im Kopf bin. Dennoch habe ich viel über die Strecke nachgedacht. Ich habe immer versucht mich einigermaßen zurecht zu finden, wo ich mich in Köln befinde und ob ich etwas erkenne. Da ich mir die Strecke vorab jetzt aber nicht soo gut eingeprägt habe und ich die einzelnen Veedel (Stadtteile) nicht so richtig kenne, habe ich eher weniger erkannt. Dennoch habe ich mich damit beschäftigt. Man hat einfach viel Zeit. 🙂


Mein nächstes Zwischenziel habe ich etwas kürzer gewählt: 32 km – die längste Strecke, die ich vorab im Training gelaufen bin. Ab km 29 ging es wieder raus in die letzte Schleife. Hier kamen mir wieder sehr viele Läufer entgegen, die bereits auf ihren letzten Kilometern waren und dem Dom entgegenstrebten. Und mit km 29 kam bei mir Demut auf. Anders kann ich es nicht benennen. Es war der Moment, wo mir klar wurde, was es für ein unglaubliche Leistung ist, die ich hier gerade ablieferte. Immer mehr Läufer wurden langsamer, gingen weiter statt zu laufen oder blieben mit Krämpfen geplagt stehen. Viele auch, bei denen ich kurz vorher noch den Eindruck hatte, dass sie noch gut und locker dabei sind und entsprechend fit aussahen. Außerdem kam ein Krankenwagen, der einen Läufer auf der gegenüberliegenden Seite abholte. Da wurde mir wieder sehr bewusst vor Augen geführt, wie schnell der Traum vom Marathon zerplatzen kann. Ab km 30 ist meine pace erneute etwas runter gegangen und ich bin bei einem Schnitt von um die 7 Min./km gelandet. Mir war es viel wichtiger, das Rennen zuende zu laufen als am Ende ein paar Sekunden/Minuten herauszuschlagen.


Dann kam die 32 und ich habe extra angehalten, um ein Foto zu machen. Ab jetzt kam das unbekannte Terrain, vor dem ich mich insgeheim etwas gefürchtet habe. Den ersten Schritt hinter der 32 habe ich tatsächlich sehr bewusst gesetzt. 🙂 Die Abstände von den Verpflegungsstationen wurde immer kleiner und so gab es bei km 34 die nächste Gelegenheit zu einer kurzen Gehpause. Sobald man geht, merkt man direkt die Anstrengung. Sie steigt so richtig die Beine hoch. Ich habe mich da nicht lange mit beschäftigt, sondern bin einfach weiter gelaufen, sobald Banane und Wasser leer waren. Nicht denken – laufen.

Und dann war sie da: die 35! Die magische 35, von der viele erzählt haben, dass erst jetzt der richtige Marathon anfing. Ja, ich gebe es zu: Ich hatte einen Heidenrespekt vor der 35. Die letzten wirklich völlig unbekannten 7 km! Hier war auch erneut eine Zeitmessung und ich war mittlerweile 3:55:56 Stunden unterwegs. Ich bin noch nie vorher ein so lange Zeit am Stück gelaufen. Somit war alles unbekannt. Ich überlief die Matte…. und es passierte nichts…. Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, aber es passierte einfach gar nichts. Ich finde ja, es hätte für mich ein Feuerwerk abgeschossen werden können, aber lassen wir das. 😉 Ich habe einen Läufer neben mir angesprochen, wo denn die Wand wäre, die bei km 35 kommen könnte. Er: „Wand? Die kommt schon beim km 30. Wenn du sie da nicht hattest, dann kommt sie jetzt auch nicht mehr.“ Na dann. Ab diesem Kilometer war ich einfach nur noch glücklich. Ich hatte plötzlich die Gewissheit, dass ich dieses Ding jetzt zuende bringen würde. Wahnsinn! Mein erster Marathon!!! Km 36 bin ich tatsächlich wieder etwas schneller gelaufen und ich hatte mein nächstes Runners High! Unglaublich schön!

Und dann habe ich eine verdammt gute Entscheidung getroffen. Jetzt wo mir klar war, dass ich es schaffen würde, habe ich kurz darüber nachgedacht, das Tempo wieder etwas hochzusetzen. Ich habe gespürt, dass es drin gewesen wäre. Aber nein. Ich wollte es genießen. Ich wollte jeden Meter, der noch vor mir lag, einfach nur genießen und mich an meinem ersten Mal erfreuen. Und das habe ich getan. Ich hätte jedes km-Schild ab da küssen können. 36, 37, 38 – bei km 38 habe ich an meinen letzten 4-km-Lauf gedacht und scherzhaft gedacht, dass es ja jetzt nur noch knapp 20 Minuten wären. Das war die Zeit, die ich dafür gebraucht hatte. Nein. Nein. Ich bin in meinem Tempo geblieben (und ein 5er- Schnitte wäre wirklich nicht mehr drin gewesen ;-)). Und bei meinen Emotionen, die immer wieder hochkamen und mir Tränen vor Freude in die Augen trieb. Soooo schön.

Bis km 39 kamen mir wieder Läufer entgegen, die selber gerade erst bei km 29-32 waren. Ich war so unendlich froh und dankbar, dass ich schon so weit war. Für die letzten Läufer war das echt ein Kampf. Es gibt ein paar wenige, bei denen man merkt, dass es für sie tatsächlich einfach das richtige Tempo war und wenn ich das richtig sehe, war sogar jemand dabei, der die ganze Strecke schnell gegangen ist. Ich meine, ich hätte ihn schon öfters gesehen. Dann passt es aus meiner Sicht ja. Was ich allerdings wirklich, wirklich nicht verstehe, warum man einen Marathon ohne vernünftiges Training läuft. Das gibt es immer wieder und man sieht es den Läufern einfach an. Sie kämpfen nur noch und ich kann mir nicht vorstellen, dass sie das Erlebnis überhaupt noch wahrnehmen. Aber gut. Jedem das seine. Meins wäre es nicht.

An der Strecke standen auch weiterhin echt viele Zuschauer, die uns vorwärts trieben. Ich wurde so oft mit meinem Namen angesprochen (der steht auf der Startnummer). Das war echt toll und motiviert ungemein.

Kurz vor km 40 stand ein Red-Bull-Promowagen, die fleißig ihre klebrige Masse verteilt haben. Ich mag Red Bull generell nicht und ehrlich gesagt, fand ich den Geruch an der Stelle schon schlimm. Nun gut. Jetzt klebte erstmal der Boden. Man hörte überall die Schuhe, die sich vom Asphalt lösten. Tststs. Erschwerte Bedingungen so kurz vor dem Ziel. Ich bin dann zum letzten Mal am Rudolfplatz und an meiner Fangruppe vorbeigekommen. Mein Sohn hielt mir eine Karte hin, die ich zur Motivation für die letzten 2 km mitnehmen sollte. Das hatte ich nicht verstanden und habe sie nur abgeklatscht. 😉 Ich habe sie nachträglich im Ziel bekommen.


Die letzten 2 km bin ich mit einem fetten Grinsen gelaufen. Ich war einfach nur noch glücklich und konnte es selber kaum glauben, dass es so gut klappte. Es ging nun durch eine Zuschauermasse durch die Innenstadt, dann kam der Dom in den Blick, eine letzte Kurve und da war das Ziel! Wow! Wow! Wow! Eine unfassbar tolle Stimmung! Arme hoch und

42,195 km


Nach dem Rennen

Ich habe die Ziellinie mit einer Nettozeit von 4:47:38 Stunden überquert und direkt meine Medaille entgegen genommen. Gott. War ich stolz! Ich hätte alle umarmen können. Ich habe mir immer wieder gesagt: „Ich habe es geschafft. Ich bin Marathon gelaufen. Ich habe es tatsächlich geschafft. Ich bin 42 km am Stück gelaufen. Unglaublich!“ Das war auch das erste, was ich meinen Mann und meinem Sohn gesagt habe, die auf einer Mauer standen und den Zieleinlauf gesehen hatten.

Ich bin direkt mit einer Folie ausgestattet worden, damit ich nicht auskühle und habe mir in das Angebot im Zielbereich angeschaut. Köln wirbt damit, eine der besten Zielverpflegungen zu haben. Und die kann sich tatsächlich sehen lassen: Es gibt alles, was das Läuferherz begehren kann: Verschiedene Getränke, Obst, süße und salzige Leckereien, Brote, Wurst im Brötchen, Brühe, …. Ich habe mir erstmal Wasser, Äpfel und Brühe geschnappt und mich hingesetzt. Wuaaaahhh!! Sitzen!!! Was für ein Erlebnis. Ich habe allerdings gemerkt, dass mein Magen noch so gar nicht aufnahmefähig war. Ich habe anschließend noch an einem Brot herumgenagt und die Laugenbrötchen habe ich die ganze Zeit nur herumgetragen. Das alkoholfreie Weizen bekam mir da schon besser. Außerdem habe ich eine weitere Ingwertablette gelutscht. Ich bin dann raus aus dem Zielbereich, habe mich mit meinem Mann und meinen Sohn getroffen und zusammen haben wir meinen Starterbeutel geholt. Ich habe mich fix an der Straße umgezogen. Das war echt erforderlich. Ich bin wirklich sehr schnell ausgekühlt und hatte sofort blaue Lippen. Mit frischen, warmen Sachen war das direkt wesentlich besser.

Ich habe dann ganz stolz mein Finisher-T-Shirt getragen. Es gab einige, die es bereits beim Lauf getragen haben. Die Idee fand ich komisch. Was macht man denn damit, wenn man es nicht beendet? Nee, nee. Ich trage es erst danach. Anschließend sind wir zum Neumarkt geschlendert, wo ein weiterer Bereich mit Foodtrucks, Getränken und Musikbühne aufgebaut war. Dort habe ich auch meine Freundinnen wieder getroffen und nach den Gratulationen haben wir meinen Bier-Gutschein eingelöst und angestoßen. Ein halbes Bier ging schon wieder. 😉 Ich habe mich an ein paar Süßkartoffel-Pommes versucht. Das ging langsam und war eher ein bisschen zwingen. Immerhin ist alles drin geblieben. 😉


Nachdem sich mein Fanclub verabschiedet hat und sich auf den Weg nach Hause gemacht hat, habe ich noch meine Medaille mit meinem Namen und meiner Zeit gravieren lassen und mir einen Cappuccino besorgt. Pommes und Kaffee ist die beste Verpflegung nach dem Laufen, finde ich. Und natürlich Wasser. Hierzu half ein Kiosk auf dem Weg zum Hotel aus. Ich war froh, dass ich eine weitere Nacht im Hotel gebucht hatte und mich nicht direkt ins Auto setzen musste. Das wäre mir doch etwas zu viel gewesen.



Im Hotel habe ich die Läufer von morgens wieder getroffen und wir haben uns gegenseitig gratuliert und gefeiert. Nach einer ausführlichen Dusche ging es direkt nochmal weiter zum Italiener. Pasta und Bier ist auch eine gute Verpflegung nach dem Laufen. 😉 Als ich dort saß, war ich froh einfach nur zu sitzen. Und die Bedienung hatte auch mehr als Verständnis dafür, dass ich die Beine hochgelegt habe. Mit den Nudeln hatte ich noch etwas zu kämpfen. Gefühlt habe ich fast eine Stunde lang langsam gegessen. Doch dann war der größte Teil der Nudeln im Magen verschwunden. Das Bier schlug natürlich ziemlich direkt an. 😉

Medaillen schlafen heute im Bett.
808% und 58.625 Schritte können sich sehen lassen. 😅

Nachschlag

Das war er also – mein erster Marathon! Ich bin so glücklich, das Abenteuer in Angriff genommen zu haben und es so gut zu bestehen. Ich bin auch richtig froh darüber, dass ich während des Laufes die weise Entscheidung getroffen habe, in meinem Wohlfühltempo zu bleiben. So konnte ich wirklich jede Kleinigkeit genießen, alles in mich aufnehmen und ich hing danach nicht in den Seilen. Ich brauche ja schließlich noch Ziele für die Zukunft. 🙂 Es sieht auch sehr danach aus, dass ich Wiederholungstäter werde.

Ich bin immer noch überrascht, wie gut es gelaufen ist. Natürlich hatte ich Schmerzen und habe kämpfen müssen. Ich bin nach wie vor völlig geflasht davon, dass ich keinen echten Leistungseinbruch hatte, mir der Mann mit dem Hammer nicht begegnet ist und auch keine Wand zu sehen war. Damit scheine ich im Training und im Rennen einiges richtig gemacht zu haben. Ich hatte mir vorher viele Gedanken dazu gemacht, wie ich mich motiviere, wenn ich eine schlechte Phase bekomme. Ich hatte diverse Storys in meinem Kopf und auch motivierende Musik auf meinem Handy dabei. Aber ich habe tatsächlich nichts davon gebraucht. Ich habe immer wieder an meinen kleinen Sohn Julian gedacht. Er kann selber nicht laufen und somit laufe ich auch für ihn. Das stand auf meinem T-Shirt und auf der Strecke haben mich einige darauf angesprochen bzw. mir ein Daumen-Hoch gezeigt. Das war eine tolle Motivation.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei meiner Familie, die mir während des ganzen Trainings den Rücken frei gehalten hat und mich während des Laufes so gut unterstützt hat. Und vielen Dank an die vielen Laufkollegen, die mir vor dem Lauf Mut zugesprochen haben: Henry (ohne deine Frage Anfang des Jahres beim Spendenlauf, ob ich nicht dieses Jahr Marathon laufen wollte, hätte ich mich vermutlich gar nicht angemeldet), Jörg (was hätte ich nur ohne deine Sprüche im Vorfeld gemacht), Eva Maria und Ramona (so schön, dass wir uns kennen gelernt haben und ich freue mich auf weitere gemeinsame Läufe), meine Freundin Julia (den Trainingslauf wiederholen wir und wann laufen wir zusammen Marathon? ;-)), Stefan (Danke für das Bier! und das sensationelle „unwegnehmable“). Und natürlich vielen, vielen Dank an alle meine Freunde und Kollegen, die an mich geglaubt haben und mich über Facebook, WhatsApp sowie persönlich motiviert haben. Es ist schön, dass es euch gibt.