51 km durch den Harz – meiner erster Ultra

51 km quer durch den Harz – von Wernigerode nach Nordhausen. Das Event kam mir vorher total unwirklich vor und ehrlich gesagt, kommt es mir jetzt auch total unwirklich vor. Aber ich bin es tatsächlich gelaufen – jeden einzelnen Schritt – 60.728 Schritte waren es am 28. April 2018 abends auf meiner Uhr.

Gestartet ist unser Abenteuer am Freitagnachmittag als Laufkumpel Jörg und ich uns auf den Weg in den Harz aufgemacht haben. Die Autobahnen waren zwar voll, aber einen richtigen Stau hatten wir nicht. So kamen wir entspannt in Wernigerode an und haben unsere Startnummern abgeholt: Mit den Nummern 213 und 214 geht es für uns durch den Harz. Bei einem kleinen Bummel durch das sehr hübsche Städtchen haben wir uns mit Laufbekanntschaften von Jörg in einer Pizzeria getroffen. Und wie das bei Läufertreffen so ist, ist man sehr schnell im Gespräch und haben uns den Abend über unsere Laufabenteuer ausgetauscht. Nach Aussagen wie „Ach – 100 km kann ich auch ohne Training laufen. Für 230 km muss ich mal trainieren.“ und „Michael ist den Marathon de Sables gelaufen“ (230 km durch die Wüste – das finde ich echt krass und ich habe schon diverse Dokumentationen dazu gesehen) fühlt man sich plötzlich ganz normal und als kleines Licht am Läuferhimmel – mehr als drei Marathons habe ich ja bisher nicht vorzuweisen. 😉 Es ist aber irre spannend, die Geschichten der anderen zu hören. Doch so faszinierend sich das alles anhört – bei vielen Läufen, u.a. den Marathon de Sables habe ich auch gar keinen Drang es selber mal auszutesten. Ich werde sicherlich noch einige spannende Läufe machen, aber ich merke jetzt schon, dass ich auch auf jeden Fall meine Grenzen habe. Ich kenne mittlerweile schon viele Läufe, da ich viel darüber lese und bei YouTube gucke – an dem Abend kamen aber doch einige Läufe auf den Tisch, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Es ist wie überall im Leben: Es gibt nichts, was es nicht gibt. Weder von den Entfernungen und noch von den extremen Bedingungen (Wüste, Antarktis, durch die Alpen, unter Tage, mehrere Tage lange, usw. usw. usw). Witzig ist dann wieder die Story, von einem Marathon um den Küchentisch. Ernsthaft! Da wurden schon ein paar Kreise mehr gedreht…. Wie gesagt, es gibt nichts, was es nicht gibt.

So ging der Abend bei Pizza, Schlummerbier und viel Gequatsche schnell rum. Die Nacht habe ich sogar 5 Stunden lang richtig gut geschlafen. Da ich früher wach war, konnte ich noch meditieren und mich in Ruhe vorbereiten. Mein Frühstück (Overnight-Oats – ich liebe es) hatte ich mitgebracht und so konnte ich bequem im Hotelzimmer frühstücken. Um 7.30 Uhr habe ich mich auf den Weg gemacht und die anderen an der Sporthalle wieder getroffen. Es gab die Möglichkeit dort zu übernachten. Die Vorstellung mit 50 weiteren Läufer in einer Halle zu übernachten, hat mich allerdings sehr schnell dazu bewogen, mir ein Hotelzimmer zu nehmen. Und das war für mich genau die richtige Entscheidung. Dann nochmal das üblich vorher: Gepäckbeutel abgeben und zur Toilette. Dort wurde direkt der Schwarzmarkt für das Toilettenpapier eröffnet. Da selbiges bereits leer war, war eine Teilnehmerin, die welches mitgebracht hatte, heiß begehrt. Immer wieder herrlich, wie solche einfachen Dinge plötzlich einen so hohen Stellenwert bekommen. Als Langläufer ist man toilettenmäßig ja eh Kummer gewöhnt, so dass ich das echt entspannt sehe.

Anschließend ging es zum Startbereich, der etwa 1,5 km entfernt lag. Auf dem Weg dorthin habe ich mich mit dem Marathon-de-Sables-Michael unterhalten. Anfangs war ich noch recht entspannt, doch je näher wir zum Start kamen, um so mehr habe ich die typische Aufregung vor dem Start gespürt. Es ist keine Nervösität, sondern ich spüre einfach, wie das Adrenalin hochkommt und sich freudig-gespannte Stimmung breitmacht. Am Start standen alle gemütlich rum und quatschten – eine sehr angenehme Stimmung und komplett anders als bei den kürzeren Stadtläufen, wo es doch oft recht hektisch und trubelig zugeht. Dann kam der Startschuss und es passierte erstmal nix, da alle gemütlich losmarschiert sind. Da es direkt bergauf geht, lohnt es sich auch nicht los zu spurten. Über die Startlinie sind wir noch gelaufen, doch dann sind wir direkt ins Wandern gekommen. Es ging zügig in den Wald hinein und kurze Zeit später standen wir bereits im Stau, da die ersten Bäume überklettern werden musste.

Die ersten km habe ich zum Reinkommen gebraucht und ich kann mich an die ersten 10 km nur noch wage erinnern. Ich habe zwischendurch immer mal wieder Kilometer „verloren“. Mein Uhr vibriert bei jedem Kilometer kurz. Ich bekomme das nicht immer mit – zumal ich auch so oft ein gutes Gefühl für die Strecke habe. Bei den ersten 10 km war ich aber doch überrascht, dass die Uhr mehr km anzeigte, als ich gedacht hätte.  Das war ja gar nicht schlecht. Nach 10 km (nach 1:25 h)  kam die ersten Versorgungsstation. Das passte gut. Ich hatte kurz vorher schon einen ersten halben Riegel vertilgt und konnte mich so mit Toast und Bananen stärken. Ich hatte tatsächlich Hunger – das Frühstück war einfach schon zu lange her. 😉

Nach ca. 2 Stunden waren wir bei km 15 und ich habe eine kleine Krise bekommen. Mir kam Nordhausen noch so unendlich weit entfernt vor und fand es plötzlich total absurd 51 km durch den Wald zu laufen. Ich war aber zum Glück vorbereitet, was ich tue, wenn ich mentale Einbrüche bekomme. Ich habe also sofort die Strecke eingeteilt und mir gesagt, dass ich die nächsten 10 km auf jeden Fall schaffe, dann habe ich die Hälfte und kann nochmal neu gucken, was geht. Schließlich läuft man auch beim Ultra einfach nur einen Schritt nach dem anderen. Die ganze Strecke ist geistig einfach nicht zu erfassen und das ist auch gut so. Und kurz danach war ich total drin: Ich bin gelaufen, was zu laufen ging – Ich bin gegangen, wenn es zu gehen war. – Die anderen Läufer waren da – Die wunderschöne Natur war da. – Ich war echt drin und habe den Lauf richtig genießen können.

Der Harz ist wirklich wunderschön. Es geht nahezu ausschließlich quer durch den Wald: kleine Trails, über verwurzelte Wege, über Stock und Stein, über kleine Bäche, auch immer mal wieder Wanderwege, dann wieder der Waldboden pur, ab und an ein Baum zum drüber klettern. An einer Stelle sprang eine Teilnehmerin locker über den Baum – das habe ich mir geschenkt. Ich bin lieber drüber geklettert. Eine Herausforderung war es tatsächlich, dass man immer den Boden im Blick haben musste, damit man nicht stolpert. Irgendwann hatte ich das aber auch drin, dass ich den Boden im Blick hatte und trotzdem die Landschaft um uns herum wahrnehmen konnte. Die Nackenmuskulatur wurde dabei schon ordentlich beansprucht. Die Schotterwege, die wir gelaufen sind, verwandelten sich ab und an in Fußballplätze. Da es neben Schotter auch größere Stein gab, kickt man die beim Laufen gerne mal in der Gegend herum und wenn es ungünstig läuft, schießt man den Stein gegen das andere Bein. Aua! Das kommt davon, wenn man die Füße nicht vom Boden hebt. Ich laufe ja tatsächlich bei langen Läufen recht ökonomisch und hebe die Füße nur so hoch wie eben nötig an – gerne auch als „Ultra-Schlappschritt“ bezeichnet. 😉

Nach ca. 3, 5 Stunden haben wir die Hälfte erreicht und von Nicht-Schaffen war keine Spur mehr. Ehrlich gesagt, hatte ich es bis dahin auch schon wieder ganz vergessen, dass ich diese komische Idee mal hatte. Man läuft halt auch einen Ultra in jedem einzelnen Moment und der kann sich immer wieder anders anfühlen. Während des Laufes habe ich insgesamt auch sehr wenig auf meine Uhr geguckt. Ich hatte so grob die km im Auge, aber auch längst nicht jeden. Die Zeit hatte ich noch weniger im Blick. Irgendwie kann man 7-7,5 Stunden genauso wenig überblicken. Ich bin früher schon mal längere Zeiten gewandert oder auch Rad gefahren oder auch die Bergwanderung auf den Patalsu im Himalayagebirge, aber dass ich nahezu ununterbrochen über 7 Stunden im Bewegung war, kann ich mich nicht erinnern. Wir bleiben weiter im Rhythmus – einfach laufen, die Berge rauf oder sehr steile Passagen runter gehen, ab und an ein Foto, an den Versorgungsstationen kurz anhalten, essen, trinken, Trinkrucksack auffüllen und weiter. Länger als 5 Minuten waren wir an keiner Versorgungsstation. Ich hatte mich einmal ganz kurz auf eine Bank gesetzt – das ist aber generell keine gute Idee. Ich merke dann schnell die Ermüdung der Beine und es ist tatsächlich besser einfach weiterzulaufen.

Nach 4:45 Stunden kamen wir beim Poppenberg an – mein Magic Moment. Zu diesem Zeitpunkt waren die ersten schon längst im Ziel. Der schnellste Mann braucht für die Strecke 3:39:14 h und die schnellste Frau 4:32:52 h. Wirklich unglaublich! Ich hatte mich im Ziel mit einem der schnellen Läufer unterhalten und ihn gefragt, ob er wirklich komplett durchläuft. Ja, tut er! Wahnsinn! Ich kann mir ja schon nicht vorstellen, den Berg raufzulaufen. Gut, das würde man mit entsprechendem Training wohl irgendwann schaffen. Aber noch weniger kann ich mir vorstellen, die richtig steilen Passagen herunterzulaufen. Es gibt eine Stelle, bei der es wirklich richtig steil über einen im Grunde nicht vorhandenen Weg mit Wurzeln, Steinen, über Baumstämme nur mit kraxeln runter geht. Ja – auch da wäre er gelaufen. Einfach Kopf aus und los… Hui!!!! Hut ab!

Nach dem Poppenberg ging die Strecke zunächst relativ flach weiter und dann gab es noch den ein oder anderen Anstieg. Zu dem Zeitpunkt hatte ich mich schon so daran gewöhnt, dass ich das gar nicht mehr richtig realisiert habe. Viel spannender war da der Moment für mich, als ich die Marathonmarke überschritten habe. Nach knapp 6 Stunden war es so weit und ich habe den kleinen Schritt über 42,195 km hinaus gemacht. Das war ein tolles Gefühl und ich habe es mit einem albernen kleinen Video und dem Abklatschen mit Jörg gefeiert.

Das war in Neustadt im Harz, wo es auch eine Versorgungsstation gab. Hier hatte ich neben dem üblichen Obst und Wasser auch ein Brot mit Bärlauchsalz genommen. Ich fand erst, dass das eine gute Idee wäre. Allerdings habe ich kurze Zeit danach etwas Probleme mit dem Magen bekommen und wir sind etwas langsamer gelaufen. Das zog sich so 2-3 km hin und dann war es wieder in Ordnung. Somit habe ich gelernt, dass ich während des Laufes besser kein Brot mit Bärlauchsalz esse. Es lag mir tatsächlich zu schwer im Magen. Dann bleibe ich zukünftig besser mal bei Obst, Riegeln und weißem Toast mit Butter und normalen Salz. 🙂

Das nächste Highlight war dann km 45, die wir nach ca. 6,5 Stunden erreicht haben. Jetzt war ich offizielle Ultraläuferin. Wow! Es fühlte sich wirklich sehr gut an.

Die letzten Kilometer haben wir tatsächlich einfach nur genossen. Wir haben noch einige Fotos gemacht, haben gequatscht und sind in Ruhe bis ins Ziel gelaufen. Interessanterweise war das gar nicht so ein euphorischer Moment. Bei meinem ersten Marathon in Köln, war die Überquerung der Ziellinie der absolute Gänsehautmoment.

Beim Überquerung der Ziellinie in Nordhausen war ich einfach nur unendlich dankbar, dass ich diese Reise machen konnte und gesund im Ziel angekommen bin.

In einem meiner Bücher steht folgender Spruch:

„Wenn du laufen willst,  laufe eine Meile.
Wenn du ein neues Leben willst, lauf einen Marathon.
Wenn du mit Gott sprechen willst, lauf einen Ultra.“

Persönlich habe ich Gott nicht gesehen, aber vielleicht war er einfach die ganze Zeit dabei – in Form der wunderschönen Natur, in den anderen Läufern – insbesondere Jörg, in der Sonne und dem perfekten Wetter, in den wunderschönen Ausblicken im Harz, im Poppenberg, in den Organisatoren und den vielen, vielen Helfern, ohne denen dieses Event nicht möglich gewesen wäre.

Ich bin sehr dankbar, dieses Abenteuer gemacht zu haben und bin jetzt wirklich sehr stolze Ultraläuferin!

Hier gibt es die Bilder und Videos zur Harzquerung.

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26 km von Ehringhausen nach Hause

Heute habe ich mir einen längeren Lauf vorgenommen. Außerdem wollte ich endlich mal meinen neuen Trinkrucksack austesten. Ich habe mir vor ein paar Wochen diesen hier gegönnt. Ja – es ist das Herrenmodell. Das Damenmodell war mir zuuu pink und auch zu klein. So ist das halt, wenn man so groß wie der Durchschnittsmann ist. 😉 Der Rucksack stellte mich zu Hause zunächst vor gewisse Herausforderungen. Es dauerte eine Weile bis ich die Einstellungen hatte, die perfekt passte und mich nicht störte. Als dann alles so weit war und auch die Trinkblase mit Wasser gefüllt und korrekt eingehängt war, kam nix raus. Ich habe am Verschluss hin und her geschraubt und habe es nicht verstanden. Auch das Internet wollte mir nicht so richtig weiterhelfen. Ich sah mich schon ohne Rucksack laufen, doch dann hatte ich die Eingebung auf den Verschluss zu beißen. Aaaaah! Das war die Lösung und nachdem die Luft aus dem Schlauch war, konnte ich ganz problemlos trinken. Hervorragend!

So bin ich zum Paderborner Hauptbahnhof gelaufen, um mich dort in den Zug zu setzen, der mich 16 Minuten später in Ehringhausen in der Nähe von Lippstadt wieder ausspuckte. Wie schnell das geht.



Dort habe ich mich auf den Weg gemacht und bin guten Mutes die ersten Kilometer gelaufen. Seltsamerweise merkte ich bereits nach 3 km, dass ich heute gar nicht mal so fit bin und nach 4 km bin ich gegangen. Mmmmh…. Und nun? Ich habe kurz mit dem Gedanken gespielt im nahen Geseke mich direkt wieder in den Zug zu setzen und den geplanten Lauf Lauf sein zu lassen. Och nö. Der ganze Aufwand umsonst? Also bin ich ein Stück gegangen und habe mir einen der Riegel gegönnt und natürlich Wasser getrunken. Toll! So einfach und keine nervige Flasche mehr in der Hand!! Das war sonst meine Lösung bei langen Läufen. Sehr störend. Ich merkte wie meine Energie zurückkam und ich weiter laufen konnte. Hurra!


Mein Weg führte mich über Salzkotten. Also habe ich mir als Zwischenziel ein Café in Salzkotten ausgeguckt, um dann zu entscheiden, ob ich die letzten 10 km laufend oder mit dem Zug zurücklege. Mit diesen Aussichten lief es sich gleich viel besser und ich bin doch noch sehr gut reingekommen. Ich konnte den Lauf sehr genießen. Heute habe ich mir ja plattes Land gegönnt. 🙂 Ich habe es auch ruhig angehen lassen – zumal mein Puls von teilweise jenseits der 150 Schläge/Minute (absolutes Maximum bei langen Läufen) mich zum Langsamlaufen verdonnerte.


In Salzkotten angekommen, bin ich zum Bäcker rein und habe mich bei Kaffee und Brötchen entspannt. Der Verkäufer hat mich auch nur ein bisschen seltsam angeguckt. 😉 So gestärkt, habe ich den Zuggedanken verworfen und mich auf die letzten 10 km aufgemacht.


Mit ein paar Gehpassagen zwischendurch habe ich schließlich Paderborn nach 26,31 km und 3:18 Stunden erreicht. Wie schön!! Interessanterweise war ich gar nicht so kaputt, wie ich es auf dem Weg vermutet hatte. Ich habe mich auch zügig wieder erholt und konnte abends problemlos mit dem Radl in die City fahren. Auch am nächsten Tag hatte ich nur leichten Muskelkater. Schon seltsam manchmal. Und wieder ein Mal festgestellt, wie schön es doch ist, wenn man den inneren Schweinehund überwindet und einfach weiterläuft. Wunderbar!

Lustlos laufen…

Kaum zu glauben. Ja, das passiert bei mir auch!

Ich hatte mir diese Woche vorgenommen, morgens vor dem Frühstück zu laufen. Ab und zu mache ich das mal, weil es vom Energielevel doch eine ganz andere Geschichte ist. Ob ein Nüchternlauf nun gut oder schlecht fürs Training ist, wird viel diskutiert. Ich finde es immer mal wieder spannend, es auszutesten. Heute war ich allerdings nicht so richtig in Experementierlaune und habe vorab eine Banane gegessen. Die vertrage ich mittlerweile auch kurz vor dem Laufen problemlos. Bei Sonnenaufgang um kurz vor 8 gibg es also los. Den Hinweg von etwas über 3 km habe ich mich ganz schön gequält. Dabei war die Strecke nicht sonderlich anspruchsvoll. Zu meiner „Verteidigung“ sollte ich wohl erwähnen, dass ich am Sonntag im Yogastudio 108 Sonnengrüße gemacht habe. Wähnte ich mich Sonntag Abend noch im Trugschluss, dass mir die nichts ausgemacht hätten, wurde ich heute eines besseren belehrt. Mein Beine fühlten sich echt schwer und steif an. Muskelkater halt…. Und dann wollte es mit der Atmung heute auch nicht so recht klappen. Ich liebe es eigentlich total die kalte Winterluft ruhig einzuatmen und zu genießen.  Heute war nix zu genießen. Immerhin lief es auf dem Rückweg ein kleines bisschen besser. Vemutlich waren die Muskeln etwas wärmer. Und so habe ich es heute auf 6,75 km in 50 Minuten gebracht. Ein morgendlicher Lahme-Enten-Lauf mit einer Pace von 7:26 Minuten/km. Das ist egal, viel wichtiger ist, dass ich los war und die Erkenntnis mitgenommen habe, dass ich ab sofort öfters mal zu der Zeit bzw. am Vormittag laufen sollte – schließlich ist der Startschuss in Köln um 10 Uhr. Dann allerdings definitiv mit einem frühen Frühstück vorab. Bin ja nicht lebensmüde… 

Artikel zum Nüchternlauf

Sommer und Herbst 2016 – Clean Eating, HIIT und Laufen

Nach dem Salzkotten-Marathon habe ich mein Trainingsprogramm wieder etwas runtergeschraubt. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich im Training teilweise echt schon verbissen war. Ich habe total viel auf meinen Puls geachtet, auf dieZeiten geachtet und dass ich auf jeden Fall meinen Trainingsplan einhalte. Ich habe es nicht übertrieben, da ich mich zu jeder Zeit wohl fühlte  damit.  Dennoch ist mir im Nachhinein aufgefallen, dass ich schon recht streng mit mir war. Eins meiner Lieblingslieder in dieser Zeit war „Eisenmann“ von Unheilig. Den Song nenne ich auch gerne „Eisenfrau“. 😅 Ich denke, das sagt schon alles…

Ich singe die Lieder während des Laufens übrigens zum Teil mit. Wenn ihr mich also vor mich hinbrabbelnd laufen seht: es ist alles in Ordnung!! 😅

Nach dem Lauf habe ich total locker gelassen. Ich habe mich auch wieder auf andere Sportthemen gestürzt (natürlich wieder mehr Yoga) und u.a. das HIIT für mich entdeckt. HIIT ist High Intensive Intervall Training: HIIT. Ich habe es erst eine ganze Zeitlang abends zu Hause auf dem Trampolin gemacht und bin ab Herbst zum Crossfitness/HIIT-Training ins Yogastudio gefahren: Yoga&Fitness. Wirklich sehr empfehlenswert! Man powert sich eine halbe Stunde richtig aus und denkt eigentlich schon nach der 2. Übung, das nix mehr gut. Tut es aber dann doch! Wirklich erstaunlich.

Im gleichen Zeitraum habe ich langsam angefangen, meine Ernährung umzustellen. Als Vegetarier esse ich ja eh schon sehr viel Obst und Gemüse. Ich bin dann aber auf sehr interessantes Buch gestoßen: Eat Love Train (Link ist schon weiter oben beim HIIT). Das Ernährungskonzept ist Clean Eating. Die größte Umstellung war der Verzicht auf raffinierten Zucker und Weißmehlprodukten. Dank der tollen Rezepte und alternativen Süßungsmethoden (Honig, Dattelsirup, Agavendicksaft und Co.) fiel mir die Umstellung vergleichsweise leicht. Ich weiß, dass es zu den genannten Süßungsmitteln auch abweichende Meinungen gibt. Ich fühle mich mit dem Konzept sehr wohl und es passt für mich. Ich kann es teilweise heute noch nicht glauben, dass ich mittlerweile nahezu keine klassischen Süßigkeiten mehr esse. Ich war früher nahezu zuckersüchtig. Ich liebte Toffifees, Dominosteine, Lakritz und eigentlich nahezu alles, was die Süßigkeitenindustrie so hergab. Aus meiner Sicht habe ich aus verschiedenen Gründen geschafft:

  1. Anfangs war es nur ein kleines Experiment mit mir selber. Wie viele Tage schaffe ich es auf Zucker zu verzichten. Und ich habe jeden Tag, der – in meinen Augen – zuckerreduziert war, gefeiert.
  2. Ich musste es nicht machen. Ich habe keinerlei Krankheiten, Unverträglichkeiten und keine Probleme mit meinem Gewicht. Das entspannt natürlich.
  3. Ich bin nicht streng mit mir. Gleiches gilt übrigens für Fleisch: Wenn ich mal Bock darauf habe, Fleisch oder Schokolade zu essen, mache ich es einfach und genieße es dann auch richtig. Das passt dann einfach. Oft ist es aber so, dass ich am Ende doch einen Rückzieher mache und es nicht esse. 😉

Und beeindruckt bin ich von den Wirkungen. Ich fühle mich seitdem viel fitter und irgendwie befreiter. Der Körper bekommt viele natürliche Lebensmittel und scheint damit sehr zufrieden zu sein. Und der angenehmste Effekt ist, dass ich keine Heißhungerattacken und Unterzuckerungen habe. Ich fühle mich viel unabhängiger vom Essen. Früher rauschte mein Blutzucker schon mal echt ab und ich fühlte mich wie in der Snickers-Werbung. Mein Mann hatte dann auch seine liebe Not mit mir, um schnellstmöglich Essen in die Frau einzufüllen. Das kenne ich jetzt nicht mehr. Richtig aufgefallen ist es mir auf Korfu, wo ich eine Woche zum Yoga war. Es gab Frühstück und Abendessen. Teilweise habe ich zwischendurch gar nichts gegessen oder einfach nur ein paar Snacks – dann mit Vorliebe Nüsse. Und ich hatte unfassbar viel Energie. Wirklich erstaunlich.

Ich habe auch eine weitere Trainingskomponente mit rein genommen: Trailrun. Ein großer Spaß, den ich mit Vorliebe im Haxtergrund austobe. Ich laufe kreuz und quer durch den Wald, direkt durch den Matsch, bergauf und bergab. Ein echtes Vergnügen und eine tolle Abwechselung zu den langen Läufen.

Mein Trainingsumfang im Sommer/Frühherbst sah wie folgt aus:

  • Juni 2016 (inkl. Halbmarathon): 84 km
  • Juli 2016: 55 km, davon zwei längere Läufe mit 13 und 16 km
  • August 2016: 73 km, davon 1 langer Lauf von 20,5 km
  • September 2016: 13 km. Ja, tatsächlich. Ich bin ein Monat lang nahezu gar nicht gelaufen. Das war die HIIT-Entdeckung und das Yoga-Camp. Auf Korfu bin ich eine längere Strecke gewandert. Gelaufen bin ich gar nicht. Und auch nach Korfu blieb mein Schwerpunkt beim Yoga.
  • Oktober 2016: 33 km, kein langer Lauf