Schnee-Marathon mit Astrid

Puh – das war ein Brett. 42,2 km durch den Schnee mit Temperaturen zwischen -13 und -5 Grad. Ich gestehe, dass ich den Marathon unterschätzt habe.

Meine Lauffreundin Astrid und ich hatten uns bereits vor einiger Zeit zum Trainingsmarathon am 13.02.2021 verabredet. Als der Tag heranrückte, rückte auch Gisela mit ihren Tiefsttemperaturen und ihrem Schnee heran. Die Woche über haben wir noch hin und her geschrieben, ob wir eine Planänderung anstreben. Die einzige Änderung betraf dann die Strecke. Statt in tief verschneites Gebiet (Richtung Velmerstot) zu laufen, entschieden wir uns rund um Paderborn zu laufen, um so immer die Möglichkeit zu haben, die Strecke abzukürzen, falls uns zu kalt war. Und ehrlich gesagt, war das vorher meine einzige Sorge: Dass mir zu kalt sein könnte. Also habe ich meinen Kleiderschrank nach Winterklamotten durchforstet – das Ergebnis war so mittelmäßig – also musste der Kleiderschrank des Göttergatten auch noch heranhalten. Gesagt – getan und anschließend lagen 6 Schichten Oberbekleidung parat. Meine Umfrage auf Insta ergab, dass mich die Hälfte der Leser für irre hielten… aber egal… Ich bin echt eine Frostbeule und friere total schnell, wenn ich zu wenig anhabe. Also habe ich es tatsächlich geschafft, mich in 6 Schichten Oberbekleidung zu werfen. Untenrum gab es: Strumpfhose, Skiunterwäsche, 2 Paar Socken, Winter-Laufhose und kurze Hose drüber.

So eingemummelt ging es also los.

Wir haben sehr schnell festgestellt, dass die Kälte gar nicht das Problem ist. Ganz im Gegenteil – es war richtig, richtig schön. Die Sonne schien und die schneebedeckte Landschaft sah einfach nur wundervoll aus. Oben auf dem Monte Scherbelino angekommen, haben wir ein paar Fotos geschossen. Einfach weil es soooo toll aussah. Und auch später mussten wir immer mal wieder anhalten, um diese unglaubliche Schneelandschaft festzuhalten. Vom Monte ging es runter Richtung Borchen, von dort nach Wewer und Richtung Salzkotten.

Wir hatten uns vorgenommen unter 6 Stunden zu bleiben, also hatten wir für jeweils 7 km eine Stunde Zeit. Diese Rechnung ging für die erste Hälfte auch richtig gut auf. Kurz vor Salzkotten sind wir noch durch ein sehr schneebedecktes Waldstück gestapft und wir waren so froh, dass wir uns entschieden haben, keine Tour durch den Wald zu laufen. Das Laufen auf dem Schnee ist eh schon anstrengender als normal zu laufen, aber durch richtig hohen Schnee wird es schnell anstrengend.

Also haben wir für die Verhältnisse wirklich eine gute Strecke ausgewählt. Meistens ging es auf platt getretenem Schnee entlang. Da konnte man wirklich prima drauf laufen und zügig gehen. Diese Kombi klappte für die ersten 18 km richtig gut. Dann habe ich gemerkt, dass mich das Laufen in der Kälte und auf dem Schnee doch ziemlich anstrengt. Außerdem gab es kleine Nebenwirkung von meinen 6 Schichten Kleidung – mein linker Arm wurde etwas abgedrückt und schmerzte etwas. Das mir beim Laufen der Arm schmerzt habe ich nun wirklich selten. 😉 Nungut. Die Füße waren in Ordnung. Ich merkte jedoch insgesamt, dass ich echt schneller schlapper wurde. Und so wurden die Gehphasen länger und länger. Ein ganz herzliches Dankeschön an Astrid, dass sie mit mir mitgegangen ist.

Zwischendurch hatten wir Überlegungen, ob wir nicht abkürzen wollen. Aber irgendwie wollte ich nicht. Klar, 30 km durch den Schnee wären auch eine tolle Tour gewesen, aber Marathon bleibt einfach Marathon. Was will man da machen. Ich bekomme es sehr schlecht aus dem Kopf und auch wenn es kein offizieller Lauf ist – es fühlte sich wie ein DNF (Did not finished) an. Und ehrlich gesagt, dafür ging es mir nicht schlecht genug. 😉 Ich konnte halt nur nicht mehr viel laufen. Schnell marschieren war problemlos. Und so sind wir von Salzkotten Richtung Scharmede, dann Richtung Sande zum Lippesee. Hier hatten wir so etwa 32 km auf der Uhr. Zwischendurch kam noch ein Zeichen – ein Baum, der eindeutig unser Ziel anzeigte:

Am Lippesee war natürlich ordentlich was los – viele Spaziergänger waren auf den Beinen und haben auch das herrliche Wetter genossen. Also ging es im Slalom um alle herum und wir waren froh, als wir dann Richtung Schloss Neuhaus abbiegen konnten. Nun war es eigentlich nicht mehr weit, doch für mich fühlte es sich noch eeeeewig an. Nun war abbrechen wirklich keine Option mehr. Am Padersee angekommen waren es 33,5 km – also noch 8,7 km bis zur goldenen Zahl von 42,2 km. Hier haben wir uns verabschiedet, weil mein Tempo noch langsamer wurde und Astrid noch sehr locker laufen konnte. Ich finde, das macht eine Lauffreundschaft auch echt aus, dass man einen anderen Weg findet als alles bis zum bitteren Ende durchzuziehen. Also noch ein Abschiedsfoto:

Tja und dann kam für mich der härteste Teil. Der direkte Weg wären noch so 7 km gewesen, also musste ich mir noch ein paar Schleifen überlegen, um am Ende auch tatsächlich auf die Marathondistanz zu kommen. Mit einem vernebelten Gehirn (und das Gehirn ist vernebelt, nach über 30 km laufen/wandern) habe ich mir versucht eine Strecke zurecht zu legen. Das hat interessanterweise wieder ganz gut geklappt. Da ich mittlerweile in der Stadt war, konnte ich mich über frei geräumte Wege freuen. Das hat wirklich gut getan. Das Laufen auf dem Schnee geht total in die Leisten und interessanterweise in den Rücken. Das sind auch die Stellen, an denen ich anschließend etwas Muskelkater hatte.

Im gefühlten Schneckentempo (bei dem ich allerdings immer noch schneller als die meisten Spaziergänger war) ging es also weiter. Einen Schritt nach dem anderen. Manchmal stellt mir jemand die Frage, wie ich eine solche Distanz schaffe. Meine Antwort ist meistens: einfach loslaufen und einen Schritt nach dem anderen Laufen. Irgendwann kommt man an. Und so war es auch bei diesem Marathon. Ok – die letzten 2 km habe ich von unserem Sofa fantasiert. Ich habe mir ausgemalt wie ich nach Hause komme, umziehe, duschen zum aufwärmen und dann aufs Sofa. Ich bin das nur noch durchgegangen in meinem Kopf. 😉 Und das hat geholfen. Nach 6:17 und 42,3 km war ich endlich zu Hause. Es war so herrlich diese vielen Lagen Klamotten auszuziehen. Und jaaaa, das Sofa war noch besser als in meiner Fantasie. Geschafft!

Würde ich es nochmal tun? Jaaaaa! Ich bin so stolz drauf, dass ich es geschafft habe! WErde ich in 6 Wochen den Supermarathon zu Hause laufen (73,9 km) – ganz klares: NEIN! Schon während des Laufes haben Astrid und ich besprochen, dass wir unsere – für mich sehr ambitionierten Ziele – etwas herunterschrauben werden. Wir werden noch längere Läufe machen, aber der Supermarathon wird es nicht sein. Ich möchte nun erstmal wieder etwas zügiger werden – auch auf den langen Läufen. Klar – ein Marathon in letztendlich 6:17 Stunden bei dem Schnee ist eine Superleistung. Ohne Frage. Dennoch weiß ich, dass ich eigentlich auch schneller laufen kann und auch in einem Wohlfühltempo von 7 Minuten / km. Und da möchte ich erstmal wieder hinkommen, bevor ich mir wieder große Ziele vornehmen. Also ein Schritt nach dem anderen. 🙂

Astrid und ich haben den Marathon als Spendenlauf durchgeführt und so gehen jeweils 42 € an die Deutsche Duchenne Stiftung (https://www.duchenne-deutschland.de/) und an L(i)ebenswert – Menschen mit Downsyndrom e.V. (http://www.lebenswert-liebenswert.de/)

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Meine bisherigen Marathons und Ultras

Bisher bin ich 11 Marathons und 4 Ultras gelaufen.

1.) Köln-Marathon, 01.10.2017 – 4:47:38 h

2.) Glühwein-Marathon Dortmund, 17.12.2017 – 5:07:33 h

3.) Lippesee-Marathon (privat), 24.02.2018 – 5:10:10 h

4.) Harzquerung (Ultra), 51 km, 28.04.2018 – 7:09:42 h

5.) Bergstadt-Marathon Rüthen, 13.05.2018 – 5:18:03 h

6.) 6-h-Lauf Stadtoldendorf (Ultra), 16.06.2018 – 44,5 km / offiziell: 41,149 km

7.) Almetal-Marathon, 14.10.2018 – 5:31:11 h / 6 km mit Julian

8.) Rothaarsteig-Marathon, 20.10.2018 – 5:20:41 h

9.) Dahn Rocks! (Ultra), 29.12.2018 – 48,4 km – 8:27:00

10.) 6-h-Lauf, Herne (Ultra), 31.03.2019 – 45,29 km

11.) Rennsteig-Supermarathon (Ultra), 18.05.19 – 73,9 km – 11:50:29

12.) Mein Geburtstagsmarathon, 08.06.2019 – 43,65 km – 6:45:17

13.) Rennsteiglauf@home, 16.05.2020 – 42,2 km – 6:17:54

14.) 6-h-Lauf Werl, 19.09.2020 – 42 km – 6:03:17 (offiziell mit 40 km abgeschlossen)

15.) Schnee-Marathon mit Astrid, 13.02.2021 – 42,3 km – 6:17:27

6-h-Lauf in Werl und der innere Frieden

Gestern war es endlich so weit – der 6-Stunden-Lauf in Werl stand auf dem Plan. Ich hatte mich gemeinsam mit Herrn Trainingsplan 12 Wochen lang intensiv vorbereitet. Herrn Trainingsplan gibt es natürlich nicht wirklich: Ich hatte mir einen Trainingsplan erstellt und da ich ein zwiespältiges Verhältnis zu Trainingsplänen habe (irgendwie finde ich sie schon gut und und sinnvoll – andererseits engen sie mich auch ein), habe ich mich einfach von ihm distanziert, „Herr Trainingsplan“ genannt und seither siezen wir uns. Witzigerweise war das der Erfolg. Alles, was mich an Trainingsplänen stört habe ich an ihn abgegeben und so konnte ich doch entspannt laufen und trainieren. 😉 Das war also definitiv gut. Meinen Weg könnt ihr auf meinem Instaprofil nachschauen: https://www.instagram.com/kathrinw66/

Ich bin auch tatsächlich gut durch die Trainingsphase gekommen. Mit wöchentlichen langen Läufen – beginnend mit 18 km und am Ende fast 32km sowie zwischendurch kürzeren – etwas schnelleren Einheiten. Neben den Laufeinheiten mache ich noch regelmäßig Yoga, ca. 2-3 Einheiten pro Woche und oft auch kleine Einheiten zwischendurch. Falls dich das Yogatraining interessiert schau mal hier vorbei: http://www.runnersyogaflow.de Neben Yoga trainiere ich auch mental: Ganz speziell für diesen Lauf habe ich die Entspannungsmethode „Yoga Nidra“ genutzt, bei dem ich mir den positiven Vorsatz „Ich laufe leicht und locker“ in mein Unterbewusstsein gesetzt habe. Und was soll ich sagen: Genau das habe ich auch erfüllt. Wenn ich an den Lauf zurück denke, bin ich stets im Einklang mit meinem Körper gelaufen.

Aber vielleicht mal von Anfang an. Am Samstag morgen haben wir uns zu dritt (Astrid, Franzi und ich) auf den Weg gemacht nach Werl. Nach Einchecken (natürlich mit Mundschutz), Treffen von unzähligen Lauffreunden (sooo schön alle mal wieder zu sehen), kleine Shoppingtour bei https://hasta-la-ultra.de und ein bisschen dummes Zeug erzählen, ging es zum Start. Wir waren etwas verpeilt und haben fast nicht den Startbereich gefunden. Aber so waren wir doch noch pünktlich um 9.50 Uhr dort. Es gab noch ein paar einführende Worte vom Veranstalter Michael Ziemba und Naina Ehwein und schon ging es in 5erTruppen auf die Strecke.

Die Strecke führt 7,5 km durch den Werler Stadtwald. Die besonderen Highlights sind zwei echt knackige Berge, von dem der eine den liebevollen Namen „Kill the hill“ hat und der andere zierte ein Schild „Viel Spaß ;-)“ sowie die Überquerung der Autobahnbrücke. Die Berge werden gefühlt jede Runde steiler – ehrlich! Wie man am Höhenprofil erkennt, geht es nur rauf oder runter – gerade Strecke gibt es kaum. Der Untergrund hat alles zu bieten: richtige Trails mit Wurzeln (Achtung Stolpergefahr!), Schotter, Waldwege, Wiese, Asphalt – wirklich alles drin. Die Runde kann man innerhalb der 6 Stunden so oft laufen wie man möchte. Ausstieg in der letzten Runde ist alle 2,5 km möglich. VPs gibt es insgesamt 3: ein Mal Wasser, ein Mal Betrand und im Start-Ziel-Bereich einen großen mit allem, was das Herz des Ultraläufers begehrt: Kartoffeln, Käse, Kuchen, Obst, Gemüse, Salz, Süßes – alle möglichen Getränke. Also die Verpflegung erhält wirklich ein 1+ mit Sternchen. Hier merkt man, dass die Organisatoren selber Ultraläufer sind.

Die erste Runde sind wir noch gemeinsam gelaufen (am Start hatten wir auch noch Marion getroffen). Das erste Mal die Berge hoch ging noch echt gut und runter konnten wir es richtig rollen lassen. So haben wir die erste Runde in ca. 54 Minuten hinter uns gebracht. Das ließ mich echt hoffen, mein Ziel von 45 km zu erreichen – dafür sind 6 volle Runden erforderlich. Oder wie Franzi es so schön betonte: „Jede Stunde – eine Runde“. In der zweiten Runde hatte Astrid sich nach vorne verabschiedet und ist in ihrem (schnelleren) Tempo gelaufen. Ich bin bei diesem Tempo geblieben und habe so auch die zweite Runde entspannt in etwa der gleichen Zeit hinter mich gebraucht.

Tja und dann hat mich das erste Mal der Berg gekillt. Ich hatte richtig Probleme „Kill the hill“ hochzukommen und bin in Minischritten da hoch. In meinem Kopf hämmerte es die ganze Zeit „und das noch drei weitere Male – NIEMALS“. Oben angekommen war ich echt heilfroh. Es ging dann über die Autobahnbrücke und wieder in ein Stück Wald. Da fingen die Probleme richtig an. Mein Kreislauf drehte durch. Ich merkte richtig wie mir etwas komisch wurde. Ich erinnerte mich sofort an den Rennsteig, wo ich 15 km lang mit Schwindel zu kämpfen hatte – damals war es aber erst nach 50 km und nicht schon nach 18… Nunja. Was will man machen. Ich hatte leider keine Cola dabei und an den Verpflegungsstationen auf der Strecke gab es keinen. Ich habe beim „Viel Spaß“- Berg noch einen Läufer getroffen, der mich ganz lieb motiviert hat: Mach langsam – trink genug. Und das habe ich auch gemacht. Im Schneckentempo da hoch und immer wieder Wasser getrunken. Kurz danach war der Stand vom Bertrand und bevor ich gar nichts nehme, nehme ich das. Ich mag dieses Gemisch aus Haferflocken tatsächlich ganz gerne. Heiko (ein weiterer, sehr lustiger Mitläufer, den ich schon auf diversen Veranstaltungen getroffen habe) kommentierte das mit „Du trinkst doch nicht etwa diese Wixe“ 😉 Doch! Was soll ich tun. Für meinen Kreislauf war es tatsächlich besser, so dass ich den größten Teil der 3. Runde noch zuende laufen konnte und dort dann auch endlich Cola trinken. Seit dem Rennsteig weiß ich, dass das Wundermittel für mich ist. Also einfach Koffein.

Damit war Halbzeit – 3 Runden in etwas unter 3 Stunden, also weiterhin noch auf Ultrakurs. Meinem Kreislauf ging es etwas besser, aber ich merkte, dass ich insgesamt abbaute. Es wurde auch leider immer wärmer – die Kombi Laufen und Wärme vertrage ich nicht so besonders. Mein Puls schoß ziemlich in die Höhe und das habe ich auch echt gemerkt, so dass ich auf der 4. Runde mehr Gehpausen einlegen musste. Tja und da fing der Frust an (Gruß an Angie F. – jaaaa, ich kann auch sehr frustriert sein). Mir wurde immer deutlicher, dass ich mich von meinem Ziel, heute als Ultra abzuschließen verabschieden musste. Das ist das Harte beim Ultralaufen – du kannst schon 3 Stunden vorher erahnen, wenn es in eine andere Richtung als geplant läuft. Klar – die Hoffnung stirbt zuletzt. Dennoch kenne ich meinen Körper mittlerweile gut genug. Ich weiß zwar, dass ich nach einer schlechten Phase durchaus noch wieder in eine besser komme, aber dass ich tatsächlich noch so einen Schub bekomme, dass ich zum Ende hin schneller laufe als zu Beginn kenne ich nicht. Somit habe ich 3 km vor mich hingejammert und geflucht, dass ich es – nach letzten Jahr – es wieder nicht schaffen. Dabei waren die Voraussetzungen dieses Jahr so viel besser. Das Thermometer dürfte mittlerweile so bei 23/24 Grad gewesen sein – Tendenz steigend und das bekommt mir einfach nicht. Ich hatte sogar komplette Ausstiegsgedanken – einfach die Runde zuende laufen und in die Sonne setzen. Eine verlockende Aussicht.

Doch dann hatte ich die Idee, dass ich doch auch einfach versuchen könnte, den Marathon in 6 h zu schaffen, dann die 45 km für mich zuende zu laufen und im nächsten Jahr dann die 45 km in 6 Stunden zu schaffen. Diese Aussicht hat mich aus meinem Tief heraus gerissen und so war ich bei km 24 einfach wieder zufrieden und habe den Lauf genossen. Und plötzlich war das Ultralaufen wieder das, was es für mich ausmacht: In der Natur unterwegs zu sein, den Körper zu spüren, das Wetter zu genießen, die anderen Läufer zu treffen und es einfach zu genießen dabei zu sein. Ich traf erneut Heiko, der an der Pausenbank vor Kill-the-Hill sich ein Bierchen genehmigte. Das sah verlockend aus, aber ich wollte meine wieder gewonnene Motivation nicht überreizen.

Also zum 4. Mal Kill the hill. Langsam – Schritt für Schritt – dieses Mal mit einigen Pausen. Genauso wie den 2. Berg. Und auch die gesamte Strecke mit mehr Gehpausen. Das war mir aber nun egal. Wichtig war, dass es mir gut ging und ich wieder Freude hatte. So habe ich jeden Kilometer gefeiert, da er mich näher an mein neu definiertes Ziel brachte. Für Runde 4 habe ich schließlich 1:11 Stunden gebraucht – also viiiel länger. Im Start-/Zielbereich habe ich Michael getroffen und mich erkundigt, wo der Marathon-Ausstieg ist. Mit meinen 30 km auf der Uhr und keine 2 Stunden mehr Zeit war ihm auch direkt klar, dass ich die 45 km heute nicht mehr schaffe. Dabei hatte er im Vorfeld schon etwas mitgefiebert. Ich hatte dann ausgerechnet, dass ich für den Marathon die nächste Runde etwas schneller als jetzt schaffen müsste. Also nicht lange am VP aufgehalten, sondern schnell wieder auf die Strecke. Erneute mit vielen Gehpausen. Ich merkte nun schon, dass ich mittlerweile ziemlich k.o. war. Ich habe Musik gehört und mich einfach nur aufs Weiterkommen konzentriert.

Klar, manchmal frage ich mich auch, warum ich mir das antue – statt einen gemütlichen Samstag zu verbringen. Doch es ist wie im Leben. Es geht mal rauf – mal runter – mal fällt es dir leicht – mal nicht – doch am Ende geht es immer weiter – egal welcher Brocken dir hingeworfen wird. Und schließlich Kill-the-hill im Schneckentempo – auch den zweiten Berg im Schneckentempo – mit dem Wissen, dass mich noch eine weitere Runde erwartet. Doch das versuche ich regelmäßig auszublenden. Gedanken an die Zukunft führen einfach zu nichts. Eigentlich nie.

Die 5. Runde war am Ende noch langsamer. Ich habe fast 1:15 gebraucht und hatte nur noch 38 Minuten Zeit für 5 km, um die Marathondistanz zu schaffen. Mmmh… sehr unwahrscheinlich… Aber egal… Schnell noch etwas Cola und die Verpflegung ausgelassen – ich hatte von vorher noch eine Notration in Form von Kartoffeln und Schokoriegeln eingesteckt und ab auf die Strecke. Bei jedem Schritt, den ich nun gemacht habe, habe ich mir gesagt: Diese Strecke hast du geschafft – die brauchst du heute nicht mehr machen. Und so kam ich zum 6. Mal am Kill-the-Hill an. Unten war ich noch gewillt nach rechts abzubiegen, um die ganze Runde abzuschließen. Doch je näher ich nach oben kam – und das war richtig langsam – desto mehr verschwand die Lust die Extraschleife zu drehen, inklusive des 2. Berges. Oben rief mir der Mensch mit der Zeitnahme zu: „Lass dir Zeit, du hast noch 14 Minuten“ – Der Marathon war in unverrückbare Ferne gerückt, also habe ich mich oben ausgeloggt und so den Lauf offiziell mit 40 km beendet. Und dann hatte ich wirklich keine Lust mehr mich nochmal durch den Wald zu kraxeln. Der direkte Weg führt angenehm durch den Wald und hat auch etwa 2 km, so dass zumindest inoffiziell der Marathon drin ist. Das war zu verführerisch, also ab nach links und zurück gegangen mit kleinen Laufpassagen. Im Ziel stand meine Uhr auf 41,95 km… Das ist ja wohl bescheuert. Also bin ich doch noch eine Runde um die Bank gelaufen, so dass ich sie bei 42 km in 6:03:17 Stunden gestoppt habe.

Und so gab es zwar nicht die Ultraauszeichnung für mich heute, aber die erste Medaille des Jahres, einen wunderschönen Lauf, tolle Begegnungen, das Flair der 6-h-Läufe, dass ich so sehr liebe, der Stolz eine erneute große Distanz geschafft zu haben und erneut viel über mich gelernt.

Ein ganz großes Dankeschön geht an Naina und Michael sowie die Helfer für dieses wirklich großartige Event. Es steckt so viel Herzblut da drin und das merkt man wirklich an so vielen Groß- und Kleinigkeiten.

Herzlichen Glückwunsch an Daniel zum 3. Platz. Richtig grandios gemacht. 60 km auf dieser Strecke ist der Hammer!

Gestern Abend und auch heute bin ich richtig froh darüber, dass ich mich so entschieden habe. Ich bin tatsächlich größtenteils leicht und locker geblieben, so dass ich heute zwar Muskelkater habe und auch merke, dass ich müde bin. Aber ich bin nicht komplett zerstört. Das ist es mir einfach nicht wert. Hätte ich gestern alles daran gesetzt, die 45 km zu schaffen, hätte ich gestern sicherlich nicht mehr das private Straßenfest bei uns zu Hause so schön miterleben können und auch heute hätte ich meinen Tag auf dem Sofa verbracht. So steht einem schönen Familienausflug heute nichts im Wege. Und stolz auf meine geschafften 40 km bzw. 42 km auf dieser Strecke bin ich allemal.

Mal sehen, welches das nächste große Abenteuer ist. Eins steht fürs nächste Jahr schon fest: Meine Zeit beim Supermarathon (73,9 km) in Thüringen zu toppen. 🙂

Fotos von dieser Veranstaltungen findet ihr auch hier: https://www.sportograf.com/de/event/6676

Projekt 50k für 50k

Gestern war ich seit längerer Zeit mal wieder eine schöne lange Strecke laufen – 33 km von Lippstadt nach Soest – ungefähr den Jakobs-Pilgerweg entlang. Leider findet man die Kennzeichnung der Muscheln nicht überall, so dass ich immer mal wieder auch andere Um-/Rad-/Feld-Wege gelaufen bin. Aber am Ende bin ich glücklich in Soest angekommen und habe mich auf dem dortigen Weihnachtsmarkt verpflegt. 

Während des Laufens hat man ja viiiiel Zeit zum Nachdenken und mein aktuelles Thema ist unsere neu gestartete Petition, um auf den Pflegenotstand bei schwerkranken und behinderten Kindern aufmerksam zu machen. Da ich meine Wettkämpfe ja eh schon für meinen Sohn Julian laufe, kam mir der Gedanke zum Projekt „5o k für 50 k“. 

Um mit unserer Petition im Petitionsausschuss vom Bundestag angehört zu werden, benötigen wir 50.000 Unterschriften. Dabei kam mir gestern der Gedanke, dass es ja genau die Strecke ist, die man bei einem 50 km-Lauf zurücklegt – 50.000 Meter. Ich plane am 29. Dezember an einem 50km-Lauf teilzunehmen. Und bei diesem Lauf möchte ich jeden Meter, den ich laufe, einen der Unterstützer widmen. Doch dafür bräuchten wir natürlich bis dahin auch tatsächlich 50.000 Unterschriften! 🙂

Wer unterstützen möchte, kann das zum einen mit einer Unterschrift (Link siehe unten) und zum anderen mit dem Aktivieren weiterer Unterstützer tun. 50.000 Unterschriften sind echt viel – 50.000 m auch… Helft mir mit bei meinem Projekt. Und wer Lust hat, kann natürlich auch beim Lauf mit dabei sein. 

                           Link zur Petition: https://www.openpetition.de/petition/online/behinderte-und-schwerkranke-kinder-in-deutschland-brauchen-unsere-unterstuetzung

Alle Infos rund um die Petition auf unserer Facebook-Seite: https://www.facebook.com/teamDAVIDgmbh/

Meine persönliche Geschichte & Podcast-Hörempfehlung

Beim Laufen höre ich total gerne Podcasts. Neulich bin ich auf einen sehr schönen Laufpodcast gestoßen: Laufmasche. Julia interviewt Menschen während des Laufens über ihre große Leidenschaft – das Laufen – und das Leben selber. Und da es bei mir mit unserem Sohn Julian eine ganz besondere Geschichte gab, hatte ich sie letzte Woche angeschrieben.

Dann ging es schnell. Schon zwei Tage später waren wir zum Laufen verabredet und gestern ist der Podcast mit meinem Interview online gegangen. Zu hören ist es hier: https://laufmasche.podigee.io/8-folge-7-laufen-fur-julian

Ein ganz besonderer Marathon

Am Sonntag stand ein ganz besonderer Marathon auf dem Programm. Ich hatte mich für den Almetal-Marathon angemeldet, der von Harth-Ringelstein an der Alme lang bis nach Paderborn führt. Im letzten Jahr war die Erstauflage und ich war mit dem halben Marathon dabei. Dieses Jahr sollte es also die komplette Distanz sein. Und inspiriert durch einen Papa, der über Facebook von einem Lauf mit seiner besonderen Tochter erzählte, wollte ich das große Abenteuer wagen und unseren besonderen Sohn Julian ein Stück mitnehmen.

Im Training habe ich Julian schon ab und an mal in seinem Rehabuggy für ein paar Kilometer mitgenommen. Das hat jedes Mal prima geklappt und er hatte auch seinen Spaß. Er kann nicht sprechen, aber sobald ich stehen bleiben oder langsamer laufe, trappelt er mit seinen Füßen, dass es wieder schneller gehen soll. Er ist teilweise so aktiv, dass er auch selber nach den Läufen platt ist. 😉 Auf jeden Fall hat er Freude daran und das hat mich motiviert, es einfach mal zu probieren.

Beim Almetal-Marathon gibt die Möglichkeit als Schnupperläufe kleinere Teilläufe mitzumachen. Allerdings stand in der Beschreibung, dass Babyjogger nicht erlaubt sind. Mmh. Was tun? Ich habe den Veranstalter angeschrieben und was soll ich sagen: Ich habe zwei superliebe Mails zurückbekommen. Das wäre natürlich gar kein Problem und Julian bekäme auch eine eigene Startnummer und er hat mir nochmal Tipps gegeben, welches Teilstück er am besten mit“laufen“ könnte usw. Wirklich es war ganz toll und ich war schon ganz gerührt. Julian konnte das letzte Teilstück ab Wewer von 6 km bis ins Ziel dabei sein.

Also hatten wir alles geplant: Mit unserer Pflegefachkraft haben wir am Freitag noch einen Probelauf gemacht – wir haben überlegt, wie wir Absauge, Notfallset, Monitor usw. gut unter bekommen, so dass beim Laufen nichts schlackert und ich auch nicht zu viel Gewicht habe. Außerdem habe ich noch zwei Mitläufer aus meiner Lauftruppe aktiviert. Mein Mann und unsere Pflegefachkraft hat Julian und die beiden Mitläufer zum Treffpunkt gebracht. Ich habe alle während des Laufs informiert, wie weit ich bin. Aufgrund der Hitze hat es etwas länger als gedacht gedauert und Julian war schon megaaufgeregt, dass wir uns nicht sicher waren, ob das alles noch so klappt.

Nach 4,5 Stunden bin ich also dort eingetroffen. Ich habe eine kleine Pause gemacht, mich nochmal gestärkt und dann haben wir natürlich noch Fotos gemacht. Außerdem war der Veranstalter, der mit mir vorher gemailt hatte, persönlich vor Ort, hat uns viel Glück gewünscht und noch Fotos gemacht. Und dann ging es im 4er Gespann los. Es war gut, dass ich Begleitung hatte, da ich so auf Julian achten konnte und nicht noch selber schieben brauchte. Mein Mann und die Pflegefachkraft sind schon zum Ziel vorausgefahren.

Nach 3 km haben wir eine Trinkpause gemacht und Julian hat auch ein bisschen Wasser über die Sonde bekommen. Da war ich vermutlich etwas übermütig, da er kurz danach leider etwas spucken musste. Ich habe ihn also abgesaugt und danach sind wir eher im schnellen Spaziergang weitergefahren. Wir wollten schließlich gut ankommen und die Zeit war mir völlig egal. Julian hat allerdings einige Male getrappelt, weil er gerne schneller wollte. 😉 Auf dem Weg haben uns auch einige Zuspruch geleistet und gesagt, wie toll sie das finden. Unsere kleine Truppe sah aber auch zu schön aus.

Kurz vorm Zieleinlauf habe ich ihn wieder übernommen und wir sind zusammen eingelaufen. Das war ein echter Gänsehautmoment. Der Zielsprecher war auch informiert und hat sowohl Julian als auch mich persönlich begrüßt. Wow! Da musste ich doch ein paar Tränen wegblinzeln. Das war soooo schön.

Julian hat sogar eine eigene Medaille bekommen (gibt es für die Schnupperläufer eigentlich nicht) und man hat richtig gemerkt, wie stolz er war. Und ich habe ihm auch diverse Mal gesagt, wie stolz ich auf ihn bin, dass er das geschafft hat. Die Medaille hat auch nachts mit im Bett geschlafen.

Das war wieder einer dieser zauberhaften Momente, bei denen man weiß, wofür man sich sonst so abmüht. Und es ist toll, dass wir jetzt ein gemeinsames Hobby haben. Ich werde jetzt regelmäßig gemeinsam mit ihm laufen (also einfach so im Wald) und ich habe auch eine tolle Laufgruppe, die mich da voll unterstützt.

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Die grünen Pfeile weisen uns den Weg. Die Ausschilderung ist wirklich sehr gut gewesen.

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Start in Harth-Ringelstein. Hier war es noch recht kühl und ich habe etwas gefroren.

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Die Alme, die uns den ganzen Weg begleitet. Hier führt sie Wasser. Um Wewelsburg herum ist sie aktuell komplett ausgetrocknet.

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Eine so tolle Motivation im letzten Drittel des Marathons.

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Die lustigen Männchen waren an diversen Stellen aufgemalt. Fand ich echt süß.

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So war mein Blick seeeehr lange beim Marathon. Eine lange Straße, Sonne, mein Schatten und das war’s. Da ich relativ langsam laufe, hatte ich so ab km 18 für eine seeeehr lange Zeit niemanden in meiner Nähe. Nur die Verpflegungsstationen waren noch belegt – zum Glück. Es war aber streckenweise schon echt einsam.

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Ab Wewer ist Julian im Rehabuggy dabei – mit seiner eigenen Startnummer.

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Trinkpause bei km 3 (für Julian) und km 39 für mich. Julian erhält sein Essen/Getränke über eine Magensonde.

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Der Zieleinlauf – ein absoluter Gänsehautmoment.

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So sieht das der ganze Marathon bildlich aus. Julian war aber km 36 (Wewer) dabei.

Herbstzeit ist Marathonzeit

Heute bin ich meinen 4. langen Lauf (> 25 km) innerhalb der letzten 6 Wochen gelaufen. Dazwischen gab es noch ein paar kürzere Läufe – aber längst nicht mehr so viele wie vor meinem ersten Marathon. Das war jetzt echt eine entspannte Vorbereitungszeit nach meinem Geschmack. Die langen Läufe sind nach wie vor eine Herausforderung – zumal ich alle alleine gelaufen bin. Heute fiel es mir tatsächlich am leichtesten. Da zeigt das Training ja doch Erfolg.

>> Schaue dir meinen LongRun rund um Paderborn hier an! https://www.relive.cc/view/g25149778552

Folgende Läufe sind geplant:

07.10. – 20 km Rennsteig-Herbstlauf

14.10. – Almetal-Marathon – dieses Jahr die komplette Strecke

20.10. – Rothaarsteig-Marathon (Ja – 2 Marathons in kurzer Zeit. Das werden aber beides langsame)

9.11. – 6 km Martinslauf mit der Laufgruppe

Und im Dezember kommt sicherlich auch noch ein Marathon dazu. 😎

Ich freue mich schon sehr auf die Läufe.

Rømø – Inselumrundung

Wir sind aktuell in Dänemark zum Urlaub. Die Urlaubsinsel Rømø ist nicht sehr gross, so dass ich vorher schon überlegt hatte, die Insel laufend zu umrunden. Mitte Oktober steht auch der nächste Marathon an, so dass ich doch so langsam mal den ein oder anderen 30er Lauf machen könnte.

Ich bin nach dem Frühstück gestartet. Erst mit der Familie zum Kobmanden und Sonnencreme kaufen und dann habe ich mich auf den Weg gemacht. Als erstes ging es ca. 8 km Richtung Norden. Ich bin überwiegend neben dem Juvre-Deich gelaufen. Ab und an auch auf dem Deich – dann hatte ich Ausblick aufs Wattenmeer und Zuschauer in Form von Schafen, die mich angestarrt haben. Ich habe mich schon gefragt, was sie gedacht haben. 😅

Im Norden ist Naturschutzgebiet und militärisches Gebiet, so dass man hier nicht direkt zum Meer kommt. Ich habe also eine kleine Schleife gedreht und bin zur Westküste in Lakolk an den Strand gelaufen. Hier hatte ich 19 km und 2:15 h auf der Uhr – Zeit für eine Pause! Gestärkt mit Milchshake, Äpfel und Joghurt, der zum Glück flüssig genug war, so dass ich ihn trinken konnte, ging es an den Strand. Die Westküste Rømø besteht aus einem sehr breiten Sandstrand, der so befestigt ist, dass man ihn mit dem Auto befahren kann. Also geht auch laufen… Die nächsten km waren von der Aussicht her die schönsten, aber von der Antrengung auch die härtesten. Zum einen ist es moralisch echt schwierig am Strand entlang zu laufen – es passiert einfach nicht viel und ich hatte das Gefühl kaum vorwärts zu kommen. Zum anderen ist es auch auf festem Sand irre schwer zu laufen. Man sackt doch bei jedem Schritt etwas ein. Nach weiteren 5 km bin ich im Süden am so genannten Sonderstrand angekommen. Dieses noch größere Sandareal bietet beste Bedingungen für Strandsegler und Buggykiter. Außerdem ist hier eine wunderschöne Dünen- und Wattlandschaft. Um die Natur genießen zu können, bin ich eine ganze Zeitlang gewandert und zwischendurch auch barfuß durchs Meer.

Mein nächstes Ziel war Havneby – die südlichste und auch größte Ortschaft Rømøs. Als ich noch etwa 5 km entfernt war, habe ich die Info von meiner Familie bekommen, dass sie gerade im Hafen von Havneby sind und sich das Auslaufen der Fähre nach Sylt anschauen. Witzigerweise habe ich genau diese Fähre vom Strand aus gesehen. Wir haben uns also in einem Café verabredet. Das hat mich direkt motiviert den Rest wieder zu laufen. Die letzten 2 km waren dann Kasperletheater im Kopf: zwischen „Mach hinne – gleich bist du da und kannst dich ausruhen“ und „Lass dir Zeit – es ist doch total egal, wann du ankommst“ ist alles dabei gewesen.

Kurz vorm Café sprang die Uhr auf 32 km um, für die ich 4:13:38 h gebraucht habe. Es war sehr anspruchsvoll, sehr schön und ich bin happy, dass es geklappt hat.

Im Kreis rennen – Mann mit dem Hammer – Platz 1

Das fasst meinen ersten 6-Stunden- Lauf ungefähr zusammen. Aber einmal von vorne:

Am 16. Juni hatte ich Zeit und was macht der gemeine Läufer, wenn er Zeit hat: Genau laufen! Da ich Lust auf einen kleinen Wettbewerb hatte, habe ich mich auf die Suche nach einem längeren Lauf in der Nähe gemacht und bin beim 24-h-Lauf in Stadtoldendorf hängen geblieben. Da keiner von meiner Laufgruppe sonst Zeit hatte, habe ich kurzerhand meinen kleinen Sohn (inklusive Betreuerin) eingepackt und wir haben uns auf den Weg gemacht.

Der Lauf findet auf einer Tartanbahn statt – also schön 400 m im Kreis. Vor dem Start wurde uns mitgeteilt, dass der Spanier Ivan versucht bei diesem Lauf einen neuen Rekord zu laufen und wir ihm möglichst Platz auf der Innenbahn machen sollten. Da der Gute mal locker doppelt so schnell lief wie ich, bin ich gar nicht mehr auf der Innenbahn gelaufen sondern auf Bahn 2 oder noch weiter außen – somit hatte ich direkt jede Runde ein paar Meter mehr.

Um 14 Uhr fiel der Startschuss. Nach ungefähr 5 Runden fand ich es zunächst ziemlich absurd, die ganze Zeit im Kreis zu laufen und habe überlegt, direkt wieder nach Hause zu fahren. Aber irgendwie war ich dann doch zu neugierig, wie sich das so anfühlt und bin geblieben. Außerdem war ich ja nun gerade auch da. Ab und an habe ich meinen Sohn Julian in seinem Rehabuggy mit genommen. Insgesamt sind wir 6 Runden gemeinsam gelaufen. Das fand ich sehr schön. Julian kann nicht selber laufen, daher laufe ich für ihn und habe das auch auf meinem T-Shirt stehen. Es war echt schön, dass er dabei war. Nach einiger Zeit wurde es ihm aber dann doch zu langweilig und er ist mit seiner Begleitung mit dem Zug nach Hause gefahren.

Beim 24-h-Lauf in Stadtoldendorf  gibt es neben dem 6-h-Lauf auch 12 und 24 Stunden. Jaha – es gibt genügend Leute, die 24 Stunden lang im Kreis rennen. Schon mit kleinen, aber keinen großen Pausen. Verrückt. Der Lauf ist ein netter, kleiner Stadtlauf, bei der viele aus der Gegend mitmachen. Und so gibt es auch viele, die einfach mal vorbeikommen, ein paar Runden laufen – nach Hause gehen – wiederkommen – und wieder laufen. Außerdem gibt es dort verschiedene Staffeln, bei denen die Teilnehmer von großen Gruppen abwechselnd laufen. Es gab auch einen spannenden Battle zwischen zwei Schulen, der von allen lautstark kommentiert wurde. Es war also immer richtig was los auf der Bahn. Nachmittags kamen die Kindergruppen und liefen immer mal wieder mit. Das war lustig. Außerdem spielte die ganze Zeit entweder ein DJ oder Live-Musik. Die Veranstaltung ist wirklich sehr schön gemacht. Am Verpflegungspunkt kommt man logischerweise alle 400 Meter vorbei und die Verpflegung mit Getränken und Snacks war auch prima. Einziges Manko war, dass es nur Einweg-Plastikbecher gab. Ich versuche so oft es geht, Müll zu vermeiden und dazu gehören ganz besonders Einweg-Becher. Ich hatte in weiser Voraussicht meinen eigenen Becher mitgebracht und so war ich beim Verpflegungsstand schnell „die Dame, die ihren eigenen Becher hat“. Hihi – könnte auch ein cooler Indianername sein. 🙂

Die ersten drei Stunden gingen prima rum und ich hatte die ersten 24 km hinter mir. Nach meiner Uhr waren es aufgrund der größeren Runde schon etwas mehr, aber nach offizieller Rechnung bin ich bis dahin 60 Runden gelaufen. Ich hatte mir 45 km vorgenommen, weil es damit ein Ultralauf ist. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch fest damit gerechnet, die 45 km locker zu erreichen. Ich hatte schließlich für einen Halbmarathon auf gerader Strecke 3 Stunden Zeit. Das klang mehr als machbar. Die Rechnung habe ich allerdings ohne den Mann mit dem Hammer gemacht. Der stand tatsächlich just nach etwas über 3 Stunden vor mir und hat mich umgesemmelt. Nach bisher 4 gelaufenen Marathons, einem Ultra und diversen langen Trainingsläufen ohne diese Bekanntschaft, hat es mich bei diesem Lauf voll erwischt. Ich konnte plötzlich nicht mehr laufen – kein Stück. Also bin ich gegangen… und gegangen… und gegangen… Laufen war für mich wirklich Lichtjahre entfernt. Nachdem ich weitere 1,5 Stunden im Kreis gegangen bin und mich gefragt habe, ob ich es noch auf einen Marathon schaffe, ging es nochmal bergab. Mir wurde tatsächlich schwindelig und als ich bei der Verpflegungsstation halt machte, merkte ich wie mein Kreislauf komplett absackte und mir abwechselnd heiß und kalt wurde. OK! Körper – ich habe es jetzt auch kapiert: P A U S E! Und das habe ich auch sofort gemacht. Ich habe mich ins Gras gesetzt und den anderen beim kreisen zugeschaut. Da habe ich mich sehr, sehr deutlich gefragt, was ich hier eigentlich tue. Es ist wirklich verrückt, 6 Stunden lang im Kreis zu laufen. Ehrlich gesagt, hatte ich mir das ganze auch etwas leichter vorgestellt. Ich hatte gedacht, dass ich bestimmt immer mal wieder Leute zum Quatschen treffe. Da aber keiner so richtig mein Tempo lief, blieb es bei ein paar kurzen Quatscheinheiten an der Verpflegungsstation und wenn man sich gegenseitig überholt hat. Das war wirklich sehr schade und hat die Sache gerade auf der zweiten Hälfte sehr zäh gemacht. Ich habe meine Laufgruppe wirklich sehr vermisst.

Nachdem ich mir etwa eine Viertelstunde lang selber leid getan und mich gefragt habe, ob ich es heute übertrieben hatte, habe ich mich interessanterweise turboschnell erholt. Der Schwindel ließ total schnell nach und auch die sonstigen Gebrechen waren verschwunden. Also bin ich wieder aufgestanden und auf die Bahn getapert und siehe da: Ich konnte tatsächlich wieder laufen. Abgefahren!! Damit hatte ich nicht mehr gerechnet. Ich bin nicht schnell unterwegs gewesen, aber ich bin tatsächlich wieder gelaufen. Ich brauchte anscheinend nur ein kleines Päuschen vom Kringeln. Offensichtlich kann man auch auf einer 400-Meter-Bahn einen Drehwurm bekommen. 😉 Zum späten Nachmittag hin wurde es auch wärmer und drückender und auf einer Tartanbahn steht die Hitze, so dass es nochmal wärmer war. Das hatte vermutlich sein übriges getan.

Jetzt fragt sich der ein oder andere vermutlich, warum ich überhaupt weitergemacht habe und nicht einfach aufgehört habe…. Tjaaaaaaa. Zum einen, muss ich gestehen, dass mich der Ehrgeiz gepackt hatte. Beim 6-h- Lauf haben nur 3 Frauen mitgemacht und ich lag zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem ersten Platz, den ich natürlich gerne behalten wollte. Wobei der auch nicht mehr wirklich gefährdet gewesen wäre. Außerdem war das Erreichen von 100 Runden noch drin und das hat mich tatsächlich motiviert es noch zu probieren. Doch der Hauptgrund war eigentlich, dass ich schon die ganze Zeit mal wissen wollte, wie es sich anfühlt, wenn man vom Laufen aus der Bahn geworfen wird (und das hier ja dann sogar im wahrsten Sinne des Wortes) und ob ich es schaffe, mich wieder zu erholen und zu motivieren weiterzumachen. Ich habe so viele Berichte von Ultraläufern gelesen, die genau das erlebt und beschrieben haben. Und jetzt hatte ich es so nah vor Augen. Und keine Sorge, ich kenne meinen Körper sehr gut. Ich war zu keinem Zeitpunkt ernsthaft gefährdet. Zumal das Rettungsteam ja auch maximal 200 m weit weg gewesen wäre. 😉 Aber so weit hätte ich es nicht kommen lassen.

Am Ende habe ich sogar glückliche 102 Runden und noch ein paar Meter geschafft (41,149 km), die mir meinen ersten 1. Platz (bei den Frauen – in der Gesamtwertung 4. hinter 3 Männern) beschert haben. Ich gestehe, dass sich das echt toll anfühlt. 🙂 Zum Abschluss gab es eine sehr nette Siegerehrung, bei der ich neben der Medaille und einer Trinkflasche sogar noch ein tolles Handtuch geschenkt bekommen haben. Ich glaube, die Organisatoren waren etwas verwirrt, da ich die einzige in der Runde war, die sie nicht kannten und sie konnten nichts zu mir erzählen. 😉 Alle anderen waren offensichtlich bekannte Gesichter, die bereits in den vergangenen Jahren dabei waren.

Ich schreibe diesen Bericht 1,5 Monate später und ich habe gemerkt, dass es mir echt schwer fiel darüber zu schreiben. Der Lauf war wirklich eine Herausforderung und mir war nicht bewusst, dass es mir so schwer fällt, einfach nur im Kreis zu laufen. Vermutlich weil ich damit die ganze Zeit das Gefühl hatte, trotz laufen nicht vom Fleck zu kommen. Etwas, was ich in meinem Leben auch nicht so besonders gerne mag. 😉 Es bereitet mir einfach mehr Freude von einem Punkt zum anderen zum Laufen – wie zum Beispiel die wunderbare Harzquerung. Auch im Training laufe ich ungerne Strecken, bei denen ich die ganze Zeit im Kreis laufe. Ich suche mir entweder große Runden aus oder fahre mit dem Zug irgendwohin und laufe zurück.

Insgesamt war es aber auf jeden Fall eine Erfahrung wert. Ich weiß nun, dass ich auch nach einer Krise wieder aufstehen und weitermachen kann, was mir für zukünftige Abenteuer sicherlich helfen wird. (Klingt auch ziemlich nach Lebenserfahrung…) Und ich weiß nun auch, dass ich sehr gerne mit meiner Laufgruppe laufe und viiiiiel lieber im Wald mit Höhenmetern.

Ein paar Wochen später habe ich gesehen, dass ein 6-h-Lauf bereits ab 40 km als Ultralauf gewertet wird und so bin ich sehr happy über meinen zweiten Eintrag auf der DUV-Seite. Ich mag die Seite einfach und finde es schön, dass ich dort gelistet bin. Ich bin tatsächlich Ultraläuferin (auch im Herzen 💕 ) und es macht mir Spaß es so offensichtlich sehen zu können. 🙂

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10 Tage nach meinem 41. Geburtstag gab es die perfekte Startnummer für mich.

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Start und Ziel in einem – hier bin ich 102 Mal vorbei gekommen

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Mit Julian unterwegs

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Die Tartanbahn habe ich mich sehr genau angeschaut an diesem Tag… Nach so vielen Runden kannte ich wirklich jeden Schnipsel und jede Markierung.

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Das war bei meiner Pause… Interessanterweise sehe ich gar nicht so kaputt aus wie ich mich gefühlt habe.

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Mein Markierungsstöckchen. Den bekommt jeder Läufer auf seiner letzten Runde mit, damit die Restmeter auch noch gemessen werden können.

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und da liegt es. Fertig! Meine persönliche Ziellinie nach genau 6 Stunden.

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Die drei 6-h-Damen. Wir sind alle Gewinner!

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Geschenke. 🙂

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So sieht der Lauf als Aufzeichnung in meiner Uhr aus – dort waren es 44,46 km. Die kleine Ecke links unten ist meine Pause.

18 km durch den Haxtergrund

Die Herausforderungen des heutigen Laufs:

1. schwülwarme 30 Grad – den Marathon de Sable werde ich niemals laufen. Mir reichen schon 30 Grad in Deutschland. Da kann ich auf 40 Grad und mehr in der Wüste sehr gut verzichten. Es hat auch was gutes – dann brauche ich mich damit gar nicht weiter zu beschäftigen.

2. Unmengen von fliegende Insekten um meinen ganzen Körper und zeitweise auch im Mund. 🤪 Es gibt schöneres…. Das Positive ist: Das Insektensterben hat im Haxtergrund ganz sicher noch keinen Einzug gehalten.

3. Pferdebremsen: AUA!!! Ich kann mich an die unangenehmen Stiche noch sehr gut früher in den Reiterferien erinnern. Trotz Insektenschutzspray haben mich zwei erwischt.

4. Gräser auf dem teils sehr unebenen Weg, die mir locker bis zur Hüfte reichten. Da war ans Laufen nicht zu denken, sondern eher eine Wanderung dazwischen durch.

5. das nahende Gewitter: die letzten 6 km zog es zu und fing an zu grummeln. Da die App mir keine verlässlichen Daten angezeigt habe, habe ich etwas mehr Gas gegeben. Das Gute: Die letzten 3 km hatte ich eine sagenhafte Pace von unter 6 Min./km. 😂

6. Das Laufen selber: Abgeschlagen auf dem letzten Platz. Ok – es korrelierte natürlich mit dem Speed durch Punkt 5, so dass ich jetzt auch ordentlich platt bin.

Trotz aller Herausforderungen fühlt es sich jetzt – danach – richtig gut an. 😊