Im Kreis rennen – Mann mit dem Hammer – Platz 1

Das fasst meinen ersten 6-Stunden- Lauf ungefähr zusammen. Aber einmal von vorne:

Am 16. Juni hatte ich Zeit und was macht der gemeine Läufer, wenn er Zeit hat: Genau laufen! Da ich Lust auf einen kleinen Wettbewerb hatte, habe ich mich auf die Suche nach einem längeren Lauf in der Nähe gemacht und bin beim 24-h-Lauf in Stadtoldendorf hängen geblieben. Da keiner von meiner Laufgruppe sonst Zeit hatte, habe ich kurzerhand meinen kleinen Sohn (inklusive Betreuerin) eingepackt und wir haben uns auf den Weg gemacht.

Der Lauf findet auf einer Tartanbahn statt – also schön 400 m im Kreis. Vor dem Start wurde uns mitgeteilt, dass der Spanier Ivan versucht bei diesem Lauf einen neuen Rekord zu laufen und wir ihm möglichst Platz auf der Innenbahn machen sollten. Da der Gute mal locker doppelt so schnell lief wie ich, bin ich gar nicht mehr auf der Innenbahn gelaufen sondern auf Bahn 2 oder noch weiter außen – somit hatte ich direkt jede Runde ein paar Meter mehr.

Um 14 Uhr fiel der Startschuss. Nach ungefähr 5 Runden fand ich es zunächst ziemlich absurd, die ganze Zeit im Kreis zu laufen und habe überlegt, direkt wieder nach Hause zu fahren. Aber irgendwie war ich dann doch zu neugierig, wie sich das so anfühlt und bin geblieben. Außerdem war ich ja nun gerade auch da. Ab und an habe ich meinen Sohn Julian in seinem Rehabuggy mit genommen. Insgesamt sind wir 6 Runden gemeinsam gelaufen. Das fand ich sehr schön. Julian kann nicht selber laufen, daher laufe ich für ihn und habe das auch auf meinem T-Shirt stehen. Es war echt schön, dass er dabei war. Nach einiger Zeit wurde es ihm aber dann doch zu langweilig und er ist mit seiner Begleitung mit dem Zug nach Hause gefahren.

Beim 24-h-Lauf in Stadtoldendorf  gibt es neben dem 6-h-Lauf auch 12 und 24 Stunden. Jaha – es gibt genügend Leute, die 24 Stunden lang im Kreis rennen. Schon mit kleinen, aber keinen großen Pausen. Verrückt. Der Lauf ist ein netter, kleiner Stadtlauf, bei der viele aus der Gegend mitmachen. Und so gibt es auch viele, die einfach mal vorbeikommen, ein paar Runden laufen – nach Hause gehen – wiederkommen – und wieder laufen. Außerdem gibt es dort verschiedene Staffeln, bei denen die Teilnehmer von großen Gruppen abwechselnd laufen. Es gab auch einen spannenden Battle zwischen zwei Schulen, der von allen lautstark kommentiert wurde. Es war also immer richtig was los auf der Bahn. Nachmittags kamen die Kindergruppen und liefen immer mal wieder mit. Das war lustig. Außerdem spielte die ganze Zeit entweder ein DJ oder Live-Musik. Die Veranstaltung ist wirklich sehr schön gemacht. Am Verpflegungspunkt kommt man logischerweise alle 400 Meter vorbei und die Verpflegung mit Getränken und Snacks war auch prima. Einziges Manko war, dass es nur Einweg-Plastikbecher gab. Ich versuche so oft es geht, Müll zu vermeiden und dazu gehören ganz besonders Einweg-Becher. Ich hatte in weiser Voraussicht meinen eigenen Becher mitgebracht und so war ich beim Verpflegungsstand schnell „die Dame, die ihren eigenen Becher hat“. Hihi – könnte auch ein cooler Indianername sein. 🙂

Die ersten drei Stunden gingen prima rum und ich hatte die ersten 24 km hinter mir. Nach meiner Uhr waren es aufgrund der größeren Runde schon etwas mehr, aber nach offizieller Rechnung bin ich bis dahin 60 Runden gelaufen. Ich hatte mir 45 km vorgenommen, weil es damit ein Ultralauf ist. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch fest damit gerechnet, die 45 km locker zu erreichen. Ich hatte schließlich für einen Halbmarathon auf gerader Strecke 3 Stunden Zeit. Das klang mehr als machbar. Die Rechnung habe ich allerdings ohne den Mann mit dem Hammer gemacht. Der stand tatsächlich just nach etwas über 3 Stunden vor mir und hat mich umgesemmelt. Nach bisher 4 gelaufenen Marathons, einem Ultra und diversen langen Trainingsläufen ohne diese Bekanntschaft, hat es mich bei diesem Lauf voll erwischt. Ich konnte plötzlich nicht mehr laufen – kein Stück. Also bin ich gegangen… und gegangen… und gegangen… Laufen war für mich wirklich Lichtjahre entfernt. Nachdem ich weitere 1,5 Stunden im Kreis gegangen bin und mich gefragt habe, ob ich es noch auf einen Marathon schaffe, ging es nochmal bergab. Mir wurde tatsächlich schwindelig und als ich bei der Verpflegungsstation halt machte, merkte ich wie mein Kreislauf komplett absackte und mir abwechselnd heiß und kalt wurde. OK! Körper – ich habe es jetzt auch kapiert: P A U S E! Und das habe ich auch sofort gemacht. Ich habe mich ins Gras gesetzt und den anderen beim kreisen zugeschaut. Da habe ich mich sehr, sehr deutlich gefragt, was ich hier eigentlich tue. Es ist wirklich verrückt, 6 Stunden lang im Kreis zu laufen. Ehrlich gesagt, hatte ich mir das ganze auch etwas leichter vorgestellt. Ich hatte gedacht, dass ich bestimmt immer mal wieder Leute zum Quatschen treffe. Da aber keiner so richtig mein Tempo lief, blieb es bei ein paar kurzen Quatscheinheiten an der Verpflegungsstation und wenn man sich gegenseitig überholt hat. Das war wirklich sehr schade und hat die Sache gerade auf der zweiten Hälfte sehr zäh gemacht. Ich habe meine Laufgruppe wirklich sehr vermisst.

Nachdem ich mir etwa eine Viertelstunde lang selber leid getan und mich gefragt habe, ob ich es heute übertrieben hatte, habe ich mich interessanterweise turboschnell erholt. Der Schwindel ließ total schnell nach und auch die sonstigen Gebrechen waren verschwunden. Also bin ich wieder aufgestanden und auf die Bahn getapert und siehe da: Ich konnte tatsächlich wieder laufen. Abgefahren!! Damit hatte ich nicht mehr gerechnet. Ich bin nicht schnell unterwegs gewesen, aber ich bin tatsächlich wieder gelaufen. Ich brauchte anscheinend nur ein kleines Päuschen vom Kringeln. Offensichtlich kann man auch auf einer 400-Meter-Bahn einen Drehwurm bekommen. 😉 Zum späten Nachmittag hin wurde es auch wärmer und drückender und auf einer Tartanbahn steht die Hitze, so dass es nochmal wärmer war. Das hatte vermutlich sein übriges getan.

Jetzt fragt sich der ein oder andere vermutlich, warum ich überhaupt weitergemacht habe und nicht einfach aufgehört habe…. Tjaaaaaaa. Zum einen, muss ich gestehen, dass mich der Ehrgeiz gepackt hatte. Beim 6-h- Lauf haben nur 3 Frauen mitgemacht und ich lag zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem ersten Platz, den ich natürlich gerne behalten wollte. Wobei der auch nicht mehr wirklich gefährdet gewesen wäre. Außerdem war das Erreichen von 100 Runden noch drin und das hat mich tatsächlich motiviert es noch zu probieren. Doch der Hauptgrund war eigentlich, dass ich schon die ganze Zeit mal wissen wollte, wie es sich anfühlt, wenn man vom Laufen aus der Bahn geworfen wird (und das hier ja dann sogar im wahrsten Sinne des Wortes) und ob ich es schaffe, mich wieder zu erholen und zu motivieren weiterzumachen. Ich habe so viele Berichte von Ultraläufern gelesen, die genau das erlebt und beschrieben haben. Und jetzt hatte ich es so nah vor Augen. Und keine Sorge, ich kenne meinen Körper sehr gut. Ich war zu keinem Zeitpunkt ernsthaft gefährdet. Zumal das Rettungsteam ja auch maximal 200 m weit weg gewesen wäre. 😉 Aber so weit hätte ich es nicht kommen lassen.

Am Ende habe ich sogar glückliche 102 Runden und noch ein paar Meter geschafft (41,149 km), die mir meinen ersten 1. Platz (bei den Frauen – in der Gesamtwertung 4. hinter 3 Männern) beschert haben. Ich gestehe, dass sich das echt toll anfühlt. 🙂 Zum Abschluss gab es eine sehr nette Siegerehrung, bei der ich neben der Medaille und einer Trinkflasche sogar noch ein tolles Handtuch geschenkt bekommen haben. Ich glaube, die Organisatoren waren etwas verwirrt, da ich die einzige in der Runde war, die sie nicht kannten und sie konnten nichts zu mir erzählen. 😉 Alle anderen waren offensichtlich bekannte Gesichter, die bereits in den vergangenen Jahren dabei waren.

Ich schreibe diesen Bericht 1,5 Monate später und ich habe gemerkt, dass es mir echt schwer fiel darüber zu schreiben. Der Lauf war wirklich eine Herausforderung und mir war nicht bewusst, dass es mir so schwer fällt, einfach nur im Kreis zu laufen. Vermutlich weil ich damit die ganze Zeit das Gefühl hatte, trotz laufen nicht vom Fleck zu kommen. Etwas, was ich in meinem Leben auch nicht so besonders gerne mag. 😉 Es bereitet mir einfach mehr Freude von einem Punkt zum anderen zum Laufen – wie zum Beispiel die wunderbare Harzquerung. Auch im Training laufe ich ungerne Strecken, bei denen ich die ganze Zeit im Kreis laufe. Ich suche mir entweder große Runden aus oder fahre mit dem Zug irgendwohin und laufe zurück.

Insgesamt war es aber auf jeden Fall eine Erfahrung wert. Ich weiß nun, dass ich auch nach einer Krise wieder aufstehen und weitermachen kann, was mir für zukünftige Abenteuer sicherlich helfen wird. (Klingt auch ziemlich nach Lebenserfahrung…) Und ich weiß nun auch, dass ich sehr gerne mit meiner Laufgruppe laufe und viiiiiel lieber im Wald mit Höhenmetern.

Ein paar Wochen später habe ich gesehen, dass ein 6-h-Lauf bereits ab 40 km als Ultralauf gewertet wird und so bin ich sehr happy über meinen zweiten Eintrag auf der DUV-Seite. Ich mag die Seite einfach und finde es schön, dass ich dort gelistet bin. Ich bin tatsächlich Ultraläuferin (auch im Herzen 💕 ) und es macht mir Spaß es so offensichtlich sehen zu können. 🙂

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10 Tage nach meinem 41. Geburtstag gab es die perfekte Startnummer für mich.
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Start und Ziel in einem – hier bin ich 102 Mal vorbei gekommen
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Mit Julian unterwegs
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Die Tartanbahn habe ich mich sehr genau angeschaut an diesem Tag… Nach so vielen Runden kannte ich wirklich jeden Schnipsel und jede Markierung.
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Das war bei meiner Pause… Interessanterweise sehe ich gar nicht so kaputt aus wie ich mich gefühlt habe.

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Mein Markierungsstöckchen. Den bekommt jeder Läufer auf seiner letzten Runde mit, damit die Restmeter auch noch gemessen werden können.
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und da liegt es. Fertig! Meine persönliche Ziellinie nach genau 6 Stunden.
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Die drei 6-h-Damen. Wir sind alle Gewinner!
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Geschenke. 🙂
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So sieht der Lauf als Aufzeichnung in meiner Uhr aus – dort waren es 44,46 km. Die kleine Ecke links unten ist meine Pause.
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51 km durch den Harz – meiner erster Ultra

51 km quer durch den Harz – von Wernigerode nach Nordhausen. Das Event kam mir vorher total unwirklich vor und ehrlich gesagt, kommt es mir jetzt auch total unwirklich vor. Aber ich bin es tatsächlich gelaufen – jeden einzelnen Schritt – 60.728 Schritte waren es am 28. April 2018 abends auf meiner Uhr.

Gestartet ist unser Abenteuer am Freitagnachmittag als Laufkumpel Jörg und ich uns auf den Weg in den Harz aufgemacht haben. Die Autobahnen waren zwar voll, aber einen richtigen Stau hatten wir nicht. So kamen wir entspannt in Wernigerode an und haben unsere Startnummern abgeholt: Mit den Nummern 213 und 214 geht es für uns durch den Harz. Bei einem kleinen Bummel durch das sehr hübsche Städtchen haben wir uns mit Laufbekanntschaften von Jörg in einer Pizzeria getroffen. Und wie das bei Läufertreffen so ist, ist man sehr schnell im Gespräch und haben uns den Abend über unsere Laufabenteuer ausgetauscht. Nach Aussagen wie „Ach – 100 km kann ich auch ohne Training laufen. Für 230 km muss ich mal trainieren.“ und „Michael ist den Marathon de Sables gelaufen“ (230 km durch die Wüste – das finde ich echt krass und ich habe schon diverse Dokumentationen dazu gesehen) fühlt man sich plötzlich ganz normal und als kleines Licht am Läuferhimmel – mehr als drei Marathons habe ich ja bisher nicht vorzuweisen. 😉 Es ist aber irre spannend, die Geschichten der anderen zu hören. Doch so faszinierend sich das alles anhört – bei vielen Läufen, u.a. den Marathon de Sables habe ich auch gar keinen Drang es selber mal auszutesten. Ich werde sicherlich noch einige spannende Läufe machen, aber ich merke jetzt schon, dass ich auch auf jeden Fall meine Grenzen habe. Ich kenne mittlerweile schon viele Läufe, da ich viel darüber lese und bei YouTube gucke – an dem Abend kamen aber doch einige Läufe auf den Tisch, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Es ist wie überall im Leben: Es gibt nichts, was es nicht gibt. Weder von den Entfernungen und noch von den extremen Bedingungen (Wüste, Antarktis, durch die Alpen, unter Tage, mehrere Tage lange, usw. usw. usw). Witzig ist dann wieder die Story, von einem Marathon um den Küchentisch. Ernsthaft! Da wurden schon ein paar Kreise mehr gedreht…. Wie gesagt, es gibt nichts, was es nicht gibt.

So ging der Abend bei Pizza, Schlummerbier und viel Gequatsche schnell rum. Die Nacht habe ich sogar 5 Stunden lang richtig gut geschlafen. Da ich früher wach war, konnte ich noch meditieren und mich in Ruhe vorbereiten. Mein Frühstück (Overnight-Oats – ich liebe es) hatte ich mitgebracht und so konnte ich bequem im Hotelzimmer frühstücken. Um 7.30 Uhr habe ich mich auf den Weg gemacht und die anderen an der Sporthalle wieder getroffen. Es gab die Möglichkeit dort zu übernachten. Die Vorstellung mit 50 weiteren Läufer in einer Halle zu übernachten, hat mich allerdings sehr schnell dazu bewogen, mir ein Hotelzimmer zu nehmen. Und das war für mich genau die richtige Entscheidung. Dann nochmal das üblich vorher: Gepäckbeutel abgeben und zur Toilette. Dort wurde direkt der Schwarzmarkt für das Toilettenpapier eröffnet. Da selbiges bereits leer war, war eine Teilnehmerin, die welches mitgebracht hatte, heiß begehrt. Immer wieder herrlich, wie solche einfachen Dinge plötzlich einen so hohen Stellenwert bekommen. Als Langläufer ist man toilettenmäßig ja eh Kummer gewöhnt, so dass ich das echt entspannt sehe.

Anschließend ging es zum Startbereich, der etwa 1,5 km entfernt lag. Auf dem Weg dorthin habe ich mich mit dem Marathon-de-Sables-Michael unterhalten. Anfangs war ich noch recht entspannt, doch je näher wir zum Start kamen, um so mehr habe ich die typische Aufregung vor dem Start gespürt. Es ist keine Nervösität, sondern ich spüre einfach, wie das Adrenalin hochkommt und sich freudig-gespannte Stimmung breitmacht. Am Start standen alle gemütlich rum und quatschten – eine sehr angenehme Stimmung und komplett anders als bei den kürzeren Stadtläufen, wo es doch oft recht hektisch und trubelig zugeht. Dann kam der Startschuss und es passierte erstmal nix, da alle gemütlich losmarschiert sind. Da es direkt bergauf geht, lohnt es sich auch nicht los zu spurten. Über die Startlinie sind wir noch gelaufen, doch dann sind wir direkt ins Wandern gekommen. Es ging zügig in den Wald hinein und kurze Zeit später standen wir bereits im Stau, da die ersten Bäume überklettern werden musste.

Die ersten km habe ich zum Reinkommen gebraucht und ich kann mich an die ersten 10 km nur noch wage erinnern. Ich habe zwischendurch immer mal wieder Kilometer „verloren“. Mein Uhr vibriert bei jedem Kilometer kurz. Ich bekomme das nicht immer mit – zumal ich auch so oft ein gutes Gefühl für die Strecke habe. Bei den ersten 10 km war ich aber doch überrascht, dass die Uhr mehr km anzeigte, als ich gedacht hätte.  Das war ja gar nicht schlecht. Nach 10 km (nach 1:25 h)  kam die ersten Versorgungsstation. Das passte gut. Ich hatte kurz vorher schon einen ersten halben Riegel vertilgt und konnte mich so mit Toast und Bananen stärken. Ich hatte tatsächlich Hunger – das Frühstück war einfach schon zu lange her. 😉

Nach ca. 2 Stunden waren wir bei km 15 und ich habe eine kleine Krise bekommen. Mir kam Nordhausen noch so unendlich weit entfernt vor und fand es plötzlich total absurd 51 km durch den Wald zu laufen. Ich war aber zum Glück vorbereitet, was ich tue, wenn ich mentale Einbrüche bekomme. Ich habe also sofort die Strecke eingeteilt und mir gesagt, dass ich die nächsten 10 km auf jeden Fall schaffe, dann habe ich die Hälfte und kann nochmal neu gucken, was geht. Schließlich läuft man auch beim Ultra einfach nur einen Schritt nach dem anderen. Die ganze Strecke ist geistig einfach nicht zu erfassen und das ist auch gut so. Und kurz danach war ich total drin: Ich bin gelaufen, was zu laufen ging – Ich bin gegangen, wenn es zu gehen war. – Die anderen Läufer waren da – Die wunderschöne Natur war da. – Ich war echt drin und habe den Lauf richtig genießen können.

Der Harz ist wirklich wunderschön. Es geht nahezu ausschließlich quer durch den Wald: kleine Trails, über verwurzelte Wege, über Stock und Stein, über kleine Bäche, auch immer mal wieder Wanderwege, dann wieder der Waldboden pur, ab und an ein Baum zum drüber klettern. An einer Stelle sprang eine Teilnehmerin locker über den Baum – das habe ich mir geschenkt. Ich bin lieber drüber geklettert. Eine Herausforderung war es tatsächlich, dass man immer den Boden im Blick haben musste, damit man nicht stolpert. Irgendwann hatte ich das aber auch drin, dass ich den Boden im Blick hatte und trotzdem die Landschaft um uns herum wahrnehmen konnte. Die Nackenmuskulatur wurde dabei schon ordentlich beansprucht. Die Schotterwege, die wir gelaufen sind, verwandelten sich ab und an in Fußballplätze. Da es neben Schotter auch größere Stein gab, kickt man die beim Laufen gerne mal in der Gegend herum und wenn es ungünstig läuft, schießt man den Stein gegen das andere Bein. Aua! Das kommt davon, wenn man die Füße nicht vom Boden hebt. Ich laufe ja tatsächlich bei langen Läufen recht ökonomisch und hebe die Füße nur so hoch wie eben nötig an – gerne auch als „Ultra-Schlappschritt“ bezeichnet. 😉

Nach ca. 3, 5 Stunden haben wir die Hälfte erreicht und von Nicht-Schaffen war keine Spur mehr. Ehrlich gesagt, hatte ich es bis dahin auch schon wieder ganz vergessen, dass ich diese komische Idee mal hatte. Man läuft halt auch einen Ultra in jedem einzelnen Moment und der kann sich immer wieder anders anfühlen. Während des Laufes habe ich insgesamt auch sehr wenig auf meine Uhr geguckt. Ich hatte so grob die km im Auge, aber auch längst nicht jeden. Die Zeit hatte ich noch weniger im Blick. Irgendwie kann man 7-7,5 Stunden genauso wenig überblicken. Ich bin früher schon mal längere Zeiten gewandert oder auch Rad gefahren oder auch die Bergwanderung auf den Patalsu im Himalayagebirge, aber dass ich nahezu ununterbrochen über 7 Stunden im Bewegung war, kann ich mich nicht erinnern. Wir bleiben weiter im Rhythmus – einfach laufen, die Berge rauf oder sehr steile Passagen runter gehen, ab und an ein Foto, an den Versorgungsstationen kurz anhalten, essen, trinken, Trinkrucksack auffüllen und weiter. Länger als 5 Minuten waren wir an keiner Versorgungsstation. Ich hatte mich einmal ganz kurz auf eine Bank gesetzt – das ist aber generell keine gute Idee. Ich merke dann schnell die Ermüdung der Beine und es ist tatsächlich besser einfach weiterzulaufen.

Nach 4:45 Stunden kamen wir beim Poppenberg an – mein Magic Moment. Zu diesem Zeitpunkt waren die ersten schon längst im Ziel. Der schnellste Mann braucht für die Strecke 3:39:14 h und die schnellste Frau 4:32:52 h. Wirklich unglaublich! Ich hatte mich im Ziel mit einem der schnellen Läufer unterhalten und ihn gefragt, ob er wirklich komplett durchläuft. Ja, tut er! Wahnsinn! Ich kann mir ja schon nicht vorstellen, den Berg raufzulaufen. Gut, das würde man mit entsprechendem Training wohl irgendwann schaffen. Aber noch weniger kann ich mir vorstellen, die richtig steilen Passagen herunterzulaufen. Es gibt eine Stelle, bei der es wirklich richtig steil über einen im Grunde nicht vorhandenen Weg mit Wurzeln, Steinen, über Baumstämme nur mit kraxeln runter geht. Ja – auch da wäre er gelaufen. Einfach Kopf aus und los… Hui!!!! Hut ab!

Nach dem Poppenberg ging die Strecke zunächst relativ flach weiter und dann gab es noch den ein oder anderen Anstieg. Zu dem Zeitpunkt hatte ich mich schon so daran gewöhnt, dass ich das gar nicht mehr richtig realisiert habe. Viel spannender war da der Moment für mich, als ich die Marathonmarke überschritten habe. Nach knapp 6 Stunden war es so weit und ich habe den kleinen Schritt über 42,195 km hinaus gemacht. Das war ein tolles Gefühl und ich habe es mit einem albernen kleinen Video und dem Abklatschen mit Jörg gefeiert.

Das war in Neustadt im Harz, wo es auch eine Versorgungsstation gab. Hier hatte ich neben dem üblichen Obst und Wasser auch ein Brot mit Bärlauchsalz genommen. Ich fand erst, dass das eine gute Idee wäre. Allerdings habe ich kurze Zeit danach etwas Probleme mit dem Magen bekommen und wir sind etwas langsamer gelaufen. Das zog sich so 2-3 km hin und dann war es wieder in Ordnung. Somit habe ich gelernt, dass ich während des Laufes besser kein Brot mit Bärlauchsalz esse. Es lag mir tatsächlich zu schwer im Magen. Dann bleibe ich zukünftig besser mal bei Obst, Riegeln und weißem Toast mit Butter und normalen Salz. 🙂

Das nächste Highlight war dann km 45, die wir nach ca. 6,5 Stunden erreicht haben. Jetzt war ich offizielle Ultraläuferin. Wow! Es fühlte sich wirklich sehr gut an.

Die letzten Kilometer haben wir tatsächlich einfach nur genossen. Wir haben noch einige Fotos gemacht, haben gequatscht und sind in Ruhe bis ins Ziel gelaufen. Interessanterweise war das gar nicht so ein euphorischer Moment. Bei meinem ersten Marathon in Köln, war die Überquerung der Ziellinie der absolute Gänsehautmoment.

Beim Überquerung der Ziellinie in Nordhausen war ich einfach nur unendlich dankbar, dass ich diese Reise machen konnte und gesund im Ziel angekommen bin.

In einem meiner Bücher steht folgender Spruch:

„Wenn du laufen willst,  laufe eine Meile.
Wenn du ein neues Leben willst, lauf einen Marathon.
Wenn du mit Gott sprechen willst, lauf einen Ultra.“

Persönlich habe ich Gott nicht gesehen, aber vielleicht war er einfach die ganze Zeit dabei – in Form der wunderschönen Natur, in den anderen Läufern – insbesondere Jörg, in der Sonne und dem perfekten Wetter, in den wunderschönen Ausblicken im Harz, im Poppenberg, in den Organisatoren und den vielen, vielen Helfern, ohne denen dieses Event nicht möglich gewesen wäre.

Ich bin sehr dankbar, dieses Abenteuer gemacht zu haben und bin jetzt wirklich sehr stolze Ultraläuferin!

Hier gibt es die Bilder und Videos zur Harzquerung.

Magic Moments im Harz

Wenn mich vorher jemand gefragt hätte, wann ich einen „Magic Moment“ am Harz erlebe, hätte ich vermutlich „den Zieleinlauf“ oder „das Überschreiten der Marathonmarke“ oder auch „Loslaufen im Ziel“ gesagt. Das waren alles durchaus sehr besondere Momente, aber einen echten magischen Moment hatte ich an einer ganz anderen Stelle: dem Poppenberg.

Der Poppenberg ist der höchste Berg (600,6 m ü. NHN) auf der insgesamt 51 km langen Strecke quer durch den Harz – es geht erst 3 km steil 300 Höhenmeter berghoch und anschließend ca. 4 km steil ca. 320 Höhenmeter bergab. Vor diesem Teilstück hatte ich vorher schon echt Respekt – zumal man an dieser Stelle bereits 36 Lauf-km in den Knochen hat. Somit habe ich mir im Vorfeld bereits visualisiert wie ich diesen Berg rauf und wieder runter komme. Ich habe mir vorgestellt, wie ich auf der einen Seite locker und leicht raufkomme und auf der anderen Seite locker herunterlaufe. Warum sollte ein Berg auch schmerzhaft und anstrengend sein? Da ich den Tag zuvor noch in meinem neuen Buch „Mentaltraining für Läufer“ von Michele Ufer (sehr empfehlenswert übrigens!) gelesen habe, hat mich das ebenfalls bestärkt, im Vorfeld so an diesen Berg heranzugehen.

Ich hatte vorher schon mit meinem Laufkumpel Jörg verabredet, dass ich am Berg Musik hören wollte und eher für mich laufen wollte. Da er direkt zu Beginn einen anderen Läufer getroffen hat, war das für uns beide total passend. So stand ich also unten am Poppenberg. Ich habe ein paar Mal tief eingeatmet und Energie aufgenommen (ein Hoch auf die Yogaatmung :-)), dann gab es Musik auf die Ohren und los ging es. Berg rauf bin ich gewandert – nicht gelaufen. Bei der Musik hatte ich mich für Unheilig entschieden, weil die sehr schöne und passende Texte habe. Gestartet bin ich dann auch mit dem Titel „Der Berg“.

Lass uns gemeinsam träumen
auf den Gipfel hochzugehen
und lass uns fest dran glauben,
einmal dort oben zu stehen

Ohja. Wie oft hatte ich vorher davon geträumt die Harzquerung mit dem Poppenberg zu laufen. Und ich habe fest daran geglaubt, dass ich es schaffe. Die Harzquerung ist mein erster Ultralauf – knapp 7 Monate nach meinem ersten Marathon. Ich hatte wirklich Respekt. Der Einstieg ins Ultralaufen geht bei den meisten über einen 6-h-Lauf. Da ich im März beim geplanten 6-h-Lauf in Rheine aber krank war, gab es vorher keine Gelegenheit mehr für mich, also sollte es wohl die Harzquerung werden und es fühlte sich auch im Vorhinein schon sehr gut an. Ich war vor vielen Jahren mal im Himalaya unterwegs und habe dort den Patalsu bestiegen – der liegt auf 4.400 m ü. NHN – also ein kleines bisschen höher ;-). Damals natürlich wandernd und nicht laufend. Doch alleine das Wissen, dass ich das geschafft habe, gab mir genug Schub auch die Harzquerung zu schaffen.

„Lass uns die Freiheit spüren,
mit jedem Schritt, den wir gehen
und lass uns das erleben,
einmal dort oben zu stehen.“

Und genau so bin ich es angegangen. Ich bin einen Schritt nach dem anderen gegangen. Mein Sohn Bjarne hatte mir vorher mal gesagt: „Mama, du kannst doch jede Strecke laufen, die du willst. Du brauchst einfach nur einen Schritt nach dem anderen machen und dann schaffst du jede Strecke“. Daran habe ich gedacht, als ich den Berg hoch gegangen bin. Ich stelle mir dabei vor, wie der Berg unter mir wegrollt – also quasi wie eine Rolltreppe – und ich dadurch vom Berg hochgeschoben werden. Ich gehe also gar nicht selber. 😉 Und so fühlte es sich auch tatsächlich an. Ich bin in einen superguten Gehrhythmus reingekommen, der mich den Berg hochgezogen hat. Es gab auch nur noch mich, den Berg und die Natur. Alle anderen Läufer habe ich ausgeblendet – ich habe auch einige überholt. Das habe ich aber nur am Rande mitbekommen und es war mir auch nicht wichtig. Ich wollte einfach für mich diesen Berg hochkommen.

„Lass uns die Angst besiegen,
mit jedem Schritt, den wir gehen
Lass uns füreinander da sein
und nicht mehr zurücksehen

Während des Laufens denke ich auch oft an meinen kleinen Sohn, der aufgrund seiner Behinderung nicht laufen kann. Er ist auf meinem Laufshirt und natürlich in meinem Herzen immer dabei. Julian hatte eine von Ärzten prognostizierte Lebenserwartung von ca. 1 Jahr. Er ist jetzt 4,5 Jahre und macht jeden Tag tolle Fortschritte. Wir haben da also eine Menge mitgemacht in den letzten Jahren und unglaublich viel geschafft. Und so lohnt es sich immer wieder, nicht zurück sondern nach vorne zu sehen und immer weiterzugehen.

Ein weiteres Lied war “ Wir sind die Gipfelstürmer“

Wir steigen an, bis wir am Himmel sind
Hoch hinaus, bis zum Wolkenrand der Welt
Wir ziehen los, immer weiter, immer höher
Und immer schneller
Bis zum Himmel um die Welt
Wir sind die Gipfelstürmer

Das war ein absoluter Gänsehautmoment. Ich hatte wirklich Gänsehaut. Das Hochgehen fiel mir so leicht. Ich habe die Lieder leise mitgesungen und wurde weiter hochgezogen. Mittlerweile gab es wunderschöne Ausblicke ins bewaldete Tal hinunter und ich hatte das Gefühl geradewegs in den Himmel zu wandern.

Wenn ich jetzt an diesen Moment zurückdenke, kann ich mich auch gar nicht erinnern, dass ich irgendwelche körperlichen Schmerzen hatte. Die ganze Anstrengung von vorher war wie weggeflogen. Es ist wirklich unglaublich.

Und dann gab es noch „Mein Berg“:

„Hab meinen Berg vor Augen
Er ist da, zu jeder Zeit
Ich gehe ihn ständig hoch
Und fühle mich klein

Ich öffne meine Augen
Und sehe so viele wie Mich
Jeder geht seinen Berg hinauf
Und will spüren, dass er wertvoll ist
Ich öffne meine Augen
Und sehe so viele wie dich und mich
Jeder geht seinen Berg hinauf
Und will spüren, dass er nicht alleine ist

Ich denke nach über mein Leben
Heute kann ich Vieles klarer sehen
Ich hatte immer nur den Gipfel vor Augen
Und so viel verpasst auf meinem Weg dorthin

Ständig auf der Suche
nach Anerkennung und Applaus
Nur dann hatte mein Leben einen Wert
Und nur dann hab ich an mich geglaubt

Ab heute will ich vieles ändern und handeln
Sehe meinen Berg und meinen Weg
Ich will nicht nur glücklich am Gipfel sein
Sondern auch auf meinem Weg dorthin“

Ja. Laufen hat sehr viel mit dem Leben gemeinsam.

Oben angekommen, habe ich einen kurzen Getränkestopp eingelegt – Jörg kam auch kurz danach und wir haben das Gipfelfoto gemacht. Auf dem Gipfel selber hat man keine Aussicht – dafür hätten wir noch auf den Aussichtsturm klettern müssen. Mein aktueller Flow und die vielen Treppen haben mich davon abgehalten. So habe ich die Ohrstöpsel wieder reingesteckt und bin mit „Hinunter bis auf Eins“ den Berg runtergeflogen. Es fühlte sich zumindest es so an.

Drei, zwei, eins, los
Ich hab es schon als Kind geglaubt
Und breite meine Flügel aus
Die Schwerkraft wollte ich besiegen
Ich hab geträumt, ich könnte fliegen
Ich bin zum großen Sprung bereit
Und zähl hinunter bis auf Eins
Ich streck sie aus, meine Flügel
Und spring vom höchsten Punkt der Welt
Ich hab geträumt, ich kann fliegen
Und dass der Wind mich einmal trägt
Drei, zwei, eins
Ich schmiede mir ein Fluggerät
Das mich in den Himmel trägt
Ich spür die Zeit, wie sie mich schiebt
Wenn unter mir der Abgrund liegt
Am Gipfelrand im Sonnenschein
Zähl ich hinunter bis auf Eins
Ich streck sie aus, meine Flügel

Wow! Das war ein Wahnsinnsgefühl diesen Berg quasi herunterzufliegen. Ich glaube, von der pace her war ich gar nicht so schnell unterwegs, aber es fühlte sich einfach richtig gut an und hat unfassbar viel Spaß gemacht. Einfach laufen lassen und nicht denken.

Ja, das war wirklich mein „Magic Moment“ im Harz.

Alle guten Dinge sind 3!

Am letzten Samstag stand eigentlich der Marathon in Bad Salzuflen an. Ich fand den ganz praktisch, da er aus mehreren Runden bestand und man zwischendurch entscheiden hätte können, dass man aufhört. Die Rechnung habe ich aber nicht mit Friederike gemacht- also dem Sturm, der vor ein paar Wochen Kleinholz aus dem ein oder anderen Waldstück gemacht hat. Und so auch in Bad Salzuflen. Die Stadt hatte den Lauf nicht genehmigt.

Was also tun? Einfach kurzerhand einen eigenen Marathon ins Leben rufen. Mit meiner Laufgruppe kein Problem. Ursprünglich wollten ein paar mehr mit laufen, aber aus gesundheitlichen und organisatorischen Gründen standen Jörg und ich am Ende an der „Startlinie“ des „1. Lippesee-Marathons“. Nein. Es war immer noch kein offizieller Lauf, aber unser Vorhaben brauchte schließlich einen Namen. Um 11.15 Uhr haben wir uns auf den Weg um den Lippesee gemacht. Eine Runde sind 6 km. Das war ganz praktisch, da wir unsere ( übrigens sehr gute) Verpflegung im Auto lassen konnten.

Wie das bei langen Läufen so ist, denkt man nach den ersten 10-15 km, dass es ja total prima läuft und man heute einfach alles im Grund und Boden läuft. 😉 Das hört in der Regel nach 25 km auf. Und dann ist es jedes Mal total spannend wie unterschiedlich der Körper und der Geist reagiert. Teilweise ist man völlig genervt von der Rennerei, dann verflucht man einfach alles und jeden und fragt sich, warum man das eigentlich macht, dann überlegt man, was einem gerade alles so weh tut – besonders beliebt: Waden, Oberschenkel, Beinrückseiten, Nacken. Und dann kommt völlig unerwartet eine Phase, bei der es einfach wieder gut läuft. Total irre. Schmerzen sind dann teilweise auch weniger, es macht sich ein wunderbar warmes Gefühl in einem breit und man kann entspannt weiterlaufen. Verrückt. Interessant ist auch WIE leer der Kopf irgendwann ist. Da ist einfach nix mehr drin. Ich laufe und habe das Gefühl eins mit der Bewegung und der Strecke zu sein. Es gibt einfach nichts anderes mehr – vor allem keine Gedanken. Wirklich mal angenehm – gerade mein Gehirn feuert sonst gerne und auch viel.

Wir haben jede Runde gefeiert und sind auch noch eine Runde über den Parkplatz gelaufen, um auf die Marathondistanz von 42,2 km zu kommen.

Wow!

Nach Köln und Dortmund also mein 3. Marathon. Richtig klasse.

Wir hatten sogar Urkunden, Medaillen und Pokale. Fühlt sich doch gut an, einen Lauf einfach mal zu gewinnen. 😅

Streak-Ende und Pause

Heute gibt es ein sportliches Update von mir. Gerne hätte ich jetzt geschrieben, dass Pokalschreck Paderborn die Bayern besiegt hat. Schade. Dieses Wunder ist ausgeblieben. Auch wenn uns vorher allen klar war, dass die Bayern gewinnen werden, bleibt ja doch immer so ein bisschen Hoffnung, dass doch ein Wunder geschieht. Nun gut – stolz auf den Einzug ins Viertelfinale sind wir; und sich unabhängig vom Ergebnis sehr gut geschlagen und präsentiert hat sich der SCP alle mal.

Also beschäftigen wir uns doch wieder mit dem Laufen…. Also zumindest gedanklich…

Am 28.01. habe ich am ersten Wettkampf des Jahres teilgenommen und bin in Hamm 10 km gelaufen. Gemeinsam mit einem Teil unserer wunderbaren Laufgruppe hat es sehr viel Spaß gemacht und mit meiner Zeit von um die 53 Minuten bin ich auch sehr zufrieden.

Das war dann auch der 28. Tag meines Januar-Streaks… und damit auch der letzte. Schon nachmittags habe ich gemerkt, dass ich schlapp war und mein Hals schmerzte. Das steigerte sich jeden Tag zu einer fetten Mandelentzündung mit Fieber und allem drum und dran. Ausgestreakt hatte es sich sehr deutlich. Das 2. Antibiotikum hat dann auch endlich angeschlagen, so dass es seit dem Wochenende wieder bergauf geht. Diese Woche kuriere ich mich noch weiter aus und ich denke, Mitte nächster Woche gehe ich das erste Mal wieder laufen. Zum Yoga gehe ich etwas früher schon wieder.

Mir ist aufgefallen, dass der Streak nicht so richtig meine Trainingsmethode ist. Ich hätte nicht gedacht, dass es so herausfordernd sein kann, jeden Tag ein bisschen zu laufen. Zum Ende hin hat mich das doch irgendwie gestresst. Und mir waren die Strecken einfach zu kurz. Mir fehlte dieses positive Gefühl, dass sich bei längeren Läufen (10 km aufwärts) einstellt. Fazit ist also: Ich bin froh, dass ich es mal ausprobiert habe und ich werde es so schnell nicht noch mal machen. 🙂 Hier noch der Rückblick zum Streak:

Ansonsten habe ich ein neues Buch, das mich sehr begeistert:

Nach aktuellem Plan werde ich Anfang März an meinem ersten 6-Stunden-Lauf teilnehmen und Ende April steht die Harzquerung mit 51 km und zig Höhenmeter an. Ich bin gespannt.

Mein sportlicher Jahresrückblick

Nun geht das Jahr 2017 zu Ende und es wird Zeit für einen sportlichen Jahresrückblick, der sich in Zahlen wie folgt ausdrückt:

  • 1.334 gelaufene Kilometer in 123 Einheiten
  • 160 erwanderte Kilometer
  • 388 mit dem Rad gefahrene Kilometer (zumindest die, die ich aufgezeichnet habe. Meine täglichen Rad-Kilometer sind da gar nicht drin)
  • 91 Stunden Yoga
  • Und weitere Sportaktivitäten wie Schwimmen, Spinning, Krafttraining und Klettern.

Insgesamt komme ich im Jahr 2017 auf 313 Stunden Sport. Das klingt jetzt erstmal brutal viel und viele fragen mich auch, wie ich es schaffe, so viel Sport zu machen. Meine Antwort ist, dass ich wohl noch mehr darüber rede als es tatsächlich zu tun. 😉 Es sind heruntergerechnet, tatsächlich im Durchschnitt nur 6 Stunden Sport pro Woche. Mal gibt es eine Woche mit fast 10 Stunden und dann mal wieder eine von weniger als 4 Stunden. Das ist genau passend für mich. Bei den langen Läufen kommen dann natürlich noch die Rüstzeiten dazu – sprich die Fahrten und die Regenerationszeit danach. Daher plane ich diese Läufe immer gut ein. Alles andere bekommt man immer ganz gut unter.

Ein absolutes Highlight in diesem Jahr war natürlich mein erster Marathon in Köln, der mir sofort ein Lächeln auf die Lippen zaubert, sobald ich nur daran denke. Doch auch mein zweiter Marathon war ein wunderschönes Erlebnis, genauso wie mein 1. Halbmarathon unter 2 Stunden. Der Lauf in Holland sowie die beiden Läufe nach Bielefeld (Nr. 1 und Nr. 2) sind mir sehr in Erinnerung geblieben. Ein weiteres Highlight waren die Läufe des Hochstiftcup und auch der Martinslauf in Paderborn. Ganz besonders deshalb, weil wir nach dem Martinslauf mit meinen „neuen“ Lauffreunden zusammen saßen. Das war tatsächlich etwas ganz neues in diesem Jahr. Die ganzen Jahre war ich bis auf wenige Ausnahmen Alleineläufer und mittlerweile habe ich dank des Hochstiftcups eine wunderbare Truppe von weiteren verrückten Läufern gefunden. Schön, dass es euch gibt!

Und so freue ich mich auf neue sportliche Herausforderungen in 2018. Eine wird ganz sicherlich der Start meiner Yogalehrerausbildung sein, so dass die Yogazeiten im nächsten Jahr wohl höher ausfallen dürften. Und dann möchte ich mich vermutlich im März an meinen ersten 6-Stunden-Lauf wagen – also einen ersten Ultra (> 42 km). Wenn das von Erfolg gekrönt ist, steht Ende April vermutlich die Harzquerung auf dem Plan. Weiter geplant habe ich aber noch nicht. Ich werde mal schauen, was das neue Jahr so bringt. Und dann brauche ich auch mal einen neuen Namen für meine Seite „Mein Weg vom Halbmarathon zum Marathon“ ist ja nun durch.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen guten Rutsch und viele schöne Erlebnisse in 2018!

Laufende Yogini oder yogische Läuferin?

Eine weitere Leidenschaft von mir ist Yoga. Je nachdem wie häufig ich laufen gehe, findet ihr mich ca. 2-3 Mal in der Woche im Yogastudio: Yoga&Fitness. Ich finde, Yoga ist für mich die ideale Ergänzung zum Laufen und dafür gibt es eine Menge Gründe:

Zunächst stehen dort die körperlichen Ergänzungen. Yoga besteht aus Kräftigungs- und Dehnübungen – also genau die beiden Aspekte, die beim reinen Laufen oft zu kurz kommen. Beginnen wir mal direkt ganz unten bei den Füßen – das wichtigste Werkzeug beim Laufen. Beim Yoga wird die Muskulatur sehr gestärkt. Ich bin davon überzeugt, dass eine gute Fußmuskulatur essentiell fürs Laufen ist und damit vielen Problemen vorgebeugt werden kann. Ich habe in meinen Laufschuhen keine besondere Dämpfung oder Korrekturen. Ehrlich gesagt laufe ich mittlerweile selbst mit meinen ältesten Tretern völlig problemlos. Bis vor wenigen Jahren hatte ich immer Schwierigkeiten mit meinen Füßen: meine Senk- und Spreizfüße ergaben bei jeder Laufbandanalyse im Schuhgeschäft ein sehr gruseliges Bild: Bei jedem Lauf brach mein Fußgewölbe in sich zusammen, was zur Folge hatte, dass mein ganzer Knöchel und damit mein ganzen Bein nach innen abknickte. Knieprobleme waren damit vorprogrammiert und früher hatte ich tatsächlich häufiger damit zu kämpfen, wenn die Dämpfung in meinen Schuhen nachließ. Mittlerweile laufe ich selbst am Ende von langen Läufen immer noch total gerade und ich habe auch tatsächlich keine Probleme an den Gelenken – auch wenn ich 30 km oder mehr über Asphalt laufe. Ein Hoch auf meine Fußmuskulatur und auf die ständigen Korrekturen während der Yogastunden: „Achtet auf eure Fußgewölbe“.

Mein Yogalehrer Michael hat stets besondere Freude daran, Dehnübungen für die Beine ins Programm aufzunehmen – gerne auch mit einem entsprechenden Kommentar in meine Richtung. 😉 Und jaaaa, ich merke es wirklich sehr. Es gibt ein paar sehr, sehr „schöne“ Übungen für die Bein-, Po- und Hüftmuskulatur zum Dehnen und Öffnen. Auch wenn ich in dem Moment ein bisschen vor mich hin schimpfe, merke ich langfristig, wie wichtig dieser Ausgleich ist. Die Muskeln verkürzen sich bei einseitigen Belastungen wie das Laufen sehr stark und dem kann ich so sehr gut entgegen wirken.

Ganz besonders gerne auch beim Yin Yoga. Yin Yoga ist eine Yogaform, bei der bestimmte Stellungen mehrere Minuten gehalten werden. In den lange gehaltenen Stellungen werden neben den Muskeln auch die Sehnen, Bänder und Faszien gelöst. Nach den Stunden habe ich regelmäßig das Gefühl wie auf Wolken zu gehen. Während des Marathon-Trainings war daher Yin Yoga ein wesentlicher Trainingsbaustein im Plan.

Der besonders vernachlässigte Bereich beim Laufen ist der Oberkörper und damit ist es gut, dass beim Yoga die Bauch-, Rücken- und Armmuskulatur gestärkt wird. Regelmäßig beim Laufen spüre ich, wie viel Kraft ich aus dem Oberkörper ziehen kann, wenn die Beine langsam schlapp werden. Eine Konzentration auf die Armbewegungen und auf einen gerade Oberkörper kann da tatsächlich Wunder bewirken.

Doch neben den ganzen körperlichen Vorteilen hilft mir Yoga ganz besonders mental weiter – insgesamt aber eben auch beim Laufen. Yoga ist Anspannung und Entspannung im gleichmäßigen Wechsel. Das entspricht dem Rhythmus beim Laufen. Anspannung im Laufen insbesondere bergauf – Entspannung beim Bergablaufen oder an der Ampel. 😉 Anspannung während des Laufs – Entspannung nach dem Lauf. Beim Yoga in der Entspannung konzentriere ich mich vollständig auf die Entspannung, genieße sie und ich denke nicht darüber nach, dass gleich wieder eine anspannende Übung ansteht. Und ich spüre, dass ich das beim Laufen auch immer mehr mache. Laufe ich einen Berg hinunter, freue ich mich einfach darüber, dass es gerade so gut läuft; oder stehe ich an der Ampel, genieße ich die kleine Pause. Ich mache mir keine Gedanken darüber, dass es gleich weiter geht oder dass der nächste Berg ansteht. Gleiches gilt für die Strecke. Distanz entsteht eh nur im Kopf. Wenn mich die gesamte Strecke überfordert, denke ich über den aktuellen Schritt nach. Kann ich den noch laufen? Oder habe ich das Gefühl sofort stehen bleiben zu müssen? Wenn nicht, dann laufe ich den Schritt und entscheide so Schritt für Schritt wie weit ich komme. Und so habe ich bisher jede gewünschte Strecke hinter mich gebracht.

Manchmal nehme ich im Studio auch beim HIIT teil: High Intensity Interval Training  – 1 Minute lang wird intensiv ein herausfordernde Übung durchgeführt – anschließend gibt es eine kurze Pause. Michaels Mantra lautet stets: „Es ist nur eine Minute“. Und dieses Mantra hat mich insbesondere letztes Jahr beim Martinslauf den Eselsberg hinaufgetragen. Ich habe mir die ganze Zeit gesagt, dass es nur eine Minute ist, dann geht es wieder bergab. Mittlerweile habe ich das so verinnerlicht, dass ich das Mantra nicht mehr brauchen. Ich weiß ganz genau: Nach der Anspannung kommt ganz sicher wieder die Entspannung. Allerspätestens wenn ich das Ziel erreicht habe und stolz auf die Leistung bin. Und bis dahin erfreue ich mich an der Anspannung. Es ist schließlich Wahnsinn, was mein Körper in dem Moment leistet und dafür bin ich sehr dankbar.

Ein weiterer Aspekt ist die Atmung. Beim Yoga wird durchgängig geatmet. Der Atem führt die Bewegung – der Atem kommt, die Bewegung kommt, die Bewegung geht, der Atem geht. Ein ewiger Rhythmus. Und durch diverse Atemübungen hat sich meine Atmung sehr vertieft. Und so versuche ich auch stets beim Laufen ruhig zu atmen. Ganz besonders wenn es mal einen anstrengenden Berg hinauf geht. In dem Moment brauche ich schließlich die ganze Energie, die mir der Atem schenken kann. Sobald ich spüre, dass ich nicht mehr locker laufe, konzentriere ich mich ganz besonders auf die Atmung und schenke mir ein paar tiefe, bewusste Atemzüge. Besser als jeder Espresso für einen direkten Energiekick! Auch das scheine ich komplett integriert zu haben. Es fällt mir gar nicht mehr auf, dass ich bei langsamen Läufen mittlerweile tatsächlich durch die Nase atme – wie beim Yoga üblich. Mein Laufpartner fragte mich neulich, ob ich durch die Nase atmen würde – und es stimmt! Wenn ich in einem ruhigeren Pulsbereich laufe, atme ich tatsächlich durch die Nase. Gerade bei der aktuellen kalten Witterung ist es sehr angenehm für die Lunge. Bei schnellerem Puls schaffe ich das natürlich auch nicht mehr. Aber es war sehr schön, zu entdecken, dass ich das mittlerweile so integriert habe, dass ich es unbewusst mache.

Apropos Bewusstsein: Im Yoga konzentriert man sich stets auf den Augenblick und ist voll und ganz da. Auch beim Laufen bin ich das immer mehr. Ich genieße den Augenblick: Ich genieße die Umgebung, ich genieße die Vorwärtsbewegung, ich genieße den Atemrhythmus, ich genieße das Rauschen des Windes in meinen Ohren, ich genieße Sonne, Regen oder Wind in meinem Gesicht, ich genieße meinen Herzschlag, der mir zeigt, dass ich lebe und wie stark ich bin, … Ich genieße tatsächlich viele Kleinigkeiten. Ich erlebe sehr viele bewusste Momente und denke immer weniger darüber nach, was vor dem Lauf war oder was nach dem Laufen noch kommt. In diesem Moment gibt es nur mich und den Lauf – eine wunderbare Erfahrung. Ich bin eins mit meinem Bewusstsein. Nicht immer – aber immer öfters.

Danke Yoga 🧘🏼‍♀️ – danke Laufen🏃‍♀️!

Einfach mal loslassen…

Erinnerst du dich an deine letzte Fahrt mit deinem Fahrrad über Kopfsteinpflaster? Als Kind habe ich das gehasst. Es war ein Kampf mit und gegen das Rad und den Boden. Man versucht das Rad fast krampfhaft in der Spur zu halten und je mehr man festhält desto stärker wird man durchgerüttelt und hofft eigentlich nur, dass es bald vorbei ist und man wieder ebenen Untergrund unter den Rädern hat. Versuche beim nächsten Mal doch mal zu tanzen statt zu kämpfen. Lockere den Griff am Lenker ein bisschen und nimm mit dem Körper die Bewegung des Untergrunds auf. Und siehe da: es funktioniert und man tanzt über das Kopfsteinpflaster. Es hat auch noch einen sehr positiven Nebeneffekt: durch das Gerüttel lösen sich Verspannungen im Körper – bei mir ganz besonders im Nacken. Probiert es einfach mal aus. Eine kostenlose Kurzmassage zwischendurch. 

Warum ich das hier im Laufblog schreibe? Ich stelle fest, dass Loslassen auch das wirksamste Mittel beim Laufen ist. Seit ich aufgehört habe, k(r)ampfhaft irgendwelchen Bestzeiten hinterherzurennen, laufe ich viel entspannter. Heute ist es heiß? Dann laufe ich einfach richtig langsam oder gehe mal ein Stück. So what. Am Ende bin ich sehr zufrieden, dass ich den Lauf geschafft habe und mir geht es prima. Und das Verrückteste daran ist, dass ich bei den Laufevents schneller werde, weil ich ohne Erwartungen an den Start gehe. Ich überprüfe zwischendurch gar nicht mehr, wie schnell ich bin. Sondern fühle einfach in mich rein. Wie viel geht heute? Oder wieviel auch nicht? Ein guter Lauf wird es damit allemal. Und oft genug wurde ich mit einer guten Zeit nochmal extra belohnt. 

Das Prinzip funktioniert auch sehr gut in anderen Bereichen des Lebens. Probier es aus. Einfach mal loslassen. 

Gedanken über den Marathon

Ich habe mir ja heute das Video von Kathrine Switzer – der ersten (offiziellen) Marathonläuferin angeschaut. Bjarne fand die Geschichte auch ganz spannend und meinte, dass er es toll fände von der Frau. Dadurch könnte ich schließlich jetzt den Marathon laufen. Schlaues Kerlchen (erwähnte ich schon mal wie stolz ich auf meinen Sohn bin?) und er hat ja sooooo recht. Es ist nicht vorstellbar, dass bis vor 50 Jahren keiner geglaubt hat, dass Frauen eine solche Distanz laufen könnten. Und der Knaller ist wirklich, dass es Männer gab, die befürchtet haben, dass die Gebärmutter herausfallen könnte. Wahnsinn. Es ist wirklich gut, dass die Gesellschaft sich dort weiter entwickelt hat. Sicherlich gibt es noch viele Themen bezüglich der Gleichberechtigung, die angegangen werden müssen. Ich finde aber, dass wir auf einem guten Weg sind. Und schließlich beginnt alles mit einem ersten Schritt – wie ein Marathon.

Bei meinen Recherchen zu Kathrine bin ich auch auf Gaby Andersen-Schiess gekommen. Daran kann ich mich sogar noch erinnern! Ich war 7 und habe damals oft die Bild am Sonntag (die hatten meine Eltern damals in unserer Kneipe verkauft) gelesen bzw. mir viel die Bilder angeschaut. Viel Text gab es ja nicht und den konnte ich zum Teil schon lesen. 😉 

Auf jeden Fall kann ich mich an das Bild dieser torkelnden Dame erinnern. 1984 fanden die olympischen Sommerspiele in Los Angeles statt und es gab zum ersten Mal die Marathondistanz für Frauen. Dieses Bild hat mich damals echt abgeschreckt und gleichzeitig fand ich es auch faszinierend, dass man so eine lange Distanz laufen kann. Vermutlich entwickelte sich schon damals eine gewisse Liebe/Faszination zum Marathon. Umso schöner, dass ich es dieses Jahr tatsächlich tun werde: meine ersten 42,195 km am Stück! Wow! Ich habe mir heute das Video vom Zieleinlauf von Gaby angeschaut. Es wurde viel darüber diskutiert, ob man sie aus dem Rennen hätte nehmen müssen oder nicht. Andererseits wird sie von vielen als Heldin gefeiert, die gezeigt hat, zu was man in der Lage ist, wenn man etwas wirklich, wirklich möchte. Dieser eiserne Willen ist natürlich etwas, was ich gut finde und was ich auch habe. Was ich mir vornehme, ziehe ich durch. Aber nicht zu jedem Preis!  Ich bin wirklich froh, dass sie es überlebt hat! Es hätte auch anders ausgehen können. Ich werde mir die Bilder dennoch immer wieder vor Augen führen. Denn eins zeigen sie mir mehr als deutlich – der Distanz eines Marathons muss man immer wieder den nötigen Respekt zollen. Ein Marathon ist zu schaffen. Dennoch bleibt bei mir immer eine Demut gegenüber den 42,195 km. Es ist einfach verdammt lang. 

Frühlingslauf

Das wunderschöne Wetter heute habe ich natürlich für eine Laufrunde genutzt. Eine gaaaanz entspannte, da ich krankheitsmäßig noch ein bisschen angeschlagen bin. Heute bin ich durchs Benhauser Feld. Bjarnes Schule ist in der Nähe, so dass ich das Auto dort abgestellt und dem entsetzten Sohn mitgeteilt habe, dass ich erst noch laufen gehe. Er wollte noch nicht nach Hause und hatte schon schlechte Laune als er mich sah… 😅 Kaum ausgesprochen, flitzte er weg. Schön, dass es ihm dort so gut gefällt. Ich bin knapp 8 km in 60 Minuten gelaufen – mit wunderbaren Blicken über das Paderborner Land. 




Zum Schluss hatte ich noch den Blick auf die Windräder. Wir haben hier diverse große Windparks, wo man quasi zuschauen kann, wie ständig neue Windräder errichtet werden. 


Ich bin bekennender Umweltschützer und wir beziehen unseren Strom von einem Naturstromhändler, so dass wir den Bau dieser Anlagen fördern. Atom- und Kohlekraftwerke sind keine echte Alternative. Trotzdem kommen schon Zweifel auf, wenn man die Verschandelung der Umwelt durch die Räder sieht. Ich hatte mit Bjarne auch darüber gesprochen und wir haben beschlossen, dass es doch am besten ist, wenn man Strom einspart und haben uns weiter überlegt, dass wir mal einen „stromlosen“ Tag machen wollen. Also einen ganzen Tag lang zu Hause sämtliche elektrischen Geräte nicht benutzen. Wir haben bereits eine laaange Liste gemacht. Das wird eine Herausforderung und wir werden berichten. 👍🏻